Hochschullehre

Ausreichende Finanzierung zur nachhaltigen Umsetzung neuer Lehre nötig

Das Studium von heute soll kompetenzorientiert sein. So lautet eines der wichtigsten Ziele der europäischen Studienreform. Anstatt Studienprogramme vorrangig entlang des zu vermittelnden Fachwissens aufzubauen, sollen Module und Lehrangebote so konzipiert werden, dass die Studierenden am Ende des Lernprozesses über Kompetenzen verfügen, die für das jeweilige Fach und Anforderungen des Arbeitsmarkts relevant sind.

06.04.2011 Pressemeldung Hochschulrektorenkonferenz

Entsprechend muss neben dem Fach- und Methodenwissen auch dessen Anwendung vermittelt und bewertet werden. Dies hat erhebliche Konsequenzen: Während Fachwissen etwa durch Vorlesungen oder Selbststudium erworben und in Klausuren geprüft werden kann, sind nun neue Lehr- und Prüfungsmethoden erforderlich: In interdisziplinären Projekten oder szenariobasierter Gruppenarbeit können Studierende ihr Fachwissen vertiefen und anwenden und zugleich "soft skills" wie Zeitmanagement oder soziale Kompetenzen üben.

"Solche Methoden bewirken bei Studierenden sehr viel, sind aber auch mit erheblichem Mehraufwand verbunden", erklärt Wilfried Müller, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz und Rektor der Universität Bremen. "Es gibt viele Beispiele, die den Willen und die Fähigkeit der Hochschulen belegen, eine neue Lehre zu entwickeln", so Müller. Damit diese nicht ein kurzfristiges Strohfeuer blieben, müssten die Hochschulen mit den Mitteln ausgestattet werden, um ihre innovativen Ansätze nachhaltig im Lehr- und Prüfungsalltag umzusetzen, so der HRK-Vize: "Kompetenzorientierte Lehre braucht besonders intensive Vorbereitung und Betreuung. Das ist nicht umsonst zu haben."

Auf einer Fachtagung der HRK und des Fachverbandes 4ING an der Universität Bremen diskutierten knapp 160 Lehrende in der vergangenen Woche Beispiele für neue Lehr- und Prüfungsformen in den Ingenieurwissenschaften. Christiane Dircksen von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin etwa vermittelt Mathematik für Studierende im Studiengang E-Technik. Dabei konzentriert sie sich auf den Anwendungsbezug: Differentialgleichungen lernen die Studierenden, indem sie Schaltvorgänge in Netzen untersuchen. "Die Studierenden müssen keine Mathematiker werden, sondern die für ihr Fach wichtigen Rechentechniken beherrschen", betont Dircksen. Dies erfordere unter anderem, den Stoff zu reduzieren. Ein Schritt, der nicht allen Wissenschaftlern leicht fällt, wie Manfred Hampe, Professor für Verfahrenstechnik an der TU Darmstadt, erklärt: "Schließlich ist jeder zunächst davon überzeugt, dass das eigene Fach mit den bisher üblichen Inhalten ohne Abstriche gelernt werden müsse." Auch sei intensive Kooperation im Kollegium notwendig, um die Lehrangebote aufeinander abzustimmen.

"Die momentanen Bedingungen für eine breite Reform der Lehre sind denkbar schlecht", so Müller. Manche Länder sparten an der Bildung. Alle Hochschulen nähmen angesichts der großen Nachfrage so viele Studierende auf wie irgend möglich. Vor diesem Hintergrund sei es umso dringlicher, solche zusätzlichen Anforderungen auch zusätzlich zu finanzieren. "Wer eine neue Lehre will, muss bereit sein, in diesen Wert zu investieren", so der HRK-Vizepräsident.

Weitere Informationen:
www.hrk.de/de/projekte_und_initiativen/125_5972.php


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