"Sprachförderung entsteht über Beziehung und Aktivität"

Rund 150 Erzieherinnen, Erzieher und Studierende aus ganz Hessen waren zu einer Fachtagung der GEW Hessen mit dem Thema "Ganzheitliche Sprachförderung im Kita-Alltag" nach Frankfurt gekommen.

04.10.2006 Hessen Pressemeldung GEW Hessen

"Sprachförderung steht ganz oben an, wenn in der Bildungspolitik in Hessen von frühkindlicher Förderung gesprochen wird. Die Problemlagen sind vielfältig und treffen nicht nur Migrantenkinder. Ganzheitliche Sprachförderung heißt für uns auch, die Kinder nicht nur in Deutsch zu fördern, sondern ihre spezifischen Kompetenzen und Hintergrundsprachen ernst zu nehmen und zu fördern," sagte der Landesvorsitzende der GEW Hessen, Jochen Nagel, in seiner Begrüßung.

Michael Köditz vom Leitungsteam des Referats Sozialpädagogik der GEW Hessen plädierte für eine Pädagogik, die sich an den Interessen der Kinder orientiert. Isolierte Trainingsprogramme sollten durch Angebote ersetzt werden, die den kommunikativen Austausch fördern. "Die Hirnforschung belegt, dass Sprache, Handeln und Emotion in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen", erläuterte er. "Kinder, die gemeinsam aktiv sind, sprechen miteinander – nicht nur, um gemeinsame Ziele zu erreichen, sondern vor allem auch aus der Freude am Miteinander". Diese kindliche Lust könne wesentlich stärker zum Spracherwerb motivieren als jedes Übungsprogramm, selbst wenn es durch moderne Medien gestützt werde.

Das Hauptreferat hielt Anne Zehnbauer, die als Diplom-Psychologin am Deutschen Jungendinstitut in München tätig ist. Unter dem Motto "Schlüsselkompetenz Sprache – eine Aufgabe für Kindertageseinrichtungen" erläuterte sie, dass die Unterstützung und Begleitung der Kinder bei ihrem Erwerb von Sprache in den vorschulischen Institutionen in zahlreiche Aktivitäten und Situationen eingebettet ist. Eine Fokussierung auf das sprachpädagogische Ziel, die Kinder "zum Sprechen" zu bringen, bewirke oft das Gegenteil. Sprachförderung müsse unter die vorrangige Beachtung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes subsumiert werden. Der formal korrekte Spracherwerb sei dann das Nebenprodukt eines aktiven und interessegeleiteten Bezuges des Kindes auf seine Umwelt. Sprachliche "Fehler" seien dabei nicht nur unerlässlich, sondern funktional. "In der Praxis bekannt ist die Leichtigkeit, mit der Kinder sich Sprache in Verbindung mit Bewegung, Musik, Dingen und Handlungen aneignen. Sprachförderung entsteht also über Beziehung und Aktivität", fasste Zehnbauer abschließend die Prinzipien der Sprachförderung kurz zusammen.

Nach dem Hauptreferat hatten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, sich einzelne Aspekte der Sprachförderung in Arbeitsgruppen konkret zu erarbeiten.

Ansprechpartner

GEW Hessen

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden