Sprachfit für den Schulstart

Für tausende ABC-Schützen beginnt heute die Schulzeit. Am Ende der Grundschule sollen Kinder in Deutschland mindestens 700 Wörter beherrschen. Doch leider starten bereits viele Erstklässler mit ungenügendem Rüstzeug in den neuen Lebensabschnitt. So weist laut einer aktuellen Studie des Nationalen Bildungspanels ein Viertel der fünfjährigen einen "Sprachförderbedarf" auf. Die Microsoft-Initiative "Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache" setzt seit über zehn Jahren unter Schirmherrschaft des Bundesfamilienministeriums bei der frühkindlichen Sprachförderung an. So auch in der bilingualen Kindertagesstätte "Little England" in Eberswalde (Brandenburg). Warum Kita-Leiterin Kerstin Nachtigall ihre acht Vorschulkinder optimal auf die Grundschule vorbereitet sieht, die Jungen und Mädchen – vor allem sprachlich – weit vorne liegen, und warum Sprachprobleme oft in deutschen Familien auftreten, erklärt die Pädagogin im Interview.

26.08.2014 Pressemeldung Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache

Frau Nachtigall, die Einschulung ist der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Ist dies den Kindern bewusst?

Kerstin Nachtigall: Und ob! Sie freuen sich alle unheimlich auf die Schule und sind jetzt kurz vor Schuleintritt enorm wissbegierig. Die Kinder wollen in dieser Phase ihrer Entwicklung einfach lernen und sind in ihrem Lerneifer kaum zu bremsen. Vor allem möchten sie lesen und schreiben lernen und die gesprochenen Wörter endlich in Schriftsprache umsetzen. Und darin unterstützen wir sie tatkräftig.

Sprache ist der grundlegende Baustein für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Wie fördern Sie diese Fähigkeit in Ihrer Einrichtung?

Kerstin Nachtigall: Kommunikation ist das A und O, um durch das gesamte Leben zu kommen. Wenn die Kinder fit in der Sprache sind, dann haben sie es wesentlich leichter in der Schule und können ihre Ziele einfacher erreichen. Wir legen deshalb sehr viel Wert auf den Erwerb und den Umgang mit Sprache. Neben ganz vielen Sprachspielen setzen wir das Schlaumäuse-Programm seit 2008 intensiv ein, um den Schriftspracherwerb zu fördern.

Was lernen die Vorschüler von den Schlaumäusen?

Kerstin Nachtigall: In ihrem eigenen Tempo können die Vorschüler in der Freispielphase mit der Software spielen. Das machen sie sehr gerne und fast täglich. Darüber hinaus haben wir gelenkte Beschäftigungszeiten. Dann absolvieren die Kinder gemeinsam mit den Erziehern bestimmte Sprachübungen. Beim Spielen mit der Sprachsoftware beobachten wir immer wieder, dass sich die Kinder untereinander anspornen. Nach dem Motto, was der kann, will ich auch beherrschen. Und das bringt sie vorwärts.

Was ist für zukünftige Schulkinder die größte sprachliche Herausforderung?

Kerstin Nachtigall: In dieser Altersphase können sie grundsätzlich zwar alles sprechen, aber sie stehen vor der großen Aufgabe, dies in die Schriftsprache umzusetzen. Vor dem Schuleintritt wollen die Kinder wissen, wie das Schreiben funktioniert. Natürlich sind sie nicht in der Lage, dieses Rätsel sofort zu lösen. Viele von ihnen schreiben beispielsweise Worte oft noch spiegelverkehrt auf. Mithilfe der Schlaumäuse können die Kinder optimal nachvollziehen, wie die einzelnen Buchstaben geschrieben werden.

Wie ist die Resonanz der Grundschulen auf Ihre Arbeit?

Kerstin Nachtigall: Immer wenn die Schulen Kinder von uns bekommen, freuen sie sich unglaublich, weil sie sprachlich sehr weit sind. Darauf sind wir sehr stolz und es bestätigt uns, dass wir mit unserer Arbeit viel erreichen können. Dabei ist das Erfolgsrezept gar nicht schwer. Wir achten einfach automatisch darauf, dass wir vernünftig mit den Kindern reden, das heißt, dass wir in klaren Sätzen miteinander kommunizieren. Dazu gehört auch, dass wir sie zu einer höflichen Frage auffordern und die Kinder darauf hinweisen, dass sie deutlich mit uns und mit den anderen Kindern sprechen. Eine ruhige Atmosphäre trägt ebenfalls dazu bei. Wenn es durchweg laut ist und die Kinder ihre Sprache nicht mehr hören und sich überbrüllen müssen, um sich verständlich zu machen, geht die Sprache ebenfalls verloren. Die Kinder hören dann keine klaren Endungen, keine Worte und Sätze mehr und schreien sich nur einzelne Begriffe an den Kopf. Die Gesamtstruktur muss eben stimmen, um die Kinder fit für die Schule und das spätere Leben zu machen.

Setzt das Interesse der Kinder, sich ausführlich mit Wort und Schrift auseinanderzusetzen, erst im Vorschulalter ein?

