BIBER-Blickpunkt

Inklusion – Gemeinsam mit- und voneinander lernen

Für das traditionelle deutsche Bildungssystem, in dem als normal gilt, dass alle Kinder in der gleichen Zeit mit denselben Methoden zu denselben Zielen gelangen sollen, ist es eine enorme Herausforderung: Vielfalt bewusst zu machen. Denn Inklusion, wie sie die UN-Behindertenkonvention fordert, heißt, dass alle Kinder gemeinsam betreut werden und zusammen lernen. Nicht nur behinderte und nicht-behinderte, sondern auch arme und reiche, Muttersprachler und solche mit Migrationshintergrund, schnelle und langsame Lerner.

29.03.2012 Pressemeldung Schulen ans Netz e. V.

Wie Inklusion gelingen kann und wo die Herausforderungen liegen, zeigt der neue Blickpunkt von BIBER - Netzwerk frühkindliche Bildung. Vor allem aber zeigt er, dass die Urangst des deutschen Bildungsbürgertums, dass Lernstarke in gemischten Gruppen zu kurz kommen, unbegründet ist: Nicht nur die kognitiven Leistungen, auch die sozialen Kompetenzen aller Kinder verbessern sich in einem inklusiven Bildungssystem deutlich.

"Viele individuelle Bedürfnisse werden in den Regeleinrichtungen gar nicht erkannt, weil die Lehrkräfte dafür nicht sensibilisiert und geschult sind. Oder es wird erst erkannt, wenn ein Kind schon sehr auffällig ist. Dann ist es aber oft zu spät", erklärt Prof. Lisa Pfahl, die die Forschungsstelle Inklusion an der Universität Bremen leitet. In einer inklusiven Einrichtung werde dagegen jedem einzelnen Kind und seinem Lernweg sehr viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Auch, dass es neben den Lehrkräften Fachleute für Logopädie oder Sozialpädagogik gibt, kommt allen Kindern zugute. In inklusiven Schulen erreichen insgesamt mehr Kinder höhere Abschlüsse, und alle Studien zeigen, dass Leistungsstarke nicht abfallen.

Um Inklusion umzusetzen, muss sich unser Bildungssystem verändern: Der Unterricht muss flexibler und individueller gestaltet werden, denn es lernen eben nicht alle Kinder dasselbe in der gleichen Zeit. Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen sei deshalb vor allem, "Lern- und Sozialisationsprozesse zu begleiten und dabei viel zu beobachten, um auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen zu können", betont Pfahl. Inklusion muss auch Bestandteil der Ausbildung werden. "Eigentlich müsste jeder pädagogische Studiengang inklusiv ausgerichtet sein", erklärt Timm Albers, Juniorprofessor für Frühkindliche Bildung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Schon heute gibt es viele Kitas und Schulen, die zeigen, dass Inklusion funktionieren kann, beispielsweise die Kita "Sonnenland" in Niedersachsen und die Berliner Heinrich-Zille-Grundschule, die der Blickpunkt vorstellt. Marion Löfflmann, deren Kinder eine inklusive Kita in Bayern besucht haben, sagt: "Wenn gesunde Kinder und Kinder mit Einschränkungen zusammen spielen, entstehen Reibungspunkte. Die brauchen Kinder, denn dadurch lernen sie."

Der Blickpunkt informiert außerdem über pädagogische Aus- und Weiterbildungen mit dem Schwerpunkt Inklusion und enthält wie immer eine Linkliste zum Thema sowie Literaturempfehlungen.

Direkt-Link zum Blickpunkt: www.bibernetz.de/wws/blickpunkt-inklusion.php

Über BIBER

BIBER, das Netzwerk für die frühkindliche Bildung ist ein Projekt von Schulen ans Netz e. V.e, einer Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. BIBER bietet Best-Practice-Beispiele und Materialien für die pädagogische Praxis und entwickelt und erprobt Internet gestützte Fortbildungen. In der BIBER-Community tauschen sich pädagogische Fachkräfte zu Themen der frühkindlichen Bildung aus.

Ansprechpartner:

Gerhard Seiler (Projektleitung)
Tel.: (0228) 910 48-255
Fax: (0228) 910 48-1255
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Ansprechpartner

Schulen ans Netz e. V.
Bonner Talweg 100
53113 Bonn
Web: http://www.schulen-ans-netz.de

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