PRO & CONTRA: Computer im Kindergarten?

Die Schulen sind im Netz, jetzt hält der Computer Einzug in die Kindergärten. Doch die Experten streiten, ob der frühe Umgang mit Maus und Tastatur empfehlenswert ist. „Der Kindergarten sollte PC-frei bleiben“, erklärt Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, und Prof. Stefan Aufenanger, Medienpädagoge an der Universität Mainz, kontert: „Kinder können schon mit drei Jahren sehr kreativ am PC sein.“ Beide werden im Forum Multimedia auf der didacta über Gefahren und Chancen von Bildschirmmedien diskutieren – vorab haben sie Stellung bezogen.

09.01.2006 Artikel

Zentrale Aufgabe für den Kindergarten

PC im Kindergarten – ist das sinnvoll?
Aufenanger: Ja, denn PCs im Kindergarten sind ein Anreiz für Kinder, sich mit den neuen Medien auseinander zu setzen. Wir haben gerade eine Studie durchgeführt, die zeigt, dass Kinder schon mit drei Jahren sehr konstruktiv und produktiv sein können, wenn der Computer im Kindergarten in ein pädagogisches Projekt eingebunden ist. Sie können auch mit Lernprogrammen und mit Edutainmentprogrammen sehr gut umgehen, sie werden angeregt zur Kommunikation und Kooperation.

Wie sollen Kinder lernen, mit den Medien umzugehen?
Aufenanger: Kinder müssen in der Familie, im Kindergarten und in der Schule kompetent gemacht werden. Aber viele Eltern haben selbst Probleme, sich kompetent und angemessen mit der Medienwelt auseinander zu setzen, also bekommen Kindergarten und Schule hier eine ganz zentrale Aufgabe.

Wird der PC zukünftig zum Kindergartenalltag gehören?
Aufenanger: In jeder Bildungseinrichtung sollte es kleine Medienecken geben, in denen eine Vielzahl von Medien angeboten wird. Wenn dort pädagogisch sinnvoll gearbeitet wird und die Erzieher darauf vorbereitet sind, werden die Kinder lernen, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Medien abzuschätzen. Alle unsere Erfahrungen zeigen: Je früher die Kinder die Möglichkeit haben, in diesen Institutionen mit Computer und Internet zu arbeiten, umso kompetenter und kritischer können sie mit den Medien umgehen.

Kein Nachweis für positive Wirkung

PC im Kindergarten – ist das sinnvoll?
Pfeiffer: Nein. Wenn behauptet wird, dass etwa Lesen lernen und Sprachentwicklung durch Bildschirme gefördert werden, dann kann ich mir nur an den Kopf langen. Das sagt doch schon der gesunde Menschenverstand, dass man Sprache durch ein menschliches Gegenüber lernt, das einem zugewandt ist, das liebevoll nachahmt, das freundlich korrigiert, und nicht durch das Betasten irgendeines Screens, der mit angeblich kindgerechten Bildern verziert ist.

Wie sollen Kinder lernen, mit den Medien umzugehen?
Pfeiffer: Medienkompetenz lernt man im Laufe des Lebens, aber doch nicht im zarten Alter von drei bis sechs Jahren. Es gibt Längsschnittuntersuchungen aus den USA über Kinder, die sehr frühzeitig an Bildschirme herangeführt wurden. Bei diesen Kindern hat die Hyperaktivität um 28 Prozent zugenommen im Vergleich zu der Kontrollgruppe, die mit Bildschirmen vor dem Alter von sechs Jahren überhaupt nichts zu tun hatte.

Wird der PC zukünftig zum Kindergartenalltag gehören?
Pfeiffer: Ich hoffe doch sehr, dass Kindergärten PC-frei bleiben. Es gibt nicht den geringsten Nachweis, dass die frühe Computernutzung sich positiv auswirkt, nur Warnhinweise. Wir können nur hoffen, dass noch so viel Reklame für die angeblich Intelligenz fördernde Auseinandersetzung mit dem Computer die Leute nicht wirre im Kopf werden lässt. Natürlich ist der PC ein sinnvolles Arbeitsgerät, aber er gehört nicht in den Kindergarten oder das Kinderzimmer.


Weiterführende Links

  • 'Computer' und 'Kindergarten'
  • Homepage Prof. Stefan Aufenanger
  • Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen
  • Bildungsinitiative Schlaumäuse

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