Frühe Förderung

Kita-Pflicht für Kinder ab drei Jahren wäre wenig zielgenau

Wer sind die sechs Prozent der Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die keine Kita besuchen? DIW-Studie zeigt, dass Nicht-Kita-Kinder beispielsweise häufiger einen Migrationshintergrund haben, das trifft aber längst nicht auf alle zu.

09.05.2018 Bundesweit Pressemeldung Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
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Eine Kita-Pflicht hätte vermutlich nur einen äußerst geringen Nutzen. Besser wäre eine gezieltere Förderung, beispielsweise von Kindern mit Sprachförderbedarf. Kinder, die im Alter ab drei Jahren bis zur Einschulung nicht in eine Kindertageseinrichtung gehen, kommen – anders, als vor allem BefürworterInnen einer Kita-Pflicht häufig annehmen – keinesfalls nur aus sozioökonomisch benachteiligten Haushalten. Zwar haben Nicht-Kita-Kinder – im Altersbereich von drei bis sechs Jahren handelt es sich um sechs Prozent aller Kinder – tatsächlich häufiger einen Migrationshintergrund und kommen eher aus Haushalten, die in die untere Hälfte der Einkommensverteilung fallen. Das trifft aber längst nicht auf alle Kinder zu, wie eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt. Demnach gibt es über alle Einkommens- und Bildungsgruppen hinweg Familien, die ihr Kind nicht in einer Kita betreuen lassen.

„Eine pauschale Kita-Pflicht für alle Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung wäre daher kaum geeignet, gezielt Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Haushalten zu fördern“, sagt DIW-Bildungs- und Familienökonomin C. Katharina Spieß, die gemeinsam mit Sophia Schmitz untersucht hat, aus welchen Haushalten Nicht-Kita-Kinder kommen. Dafür verwendeten die Forscherinnen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin und der Zusatzstichprobe „Familien in Deutschland“. Stattdessen sollten tatsächlich förderbedürftige Kinder gezielter unterstützt werden, etwa wenn es um Sprachfähigkeiten geht. „Das wäre effizienter und damit auch kostengünstiger zu machen als mit einer Kita-Pflicht“, so Spieß.

Nicht-Kita-Kinder nehmen häufiger an Eltern-Kind-Gruppen teil

Rund 94 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen in Deutschland mittlerweile eine Kita. Mit Blick auf die übrigen sechs Prozent wird oft vermutet, dass es sich um Kinder aus Haushalten mit einem geringen sozioökonomischen Status handelt, in denen die Eltern also beispielsweise einen niedrigen Bildungsabschluss, ein geringes Einkommen oder einen Migrationshintergrund haben. Insbesondere diese Kinder würden von einem Kita-Besuch besonders profitieren, so die Meinung vieler ExpertInnen. Zuletzt wurde die Debatte um eine mögliche Kita-Pflicht auch dadurch bestimmt, dass Frankreich das Einschulungsalter auf drei Jahre senken will, damit alle Kinder eine Vorschule besuchen. Für Deutschland wusste man bisher nicht im Detail und auf Basis aktueller Daten, welche Kinder genau es sind, die keine Kindertageseinrichtung besuchen und die man dementsprechend mit einer Kita-Pflicht erreichen würde.

Die DIW-Studie zeigt nun, dass Nicht-Kita-Kinder auch aus Haushalten kommen, in denen die Eltern vergleichsweise hohe berufliche Bildungsabschlüsse und Einkommen haben. So leben neun Prozent der Nicht-Kita-Kinder in den einkommensstärksten 25 Prozent der Haushalte. Auch eine feinere Unterteilung der Einkommen bestätigt, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Nettoeinkommen des Haushalts und der Wahrscheinlichkeit, eine Kita zu nutzen, gibt. Hinzu kommt: Wenn ein Kind nicht in eine Kita geht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es nicht mit anderen Kindern in Kontakt käme: Fast jedes sechste Nicht-Kita-Kind nimmt mit seinen Eltern regelmäßig an einer Eltern-Kind-Gruppe teil.

Die Gründe, das eigene Kind nicht in eine Kita zu schicken, sind indes vielfältig: Am häufigsten gaben Eltern an, sie seien sowieso zu Hause und könnten die Betreuung selbst übernehmen, sie wollten ihr Kind lieber selbst erziehen oder sie hielten ihren Sohn oder ihre Tochter noch für zu jung.