Kerstin Nachtigall: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt bei uns Kinder, die sich bereits im Alter von vier Jahren intensiver mit Sprache beschäftigen wollen, auch mit der Schriftsprache. Die Schlaumäuse-Sprachlernsoftware unterstützt sie dabei, sich langsam und mit großer Leichtigkeit an Wort und Schrift heranzutasten.

Greifen Sie mit der sprachlichen Vorbereitung durch die Schlaumäuse der Schule voraus? Langweilen sich die Kinder möglicherweise, weil sie bereits vieles wissen?

Kerstin Nachtigall: Die Problematik haben wir noch nie gehabt, weil Kinder ihren eigenen Lernprozess haben. Kinder, die in ihrer Entwicklung noch nicht so weit sind und mit Schreiben und Schriftsprache noch nichts zu tun haben möchten, haben kein Interesse daran, dies näher zu entdecken und man kann es ihnen auch nicht aufzwingen. Sie spielen aber trotzdem gerne mit den Schlaumäusen und greifen auf andere Spiele zurück. So helfen sie den Schlaumäusen Lette und Lingo zum Beispiel beim Aufräumen im Mäusebau und sortieren Gegenstände an die richtige Stelle.

Neben der Kita sind auch die Elternhäuser gefragt, ihre Kinder sprachlich auf den Grundschulstart vorzubereiten. Kommen die Familien dieser Aufgabe nach?

Kerstin Nachtigall: Leider nicht immer. Es sind nicht die Kinder aus Migrationsfamilien, die uns Sorgen bereiten. Viele unserer Kinder wachsen zweisprachig auf. Wir haben zum Beispiel eine Mama, die aus Peru kommt und die zuhause nur spanisch mit dem Kind spricht. Wenn eine gelebte und klare Muttersprache gesprochen wird, können die Kinder in der Regel sehr gut mit der deutschen Sprache umgehen. Wenn die gelebte Muttersprache jedoch fehlt und nicht richtig miteinander gesprochen wird, dann entstehen Probleme. Und das ist immer häufiger in deutschen Familien der Fall.

Woran liegt das?

Kerstin Nachtigall: Ein Grund ist sicherlich, dass die Eltern zu wenig miteinander sprechen. Wir haben gerade ein Kind in die Einrichtung bekommen, das in solch einer spracharmen Familie aufwächst. Das Handy wird als Kommunikationsmittel genutzt, der Sohn läuft nur stumm daneben. Und wenn er reden möchte, setzen ihn die Eltern vor den Fernseher oder vor die Spielkonsole, damit er still ist.

Welche Folgen hat dies für den späteren Schulverlauf?

Kerstin Nachtigall: Der Junge hat nur wenig Kontakt zu anderen Kindern. Weil er sich nicht durch Sprache in das Spiel der Kinder mit einbringen kann, fängt er an, die anderen zu ärgern. In der Schule wird das Kind mit Sicherheit dieselben Probleme bekommen. Außerdem wird er wahrscheinlich Schreibschwierigkeiten haben. Er wird immer ein Außenseiter bleiben, wenn er es nicht schafft, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren.

Können Sie die sprachlichen Defizite in der Kita ausgleichen?

Kerstin Nachtigall: Zaubern können wir leider nicht. Die Grundlage der Sprachbildung wird bereits im frühesten Kindesalter gelegt. Manchen Eltern ist dies gar nicht bewusst. Erst wenn es zu spät ist und sie merken, dass ihr Kind nicht richtig sprechen kann, dann bemühen sie sich. Wir können nur versuchen, das Versäumte auszumerzen, aber das ist unglaublich schwer.

Glauben Sie, dass diese Kinder in der Grundschule von dem Schlaumäuse-Programm profitieren können?

Kerstin Nachtigall: Ich halte es auf jeden Fall für richtig, die Schlaumäuse in der Grundschule einzusetzen. Meiner Meinung nach wird es immer mehr solcher Kinder geben, deren Eltern weder richtig schreiben, noch lesen oder richtig sprechen können. Es ist daher sehr sinnvoll, dass diese Kinder die Chance haben, mit den Schlaumäusen sprachlich weiter zu wachsen.

Das Interview mit Kerstin Nachtigall finden Sie zusätzlich auf der Homepage der Microsoft-Initiative "Schlaumäuse - Kinder entdecken Sprache" online.

Über die "Schlaumäuse"-Initiative

Die Microsoft Bildungsinitiative "Schlaumäuse – Kinder entdecken Sprache" unterstützt seit zehn Jahren inzwischen mehr als 10.000 Kindergärten in ganz Deutschland bei der frühkindlichen Sprachförderung. Die aktuelle Version der "Schlaumäuse"-Software wurde mit dem Deutschen Bildungsmedien-Preis digita 2013, dem Comenius-EduMedia-Siegel und dem Software-Preis GIGA-Maus 2013 ausgezeichnet und steht kostenfrei für Kindergärten und Grundschulen als Windows Store-App, als Desktop-Version zum Download und Nutzung unter Windows 7 sowie als Web-Applikation zur Nutzung im Browser bereit. Mehr Informationen sowie Bildmaterial zu den "Schlaumäusen" finden Sie unter aka.ms/schlaumaeuse oder unter www.schlaumaeuse.de.

Ansprechpartner

Microsoft
Karin Lukas
Communications Manager Education
E-Mail: a-kaluka@microsoft.com
Web: www.microsoft.com/germany/bildung


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