didacta-Themendienst

Nachhaltigkeit: „Jeder findet seinen eigenen Zugang.“

Tropische Temperaturen, versinkende Inseln und Jahrhundertstürme: Der Klimawandel betrifft uns alle. Deshalb sollten auch Kinder schon frühzeitig für Nachhaltigkeit und Umweltschutz sensibilisiert werden, meint Anna Thielebein von der S.O.F. Save Our Future - Umweltstiftung.

18.12.2018 Bundesweit Artikel Martin Stengel
  • © Anna Thielebein

Frau Thielebein, was ist das Ziel Ihrer Bildungsinitiative KITA21?
Die Initiative gibt es seit 2008. Dahinter steckt das Konzept einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Wir unterstützen Kitas dabei, Lernorte für zukunftsfähiges Denken und Handeln zu werden, ob durch Fortbildungen, Teamfortbildung oder auch Beratungen. Wir möchten Erzieherinnen und Erzieher mit diesen Themen vertraut machen, damit sie die eigene Bildungsarbeit dazu mit den Kindern gestalten können.

Worauf fokussieren Sie sich neben der pädagogischen Unterstützung der Erzieher und Erzieherinnen?
Es geht auch um die Frage einer nachhaltigen Bewirtschaftung und Beschaffung. Wir schauen uns an, was und wie die Einrichtungen einkaufen: Welche Reinigungs- und Nahrungsmittel, welches Spielzeug oder welche Büromaterialien? Es geht zudem um die verbrauchte Energie und den erzeugten Abfall. Wir haben zum Beispiel mit einem Träger in Schleswig-Holstein eine Beschaffungsrichtlinie mit Standards und Empfehlungen für seine 17 Kitas erstellt. Das ist natürlich toll: Diese Einrichtungen haben sich gemeinsam entschieden, Nachhaltigkeit so ernst zu nehmen, dass sie im eigenen Handeln und in ihrem Umgang mit Ressourcen zum Vorbild werden wollen.

Wofür verleihen Sie Kindertageseinrichtungen die Auszeichnung „KITA21“? 
Die Auszeichnung vergeben wir seit 2010. Anfangs waren es hauptsächlich Kitas in Hamburg, inzwischen gibt es KITA21 aber auch in Schleswig-Holstein. Die Einrichtungen reichen eine Dokumentation ein, in der sie ihre Bildungsarbeit beschreiben und zeigen, wie sie sich zu einem Lernort für Umweltbewusstsein und verantwortungsvolles Handeln entwickelt haben. Sie beschreiben auch, wie sie in der Bewirtschaftung und Beschaffung mit Ressourcen umgehen. Eine Jury entscheidet dann anhand von festgelegten Kriterien über die Auszeichnung. Kitas, die sich hierbei besonders hervorheben, bezeichnen wir dabei als sogenannte Leuchtturmkitas. Für sie ist Nachhaltigkeit gelebter Alltag und steht verpflichtend in ihrer Konzeption.

Welche Rolle spielt bei Ihrer Arbeit das Projekt „KLIMAfuchs“?
Das ist ein Hamburger Projekt mit dem Fokus auf Klimaschutz und Energie. Wir unterstützen Kitas mit Fortbildungen und Energiechecks, die aufzeigen, welche Energiespar-Maßnahmen für sie in Frage kommen.

Warum ist es wichtig, bereits in der Kita Wertschätzung für die Natur und deren Ressourcen zu vermitteln?
Kitas sind einfach ein toller Ort, um sich in Alltagssituationen mit Themen wie Ernährung, Abfall oder Energie auseinanderzusetzen. Das funktioniert schon mit kleinen Kindern, weil sie einfach neugierig und begeisterungsfähig sind. Wir hoffen, dass sie sich auch später noch mit diesen Themen beschäftigen, wenn sie erleben, dass sie mit ihrem eigenen Handeln etwas bewirken können.

Wie herausfordernd ist es für Erzieherinnen und Erzieher, kleinen Kindern so komplexe Sachverhalte näher zu bringen? 
Manchmal haben die Erzieherinnen und Erzieher Sorge, dass die Themen für die Kinder zu düster sind. Dabei geht es eher um einen positiven Ansatz statt um ein Weltuntergangsszenario: Was können wir verändern? Wie können wir anders mit Abfall umgehen? Inwiefern können wir anders einkaufen oder uns anders ernähren?

