Arbeitsstress pur in der Lehrerausbildung

"Wenn das Hessische Lehrerbildungsgesetz, das HLbG, wie von allen Parteien versprochen, noch 2008 novelliert wird, darf es nicht nur kosmetische Korrekturen geben. Grundlegende Änderungen sind notwendig", so Joachim Euler, Zuständiger für die Lehrerausbildung in der hessischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die GEW weist erneut nachdrücklich auf folgende gravierende Probleme hin. Die von allen Beteiligten kritisierten Organisationsmängel sind zu beheben und die ineffiziente bürokratische Modulstruktur ist zu entflechten. Vor allem ist der inhumane Prüfungsmarathon mit zwölf Modulprüfungen und vier Teilprüfungen in der Zweiten Staatsprüfung, insgesamt 16 Prüfungen, radikal zu reduzieren. Euler: "Arbeitsstress pur ist das negative Qualitätsmerkmal in der hessischen Lehrerausbildung." "Das reicht allerdings bei weitem nicht", wie Heike Lühmann, Mitglied des Hauptpersonalrats der Lehrerinnen und Lehrer beim Hessischen Kultusministerium (HPRLL), feststellte. "Vorrangig müssen die enorme Arbeitsverdichtung und Arbeitszeiterhöhungen in das Zentrum der Reform des HLbG gerückt werden."

22.08.2008 Hessen Pressemeldung GEW Hessen

Die Gewerkschaft fordert die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung für alle hauptamtlichen Ausbilderinnen und Ausbilder auf das alte Niveau mit sechs Wochenstunden. Die Unterrichtsverpflichtung der Referendarinnen und Referendare - Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiV) - sollen um zwei Wochenstunden gesenkt und der Ausbildungsumfang in den Modulveranstaltungen um 25 bis 30 Prozent vermindert werden. Lühmann weiter: "Auch die Mentorinnen und Mentoren müssen für ihre Tätigkeit an den Ausbildungsschulen entlastet werden. In der Regel beraten und betreuen sie ihre LiV zwei bis vier Stunden in der Woche, dies umsonst. Daher fordern wir eine Entlastung von einer Stunde je LiV und Ausbildungsschule." Die Entlastungen können nach Auffassung der GEW ziemlich problemlos durch Reduzierung der Modulveranstaltungen und Verkürzung der Ausbildung um drei auf 21 Monate finanziert werden. Eine Qualitätsminderung wird es nicht geben, weil das sechsmonatige Einführungssemester durch "Leerlaufzeiten" von drei Monaten geprägt ist.

Jochen Nagel, Vorsitzender der GEW Hessen, sieht die gewerkschaftlichen Vorstellungen auch durch die Wahlen zum HPRLL bestätigt: "Fast zwei Drittel aller hessischen Lehrkräfte haben die GEW mit dem besten Ergebnis aller Zeiten zur dominierenden Kraft gemacht. Als einzige Organisation hat sie ein vollständiges Modell zur Reform des pädagogischen Vorbereitungsdienstes vorgelegt. Zudem wird sie einen kompletten Gesetzentwurf zur Novellierung des HLbG anlässlich der Beratungen im Landtag anbieten. Für die Verbesserung der Ausbildung ist die Humanisierung der Arbeitsbedingungen zwingend erforderlich. Deshalb wird die GEW alle Vorschläge ablehnen, die nicht die Arbeitszeiten der Ausbilderinnen und Ausbilder, LiV, Mentorinnen und Mentoren in unserem Sinne drastisch reduzieren."

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GEW Hessen

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