Kultusminister Schneider verleiht Staatspreis für Unterricht und Kultus:

"Sie haben sich in herausragender Weise um Bildung und Gesellschaft in unserem Land verdient gemacht", würdigte Kultusminister Schneider heute bei seiner Rede zur Verleihung des Bayerischen Staatspreises für Unterricht und Kultus die Geehrten. Dieser Preis, der heuer bereits zum vierten Mal vergeben werde, liege ihm besonders am Herzen, so der Minister. Schließlich solle die Öffentlichkeit wissen, welch hervorragende Arbeit an den bayerischen Schulen und Bildungseinrichtungen zugunsten der kommenden Generationen geleistet werde.

28.07.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Außerdem sei er der Überzeugung, dass man Menschen, "die viel mehr tun als ihre Pflicht und viel mehr als das Notwendige" gar nicht oft genug loben könne, so Schneider. Das öffentliche Lob solle andere inspirieren und zur Nachahmung anspornen. Als "Vorbilder" bezeichnete der Minister die diesjährigen Preisträger der Bayerischen Staatspreises für Unterricht und Kultus: "Sie haben sich in sehr hohem Maße für andere Menschen und für die Gemeinschaft engagiert und wussten: Wer bloß ausgetretene Pfade benutzt, wirbelt allerhöchstens Staub auf ? wer dagegen neue Wege geht, hinterlässt Spuren."

Sie alle hätten vor allem Verantwortungsbewusstsein gezeigt. "Dieses Verantwortungsbewusstsein, dieses Engagement, diese Grundhaltung braucht unser Land. Das müssen wir auch an unsere Kinder und Jugendlichen weitergeben ? denn nur so, mit Bildung und Erziehung, sichern wir die Zukunft unserer Gesellschaft", sagte Schneider. Dieser Zusammenhang komme auch in der Bronzeplastik zum Ausdruck, die den Staatspreis für Unterricht und Kultus symbolisiert. Sie stellt eine Kastanie dar. Der Entwurf war vor vier Jahren im Rahmen eines Wettbewerbs aus zahlreichen Schüler-Entwürfen ausgewählt worden.

Mit der Kastanie sei es der jungen Künstlerin gelungen, ein starkes, sehr positives Bild für Erziehung und Bildung zu finden: Die Schale der Kastanie bietet Schutz und versorgt den Kern mit allem Notwendigen. Dies sei ein wesentlicher Aspekt von Bildung und Erziehung: den jungen Menschen das Rüstzeug mitzugeben, das sie für ein selbstbestimmtes, verantwortliches Leben brauchen. Die "schwierigste" Rolle komme jedoch dem Kastanien-Kern zu: Er wächst und reift. "Und das ist beileibe kein so passiver Vorgang, wie es den Anschein haben mag", betonte Schneider. Dies zeige schließlich bereits die Sprache. Man könne weder "gewachsen werden" noch "gereift werden", so der Minister. Aufgabe der Erziehenden könne also nur die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen sein, Lernen müsse jedoch der Lernende selbst.

Der Bayerische Staatspreis für Unterricht und Kultus sei als Dank des Freistaats Bayern für jahrzehntelanges herausragendes Wirken zu verstehen, "als Dank für Ihren unermüdlichen Einsatz für die Bildung und die Zukunft der nächsten Generation", so Schneider.

Geehrt wurden im Einzelnen:
Frau Sonderschulrektorin a.D. Ursula Gantenberg, München
Herr Stephan Götzl, München
Herr Oberkirchenrat Helmut Hofmann, München
Herr Studiendirektor Werner Honal, Unterschleißheim
Herr Stadtdirektor a.D. Siegfried Kett, Nürnberg
Frau Oberstudiendirektorin i.P. Barbara Neumann-Grziwok, Regensburg
Herr Konrektor Franz Schneider, Memmingen
Herr Professor Dr. Werner Schneider, Erlangen
Herr Realschulrektor Hermann Stamm, Schwabach

