Beschluss

DFG fördert 13 neue Graduiertenkollegs

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft richtet zur weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses 13 neue Graduiertenkollegs ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss in Bonn. Die neuen Graduiertenkollegs werden ab der zweiten Jahreshälfte 2019 zunächst viereinhalb Jahre lang mit insgesamt rund 65 Mio. Euro gefördert.

13.05.2019 Bundesweit Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
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Die neuen Graduiertenkollegs (GRK) werden ab der zweiten Jahreshälfte 2019 zunächst viereinhalb Jahre lang mit insgesamt rund 65 Millionen Euro gefördert. Darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten. Einer der neuen Verbünde ist ein Internationales Graduiertenkolleg (IGK) mit Partnern in Japan.

Zusätzlich zu den 13 Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von 10 GRK für jeweils eine weitere Förderperiode. Darunter sind zwei IGK mit Partnern in Kanada. Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren. Aktuell fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) insgesamt 214 GRK, darunter 39 IGK.

Die 13 neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen

Das GRK „Physik der schwersten Teilchen am Large Hadron Collider“ will die Struktur des Higgs-Mechanismus, einem zentralen Bestandteil des Standardmodells der Elementarteilchenphysik, besser verstehen. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen die Eigenschaften von Elementarteilchen und wollen dabei theoretische Untersuchungen mit experimentellen Daten zusammenführen, die der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider in Genf liefert. Sie konzentrieren sich neben dem Higgs-Boson auch auf die besondere Rolle des Topquarks, dem massivsten bekannten Elementarteilchen, sowie auf die Suche nach bislang unentdeckten schweren Teilchenarten. (RWTH Aachen, Sprecher: Prof. Dr. Michal Czakon)

Brexit, Währungskrise, Demokratiedefizit, „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ – die europäische Integration hat zuletzt immer wieder Rückschläge erleben müssen. Das GRK „Dynamische Integrationsordnung. Europa und sein Recht zwischen Harmonisierung und Pluralisierung (DynamInt)“ will solche desintegrativen Prozesse sowie das Beharren auf nationalstaatlicher Souveränität aus dem Blickwinkel der Rechtswissenschaft genauer analysieren. Dabei sollen Harmonisierung und Pluralisierung des Rechts in Europa als gleichwertige Mechanismen einer europäischen Integration verstanden werden. (HU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Matthias Ruffert)

Das GRK „Regionale Ungleichheit und Wirtschaftspolitik“ will herausfinden, weshalb es immer noch regionale Unterschiede beispielsweise bei Einkommen oder Beschäftigung gibt. Warum gibt es keine Angleichung der Lebensverhältnisse in den Regionen und welche wirtschaftspolitischen Schlüsse können wir daraus ziehen? Das GRK will diese Fragen auf regionaler Ebene theoretisch und empirisch fundiert beantworten und so zu einem tieferen Verständnis der regionalen ökonomischen Mechanismen sowie zu einer besseren wirtschaftspolitischen Beratung beitragen. (Universität Duisburg-Essen, Sprecher: Prof. Dr. Tobias Seidel; ebenfalls antragstellend: Universität Bochum, TU Dortmund)

Licht als nachhaltige und preiswerte Energiequelle zu erforschen, ist das Ziel des GRK „Modulation des Intersystem Crossing – ModISC“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Natur- und Materialwissenschaften spannen dabei den Bogen von der Synthese und quantenchemischen Rechnungen über die Spektroskopie bis hin zu potenziellen Anwendungen als organische Leuchtdioden oder anderen Bauelementen. (Universität Düsseldorf, Sprecher: Prof. Dr. Thomas J. J. Müller)

Cyberkriminalität wird in hoch entwickelten Gesellschaften zu einer immer größeren Bedrohung. Gleichzeitig bieten sich neue Möglichkeiten der Strafverfolgung, wie etwa automatisierte Datensammlung und -auswertung im Netz oder Überwachungsprogramme. Doch wie geht man mit den Grundrechten der Betroffenen um, wenn „forensische Informatik“ genutzt wird? Das GRK „Cyberkriminalität und Forensische Informatik“ bringt Expertinnen und Experten der Informatik und Rechtswissenschaften zusammen, um das Forschungsfeld „Strafverfolgung von Cyberkriminalität“ systematisch zu erschließen. (Universität Erlangen-Nürnberg, Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Felix Freiling)