Nötig sind mehr Informationen und Anreize, freiwillig eine Kita zu nutzen

„Unter dem Strich wäre eine Kita-Pflicht aus bildungs- und familienökonomischer Sicht wohl wenig zielgenau. Vor allem würde der mögliche, wenn auch vermutlich sehr geringe, Nutzen einer Kita-Pflicht durch die mit dieser verbundenen Kosten und juristischen Schwierigkeiten überkompensiert“, schlussfolgert Studienautorin Sophia Schmitz. Sinnvoller erscheine beispielsweise, Kinder mit Sprachschwierigkeiten zur Teilnahme an einer Sprachförderung zu verpflichten, wie es mancherorts bereits der Fall ist. „Darüber hinaus gilt es, Anreize zu setzen, dass Eltern ihre Kinder freiwillig in eine sehr gute Kita schicken, und zwar nicht erst kurz vor der Einschulung, sondern früher“, so Spieß. „Mehr und bessere Informationen zu den grundsätzlichen Vorteilen des Besuchs einer Kita mit einer guten Qualität, den damit verbundenen Kosten und möglichen Beitragsbefreiungen wären dabei ein wichtiger Schritt.“

Nicht-Kita-Kinder nehmen häufiger an Eltern-Kind-Gruppen teil

Rund 94 Prozent aller Kinder zwischen drei und sechs Jahren besuchen in Deutschland mittlerweile eine Kita. Mit Blick auf die übrigen sechs Prozent wird oft vermutet, dass es sich um Kinder aus Haushalten mit einem geringen sozioökonomischen Status handelt, in denen die Eltern also beispielsweise einen niedrigen Bildungsabschluss, ein geringes Einkommen oder einen Migrationshintergrund haben. Insbesondere diese Kinder würden von einem Kita-Besuch besonders profitieren, so die Meinung vieler ExpertInnen. Zuletzt wurde die Debatte um eine mögliche Kita-Pflicht auch dadurch bestimmt, dass Frankreich das Einschulungsalter auf drei Jahre senken will, damit alle Kinder eine Vorschule besuchen. Für Deutschland wusste man bisher nicht im Detail und auf Basis aktueller Daten, welche Kinder genau es sind, die keine Kindertageseinrichtung besuchen und die man dementsprechend mit einer Kita-Pflicht erreichen würde.

Die DIW-Studie zeigt nun, dass Nicht-Kita-Kinder auch aus Haushalten kommen, in denen die Eltern vergleichsweise hohe berufliche Bildungsabschlüsse und Einkommen haben. So leben neun Prozent der Nicht-Kita-Kinder in den einkommensstärksten 25 Prozent der Haushalte. Auch eine feinere Unterteilung der Einkommen bestätigt, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Nettoeinkommen des Haushalts und der Wahrscheinlichkeit, eine Kita zu nutzen, gibt. Hinzu kommt: Wenn ein Kind nicht in eine Kita geht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es nicht mit anderen Kindern in Kontakt käme: Fast jedes sechste Nicht-Kita-Kind nimmt mit seinen Eltern regelmäßig an einer Eltern-Kind-Gruppe teil.

Die Gründe, das eigene Kind nicht in eine Kita zu schicken, sind indes vielfältig: Am häufigsten gaben Eltern an, sie seien sowieso zu Hause und könnten die Betreuung selbst übernehmen, sie wollten ihr Kind lieber selbst erziehen oder sie hielten ihren Sohn oder ihre Tochter noch für zu jung.

Nötig sind mehr Informationen und Anreize, freiwillig eine Kita zu nutzen

„Unter dem Strich wäre eine Kita-Pflicht aus bildungs- und familienökonomischer Sicht wohl wenig zielgenau. Vor allem würde der mögliche, wenn auch vermutlich sehr geringe, Nutzen einer Kita-Pflicht durch die mit dieser verbundenen Kosten und juristischen Schwierigkeiten überkompensiert“, schlussfolgert Studienautorin Sophia Schmitz. Sinnvoller erscheine beispielsweise, Kinder mit Sprachschwierigkeiten zur Teilnahme an einer Sprachförderung zu verpflichten, wie es mancherorts bereits der Fall ist. „Darüber hinaus gilt es, Anreize zu setzen, dass Eltern ihre Kinder freiwillig in eine sehr gute Kita schicken, und zwar nicht erst kurz vor der Einschulung, sondern früher“, so Spieß. „Mehr und bessere Informationen zu den grundsätzlichen Vorteilen des Besuchs einer Kita mit einer guten Qualität, den damit verbundenen Kosten und möglichen Beitragsbefreiungen wären dabei ein wichtiger Schritt.“


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