Naturwissenschaftler und Mathematiker lehnen Lehrprofessor ab

(bikl.de/idw) Einen Lehrprofessor mit erhöhtem Lehrdeputat und Kernkompetenzen in der Didaktik haben jetzt mehrere mathematisch-naturwissenschaftliche Organisationen abgelehnt.

26.06.2007 Artikel

Für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten gehöre die Einheit von Forschung und Lehre zum Selbstverständnis, heißt es in der Stellungnahme. Statt einer "Lehrprofessur" wird vorgeschlagen, die Qualität der Lehre durch Stärkung des akademischen Mittelbaus und die Bereitstellung einer ausreichenden Assistentenkapazität zu verbessern. Außerdem führe eine forschungsnahe Ausbildung bereits zu sinnvollen Betreuungsrelationen in Laborpraktika und Seminaren.

Die Lehre in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern sei geprägt durch die ständig anzupassenden, am raschen Erkenntnisfortschritt orientierten Lehrinhalte. Studierende würden bereits in frühen Semestern, begleitet durch forschungsorientierte Seminare und durch praktische Tätigkeit, an Forschungsvorhaben herangeführt. So werde verständlich, dass für die Mathematik und die Naturwissenschaften grundsätzlich an der Untrennbarkeit von Forschung und Lehre festgehalten werden muss.

Die unter anderem vom Wissenschaftsrat empfohlene Einführung von Lecturer- Positionen oder Professuren mit Schwerpunkt Lehre erreichten das Ziel besserer Lehrqualität bei gleichzeitigem Kapazitätsausbau in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Ausbildung nicht. Für überwiegend lehrende Professoren sei eine authentische Vermittlung forschungsnaher Ausbildungsinhalte schwierig.

Grundsätzlicher Verbesserungsbedarf in der mathematisch- naturwissenschaftlichen Ausbildung bestehe vor allem in der Betreuungsrelation, insbesondere in Übungsgruppen, forschungsnahen Seminaren und der praktischen Laborausbildung. Die Schaffung neuer Doktoranden- und Mittelbaustellen aus Mitteln des Hochschulpaktes 2020 sei zur Verbesserung von Lehrqualität und -kapazität unabdingbar, heißt es in der Stellungnahme abschließend. Der Ausbau von Studienplatzkapazitäten erfordere allerdings in den mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächern Zuwendungen von 8.000 bis 10.000 Euro pro Studienplatz und Jahr, was deutlich über dem Durchschnitt der Studienplatzkosten liege.

Die Stellungnahme wird getragen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie (ADUC), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, der Konferenz der Fachbereiche Chemie (KFC), der Konferenz Mathematischer Fachbereiche (KMathF) sowie dem Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultätentag (MNFT).


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