OECD-Migrantenstudie: Keine Rezeptologie für Integration

"Die aktuelle OECD-Untersuchung zu Bildungskarrieren von Migrantenkindern verschlägt hoffentlich einigen Politikern das Wort", merkt Ludwig Eckinger, der Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), zur heutigen Präsentation der aktuellen OECD-Analyse an. "Der Ruf nach zentraler Verpflichtung zur Schuluniform oder Androhungen, sich endlich zu integrieren, verfehlen den eigentlichen Bildungsauftrag: Kinder mit Migra­tionshintergrund ebenso zu fordern und zu fördern wie die Kinder mit deutschen Eltern."

15.05.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

Eckinger wundert sich über die Selbstzufriedenheit im Bundesbildungsministerium und in der KMK. "Über Jahre hatte man es nicht nötig, Vorschläge der Lehrerinnen und Lehrer zu verstärkter individueller Förderung eines jeden Schülers überhaupt nur wahrzunehmen. Erst seit fünf Jahren ist die frühzeitige Förderung von Deutschsprachkenntnissen offiziell anerkannt. Die tatsächliche Umsetzung vorschulischer Sprachförderung ist schleppend und wird zum Teil mit Ein-Euro-Jobs abgedeckt. Das Testen ist in Gang gekommen, aber die tatsächliche Förderung reicht nicht aus", kritisiert Eckinger.

Wer die OECD-Studie lese, stoße auf große Zurückhaltung über Ursachen und mögliche Schritte zur Förderung von Migrantenkindern, so Eckinger. Die OECD habe keine Patentrezepte anzubieten. "Ich sehe mich durch die OECD-Analyse bestätigt, dass es nicht die mangelnden Sprachkenntnisse allein sind, die den Erfolg einer Bildungskarriere beschneiden, sondern auch der Einfluss von Ressourcenausstattung, Schulklima und Zusammensetzung der Schülerschaft. Kinder, deren beide Eltern in Deutschland geboren sind, haben bei gleicher sozialer Herkunft und gleicher Lesekompetenz wie Migrantenkinder eine mehr als anderthalbfache Chance auf eine Gymnasialempfehlung. In Schulen mit vorwiegend sozial benachteiligter Schülerschaft gelingt es trotz hohen pädagogischen Engagements weniger, Schüler aufzubauen und sie auf einen gelingenden Bildungsweg zu führen."

Eckinger fordert deshalb: "Wir müssen in Deutschland den grundgesetzlichen Auftrag tatsächlich wieder zur Richtschnur des Handelns machen, Bedingungen zu schaffen, um jedem Aufstiegschancen zu geben. Das muss mit dem Zugang zum Kindergarten für alle beginnen und in einem Schulsystem fortgeführt werden, das keine Bildungssackgassen kennt und alle Bildungswege nach oben offen hält."


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