Frau Ursula Gantenberg, Sonderschulrektorin a.D. aus München, sorgte sich von Beginn ihrer Laufbahn an um Kinder und Jugendliche, die körperbehindert oder krank sind. Seit 1980 engagierte sie sich für Kinder und Jugendliche, die längere Zeit in Krankenhäusern verbringen müssen. Bis zu ihrer Versetzung in den Ruhestand im Februar diesen Jahres hat sie die Schule für Kranke in München konzipiert, aufgebaut und geleitet, die sich inzwischen an elf Klinikstandorten einen hervorragenden Ruf erworben hat und aus der Münchner Krankenhauslandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Dabei beschritt sie immer wieder neue pädagogische Wege und entwickelte unorthodoxe Organisationsformen. So bemühte sie sich um einen mediengestützten Krankenhausunterricht, bei dem die Kinder und Jugendlichen mittels unmittelbarem Bild- und Tonaustausch direkt und zeitgleich am Unterricht in der Stammklasse teilhaben können.

Herr Stephan Götzl aus München, seit seiner Gründung Mitglied des Vorstands der Stiftung Bildungspakt Bayern, hat die gesamte Arbeit der Stiftung mit geprägt. Durch seine kompetente und energische Unterstützung kann die Stiftung Bildungspakt Bayern mehrere Großprojekte durchführen und dadurch Innovationen an bayerischen Schulen anstoßen. "Durch ihr Vorbild haben Sie auch andere Vertreter der bayerischen Wirtschaft überzeugt, dass sich Investitionen in Bildung langfristig auch für die Unternehmen lohnen", so Schneider. Nicht zuletzt dank des Engagements von Stephan Götzl sei die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft in Bayern keine Vision, sondern Wirklichkeit. Während seiner gesamten Amtszeit als Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sowie des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro habe Götzl die Verbesserung der Schulqualität zum Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht.

Herr Oberkirchenrat Helmut Hofmann war seit 1978 im Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für den Konfirmanden- und Religionsunterricht sowie für die Personalführung der kirchlichen Religionslehrkräfte verantwortlich. Als Leiter der Abteilung "Schule ? Bildung ? Medien" trägt er seit 1999 Verantwortung für den großen Komplex der Diakonie und des kirchlichen Engagements zur Bewahrung der Schöpfung sowie auch für zahlreiche Bereiche der Bildung - insbesondere Kindertagesstätten, Erwachsenenbildung und Religionsunterricht.

Herr Studiendirektor Werner Honal, Unterschleißheim, kann als "Vater der Schulberatung" bezeichnet werden: Seit mehr als 30 Jahren ist er Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle für die Gymnasien in Oberbayern West. Immer ging es ihm zuallererst um Schüler, Eltern und Lehrkräfte, doch auch der Status der 2.800 Beratungslehrkräfte und 500 Schulpsychologen lag ihm am Herzen. Honal konnte darüber hinaus auch im Bereich der Schulentwicklung maßgebliche Impulse geben. So leitete er mehrere Arbeitsgruppen, fungierte als federführender Koordinator für den regionalen Bildungskongress in Ingolstadt und leistete als Beauftragter für Schulinnovation unschätzbare Vernetzungsarbeit. Zu all diesen Aktivitäten kam ein großes verbandspolitisches Engagement.

Herr Stadtdirektor a.D. Siegfried Kett, Nürnberg, ist der Erwachsenenbildung in Bayern seit eineinhalb Jahrzehnten aufs engste verbunden. Von 1992 bis 2002 war er Leiter des Nürnberger Bildungszentrums, der zweitgrößten Volkshochschule im Freistaat Bayern. Daneben war er von 1994 bis 2000 als zweiter und anschließend bis 2004 als erster Vorsitzender des Bayerischen Volkshochschulverbandes ehrenamtlich tätig, war bis 2004 zudem Vorsitzender des Landesbeirats für Erwachsenenbildung und wurde erst vor wenigen Tagen als Vorsitzender des Beirats der Akademie für Politische Bildung Tutzing verabschiedet. Ein besonderes Anliegen war Kett immer die regionale und thematische Vernetzung der verschiedenen Träger der Erwachsenenbildung und ihrer Angebote.

