K3-Bildungsprogramm vorgestellt:

09.07.2004 Saarland Pressemeldung Ministerium für Bildung und Kultur Saarland

  • Frühes Lernen ein Gewinn für die Kinder
  • Fachabitur für Erzieherinnen und Erzieher
  • Stärkere Zusammenarbeit zwischen Schule und Kindergärten
  • Mehr Männer in den Kindergarten
  • Landeselternvertretung für Kindergärten

"Frühe Jahre dürfen für das Lernen nicht verschenkt werden. Dann sind die Lern- und Entwicklungsfenster der Kinder weit geöffnet. Ihren Wissensdurst und ihre Neugier gilt es stärker als bisher für das Lernen des Lernens zu nutzen." Dies erklärte Kultusminister Jürgen Schreier am Freitag (9.7.04) bei der Vorstellung des neuen K3-Bildungsprogramms für saarländische Kindergärten. Das Programm als wichtiger Teil des saarländischen K3-Programms wird ein Jahr lang in der Praxis erprobt und in der Fachöffentlichkeit diskutiert. Anschließend wird es noch einmal überarbeitet und dann Grundlage für die Bildungsarbeit in den saarländischen Kindergärten.

"Kinder wollen und sollen deshalb schon im Kindergarten auch gezielter lernen. Das ist kein Verlust von Kindheit, sondern ein Gewinn", sagte der Minister. Darüber hinaus hob Schreier die Bildung im Kindergarten als einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit hervor. "Während nämlich bildungsbewusste Elternhäuser ihre Kinder in dieser wichtigen Zeit von sich aus fördern, bekommen Kinder aus bildungsärmeren Elternhäusern zu wenig Hilfe. Das traurige Ergebnis ist, dass sich die Schere der Chancenungleichheit schon früh zu öffnen beginnt", erklärte der Minister.

Die saarländische Landesregierung, so Schreier weiter, betone die Bedeutung des Kindergartens als Bildungsstätte. Deshalb sei im Saarland als einzigem Bundesland das letzte Kindergartenjahr gebührenfrei und daher von fast allen Kindern besucht. Jürgen Schreier: "Damit haben wir beste Voraussetzungen geschaffen, um den Kindergarten auch zu einem Ort des frühen Lernens zu machen."

Gleichzeitig sprach sich Jürgen Schreier gegen eine Verschulung des Kindergartens aus. "Der Kindergarten ist keine Grundschule und soll auch keine werden", so der Minister. Vielmehr sollten die Kinder spielerisch und altersgemäß an die Lerninhalte herangeführt werden. Jürgen Schreier: "Kindergarten und Grundschule sind zwei verschiedene Lernorte, aber sie müssen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Denn die Bildungsbiografie der Kinder ist nicht teilbar."

Das Bildungsprogramm

Das Bildungsprogramm wurde erarbeitet von der Internationalen Akademie (INA), gemeinnützige Gesellschaft für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie mbH an der Freien Universität Berlin unter der Leitung von Dr. Christa Preissing. Es umfasst sieben Lernbereiche:

  • Körper, Bewegung und Gesundheit
  • Soziale und kulturelle Umwelt, Werteerziehung und religiöse Bildung
  • Sprache und Schrift
  • Bildnerisches Gestalten
  • Musik
  • Mathematische Grunderfahrungen
  • Naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen

Das Programm betont die gemeinsame Verantwortung von Eltern, Erzieherinnen, Trägern und dem Land für das frühe Lernen. Es nimmt die Impulse der nationalen Qualitätsinitiative auf, setzt aber auch eigene Akzente, insbesondere auf das frühe Lernen der Sprache des Nachbarn.

Fachabitur für Erzieherinnen

In diesem Zusammenhang bezeichnete Jürgen Schreier die in ihrer Qualität verbesserte Erzieherinnenausbildung als eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung des Bildungsplanes. Diese beginnt ab dem kommenden Schuljahr 2004/05 mit einem einjährigen Vorpraktikum in dualisierter Form (zwei Tage an der Schule/drei Tage im Kindergarten). Nur wenn die angehenden Erzieherinnen dieses neu strukturierte Vorpraktikum mit einer positiven Beurteilung abschließen, werden sie zur zweijährigen Fachschule für Sozialpädagogik zugelassen. Im Rahmen dieser Schulausbildung - auch das ist neu - machen die Erzieherinnen ihr Fachabitur.

Jürgen Schreier: "Diese Neuregelung stellt eine deutliche Qualitätssteigerung in der Erzieherinnenausbildung dar. Darüber hinaus fließt das K3-Bildungsprogramm in die Fortbildungsveranstaltungen für die Erzieherinnen ein. Wir wollen nicht nur die besten Schulen, sondern auch die besten Kindergärten. Im Saarland hat jedes Kind nicht nur das Recht auf einen Kindergartenplatz, sondern künftig auch ein Grundrecht auf Bildung im Kindergarten."

Jürgen Schreier: "Mehr Männer in den Kindergarten"

Der Minister betonte, es müssten künftig mehr Männer als bisher Erzieher in Kindergärten werden. Jürgen Schreier: "Kinder müssen für den Aufbau ihrer Identität auch die männliche Rolle der Erziehung erfahren, sonst ist die *Mütterlichkeit' in der Erziehung überbetont." Derzeit arbeiten lediglich fünf Erzieher in saarländischen Kindergärten gegenüber rund 2 500 Erzieherinnen.

Schreier erklärte, es werde darüber hinaus künftig eine Landeselternvertretung für Kindergärten geben. "Wie bei den Schulen auch, muss es eine Bildungspartnerschaft mit den Eltern und eine landesweite Repräsentanz der Erziehungsberechtigten geben", so der Minister.


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