Lernprozess

Studie untersucht das Wiederkennen von essbaren Pflanzen bei Kleinkindern

Von einigen Pflanzen können wir die Früchte essen, von anderen die Blätter, die Samen oder die Knollen unter der Erde. Einige Pflanzen können wir roh essen, andere müssen wir kochen. Und welche Schale ist essbar und welche nicht?

23.04.2019 Bundesweit Pressemeldung Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
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Unser Wissen über essbare Pflanzen ist sehr komplex. Wie wir uns als Kinder dieses Wissen aneignen, erforscht die Forschungsgruppe „Naturalistische soziale Kognition“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin. In einer neuen Studie haben Wissenschaftlerinnen der Forschungsgruppe und der Yale University einen wichtigen Aspekt dieses Lernprozesses untersucht: Das Wiedererkennen von essbaren Pflanzen. Die Ergebnisse sind im Journal Appetite erschienen.

Bevor es Supermärkte und abgepackte Lebensmittel gab, lebten die Menschen in einer wilden Naturwelt mit unzähligen Pflanzensorten, von denen einige essbar, einige giftig und viele einfach ungenießbar waren. Bei einigen Pflanzen kann man die Frucht vom Baum pflücken und direkt essen, andere Pflanzen hingegen muss man erst ausgraben und deren Wurzeln kochen oder man muss die Samen zermahlen und einweichen. Es ist unmöglich und viel zu riskant, dieses Wissen durch Versuch und Irrtum zu erlangen. Vielmehr lernen Menschen von frühster Kindheit, indem sie die Erwachsenen um sie herum beim Essen von Pflanzen beobachten. 

Doch erkennt ein Kleinkind, nachdem es einem Erwachsenen beim Essen einer bestimmten Pflanze zugesehen hat, diese Pflanzenart in einer anderen Situation wieder? Diesen wichtigen Aspekt des Lernens über Nahrung, das Wiedererkennen von Pflanzen, haben die Wissenschaftlerinnen vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der Yale University (USA) mit 40 kleinen Proband*innen im Alter von 18 Monaten untersucht. 

In einem Labor sahen die Kleinkinder einem Erwachsenen dabei zu, wie er von einer realistisch aussehenden Pflanzenattrappe ein Stück Trockenobst pflückte und aß. Eine weitere, anders aussehende Pflanze ignorierte der Erwachsene, beziehungsweise pflückte er in einem anderen Versuchsaufbau zwar das Trockenobst, warf es dann aber auf den Boden. Die beiden Pflanzenattrappen unterschieden sich optisch deutlich voneinander, wodurch zwei Pflanzenarten simuliert wurden. Während die eine Pflanze spitze, schmale Blätter hatte, hatte die zweite breite, herzförmige Blätter. An der einen Pflanze „wuchsen“ orangefarbene Trockenaprikosen, an der anderen dunkelblaue Pflaumen. Welche Pflanzenart dabei die essbare und welche die nicht essbare darstellte, wechselte von Kleinkind zu Kleinkind.

Anschließend wurden den Kindern von einem anderen Erwachsenen zwei neue Pflanzenattrappen präsentiert, die den beiden zuvor gesehenen Pflanzen in ihrer Art ähnelten, aber nicht gleich aussahen. Nun konnten die Kleinkinder selbst zwischen den Pflanzen entscheiden: Rund zwei Drittel griffen zu der Pflanzenattrappe, die jener ähnelte, von der der Erwachsene zuvor gegessen hatte und aßen dieselbe Art von Trockenobst, wie der Erwachsene im Versuchsaufbau. „Wir konnten mit den Versuchen zeigen, dass bereits 18 Monate alte Kleinkinder nur einmal beobachten müssen, dass ein Erwachsener eine bestimmte Pflanze isst, um zu lernen, dass Pflanzen, die so ähnlich aussehen, ebenfalls essbar sind“, sagt Annie E. Wertz, Leiterin der Max-Planck-Forschungsgruppe „Naturalistische soziale Kognition“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Erstautorin der Studie.

Weitere Forschung soll klären, ob und wie schon jüngere Kleinkinder Informationen über essbare Pflanzen generalisieren können, und welche Merkmale Kinder nutzen, um ähnlich aussehende Pflanzen wiederzuerkennen.


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