Frau Barbara Neumann-Grziwok, Oberstudiendirektorin i.P., Regensburg, leitet seit nunmehr achtzehn Jahren das Privat-Gymnasium Pindl in Regensburg und hat ihrer Schule in dieser Zeit einen hervorragenden Ruf in Stadt und Region erworben. Bei der Einführung der sechsstufigen Realschule war sie eine Frau der ersten Stunde ? die Realschule Pindl leitete sie bis 2003 zusätzlich zum Gymnasium. Seit diesem Schuljahr läuft an ihrer Schule ein Modellversuch Ganztagsschule ? der erste und einzige in der Oberpfalz. Darüber hinaus war Neumann-Grziwok über viele Jahre Vorsitzende des von ihr mitbegründeten Vereins der ehemaligen Studierenden der Universität Regensburg und bemühte sich in dieser Funktion um möglichst enge Kontakte zwischen Schule und Hochschule. Zudem ist sie unter anderem Gründungsmitglied des Vereins J-Uni-Käfer, der einen Universitätskindergarten betreibt.

Herr Konrektor Franz Schneider, Memmingen, gilt als "Erfinder" der Praxisklasse. Ging es Schneider zunächst darum, für seine Schülerinnen und Schüler an der Lindenschule Memmingen, die sich mit dem schulischen Lernen besonders schwer taten, neue pädagogische Wege zu finden. In der Folge hat er jedoch mit seiner Neuentwicklung den aktuellen Hauptschullehrplan und damit die gesamte Konzeption der Hauptschule maßgeblich beeinflusst. Im Schuljahr 1995/96 wurden die Ideen und Konzepte der "Praxisklasse" erstmals erfolgreich in der Wirklichkeit erprobt. Im laufenden Schuljahr 2004/2005 gibt es bayernweit bereits rund 100 solcher Praxisklassen, die Jugendlichen neue schulische, vor allem aber berufliche Perspektiven eröffnen.

Herr Professor Dr. Werner Schneider, Erlangen, Professor für Didaktik der Physik an der Universität Erlangen-Nürnberg, arbeitete in der Überzeugung, dass die schulischen Erfahrungen jedes Einzelnen seine lebenslange Einstellung zur Physik prägen, konsequent daran, das Fundament für einen spannenden, reizvollen Physikunterricht zu legen. Schneider beschränkte sich nicht allein auf Forschung und Lehre, sondern pflegte schon immer einen intensiven Kontakt zur Schule und zur Lehrerschaft. Als Herausgeber der Buchreihe "Wege in die Physikdidaktik" hat Schneider die Zusammenarbeit der Lehrstühle maßgeblich gefördert, als Leiter des Fachverbands Didaktik der Physik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft die Wissenschaft bundesweit geprägt.

Herr Realschulrektor Hermann Stamm, Schwabach, begann seine Laufbahn an der Staatlichen Realschule Kulmbach, wo er mit zwei Kollegen den Comprehension-Test sowie die Sprachfertigkeitsprüfung entwickelte. Von dort aus ging er an das Kultusministerium und wechselte schließlich 1976 als jüngster Realschulleiter nach Schwabach. In wenigen Tagen wird er als dienstältester Realschulrektor Bayerns in Ruhestand gehen. Stamm engagierte sich in seiner 29jährigen Dienstzeit in besonderem Maße für soziale Fragen, die Integration behinderter Kinder sowie den Umweltschutz. Zudem setzte er sich stark für die deutsch-amerikanische Jugendarbeit ein und förderte Schulpartnerschaften mit mehreren Ländern. Jahrelang engagierte sich Stamm auch als stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes und in der Kommunalpolitik. Unter anderem fungierte er von 1990 bis 2002 als Bürgermeister der Stadt Schwabach.

Fotos von der Verleihung des Staatspreises für Unterricht und Kultus schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne zu. Ab Freitag können Sie die Bilder unter www.km.bayern.de/presse/fotoarchiv auch aus dem Internet herunterladen.


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