Wie vermitteln Sie den pädagogischen Fachkräften das nötige Rüstzeug, um in der Kita umweltbewusstes und verantwortliches Handeln zu vermitteln?
Natürlich vermitteln wir ihnen das Wissen dafür, aber es geht auch darum, welche Methoden die Erzieherinnen und Erzieher anwenden können, um mit den Kindern zu arbeiten. Dabei steht die persönliche Auseinandersetzung im Fokus. Die Erzieher sollen bei sich selbst anfangen, bevor sie mit den Kindern an diesen Themen arbeiten. Sie sollen ja authentisch sein: Jeder findet seinen eigenen Zugang, vielleicht über Kunst oder Experimente oder den Garten. Sie beschäftigen sich mit diesen Themen und verändern ihre Perspektive. Das nehmen auch die Kinder mit. Ein wesentlicher Bestandteil ist, dass sich die Erzieher als Lernbegleiter begreifen und einen Raum schaffen, in dem sich die Kinder mit diesen Themen auseinandersetzen können: Zum Beispiel in einer eigenen Reparaturwerkstatt oder einem Hochbeet, wo sie selber ernten können und sich mit Saisonalität und Regionalität beschäftigen. So entwickeln sie beispielsweise eine Wertschätzung für Lebensmittel.

Vom 19. bis 23. Februar 2019 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Köln zusammen. 

Diese Veranstaltungen könnten Sie interessieren:

Kita-Seminare
Kinder sensibilisieren – Nachhaltigkeit und Solidarität in Kitas
Congress-Centrum Nord
20.02.2019
Veranstalter: Didacta Verband e.V. 

Workshop 4: Wie aus Wertschätzung verantwortliches Handeln wird – die Bildungsinitiative KITA21

  • Referentin: Anna Thielebein, S.O.F. Save our Future

13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
Raum A

Forum 1: Nachhaltigkeit in der Kita

  • Referentin: Ute Krümmel, Stiftung Haus der kleinen Forscher

13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 5/6

Workshop 1: Mitgestaltung als Basis für Demokratie

  • Referentin: Barbara Leitner, Journalistin und Coach

13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 1

Workshop 3: FaireKITA – Verantwortung übernehmen für eine nachhaltige Entwicklung

  • Referentin: Jasmin Geisler, FaireKITA

13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
Raum D

Workshop 5: Umweltbildung als Konzept 

  • Referentin: Sigrun Jungwirth, JuP Umweltbildung

13:00 Uhr bis 14:30 Uhr
Raum B

Forum didacta aktuell
Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) am Beispiel der Biodiversität und der Globalen Gerechtigkeit – Was hat das mit mir zu tun?

  • Ulf Bödeker, Bildungsministerium NRW
  • Heiko Frost und Dr. Helmut Wolf, Verband Deutscher Schullandheime
  • Prof. Dr. Gerhard de Haan, Freie Universität Berlin
  • Staatssekretär Roland Krämer, Umweltministerium Saarland
  • Prof. Dr. Ute Stoltenberg, Leuphana Universität Lüneburg
  • Moderation: Dr. Helmut Wolf und Heiko Frost, Verband Deutscher Schullandheime

20.02.2019
16:00 bis 16:45 Uhr
Halle 8, B 51
Veranstalter: Didacta Verband e.V. 

Forum didacta aktuell
Klimawandel ist mehr als hitzefrei
Vortrag des Klimaexperten Sven Plöger
21.02.2019
13:00 bis 13:45 Uhr
Halle 8, B 51
Veranstalter: Didacta Verband e.V. 

Forum didacta DIGITAL
360° – Bildung für eine nachhaltige und digitale Welt
Vortrag von Torsten Becker, Gemeinschaftsschule Bellevue.
23.02.2019
13:00 Uhr
Halle 6, B 59
Veranstalter: Didacta Verband e.V. 

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2019 finden Sie unter www.didacta-messe.de und www.facebook.com/didacta-messe.

Information für Redaktionen: Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta 2019 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de. 


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