„Neue antivirale Strategien: von der Chemotherapie bis zur Immunintervention“ erforscht das ebenso betitelte GRK. Dabei sollen verschiedene Immuninterventionen wie etwa die zellintrinsische Virusabwehr, Impfungen oder adoptive Immuntransfers mit einer antiviralen Chemotherapie verknüpft werden. Durch die Kombination zweier Therapieansätze wollen die Forscherinnen und Forscher neue Behandlungsmethoden etwa für HIV-Patienten schaffen. (Universität Erlangen-Nürnberg, Sprecher: Prof. Dr. Klaus Überla)

Internationale Vorschriften verbieten mittlerweile den Einsatz von Schwermetallen in elektronischen Geräten. Ziel des IGK „Energiekonvertierungssysteme: von Materialien zu Bauteilen“ ist deshalb die Erforschung von elektromechanischen und elektrooptischen Energieumwandlungssystemen auf der Basis von bleifreien Perowskit-Materialien. Dazu kooperieren Forscherinnen und Forscher aus Erlangen und Nürnberg und dem japanischen Nagoya, um Grundlagen für Anwendungen wie autonome, drahtlose Sensoren zu legen. (Universität Erlangen-Nürnberg, Sprecher: Prof. Dr. Kyle Grant Webber; Kooperationspartner: Nagoya Institute of Technology, Japan)

Das mathematische GRK „Fourieranalysis und Spektraltheorie“ konzentriert sich auf ein wichtiges Teilgebiet der Analysis, das aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht werden soll. So sollen mathematische Physik, Topologie und ana¬lytische Zahlentheorie, unter Zuhilfenahme von Fourieranalysis und Spektraltheo¬rie, miteinander verbunden werden. Verallgemeinerungen dieser beiden klassischen mathematischen Methoden, die vor langer Zeit bei der Untersuchung von Wellenphänomenen entwickelt wurden, finden in dem GRK neue Anwendungen. (Universität Göttingen, Sprecher: Prof. Dr. Thomas Schick)

An der Schnittstelle zwischen Gravitationsphysik und Quantenfeldtheorie ist das GRK „Starke Dynamik und Kritikalität in Quanten- und Gravitationssystemen“ angesiedelt. Die beiden Theorien haben sich lange weitgehend unabhängig voneinander entwickelt. Mittlerweile stellt die Zusammenführung der verschiedenen Aspekte jedoch ein sehr aktives Forschungsgebiet dar, da sie großes wissenschaftliches Potenzial birgt. Die Forscherinnen und Forscher wollen sich mit ihren Arbeiten auf Gravitationswellenphänomene und Schwarze Löcher auf der Gravitationsseite sowie auf Dynamik und Kritikalität nahe Phasenübergängen auf der Quantenseite konzentrieren. (Universität Jena, Sprecher: Prof. Dr. Holger Gies)

Der Einsatz von Antibiotika in der Medizin, von Pestiziden in der Landwirtschaft oder die Störung der Ökosysteme der Erde – sie alle verändern die natürliche Selektion und beeinflussen damit die Evolution der Organismen. Doch wie sehr greifen menschengemachte Faktoren in evolutionäre Prozesse ein? Das GRK „Translationale Evolutionsforschung“ erforscht genau dies und berührt damit aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen, etwa bei der Entstehung von Antibiotikaresistenzen oder den Auswirkungen von Überfischung. (Universität zu Kiel, Sprecher: Prof. Dr. Hinrich Schulenburg)

In der Population einer Art sind keine zwei Individuen exakt identisch. Diese phänotypische Variation beruht auf Unterschieden in der Genexpression, die durch natürliche Selektion entstehen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Evolutions- und Molekularbiologie untersuchen im Rahmen des GRK „GenEvo – Die Rolle von Genregulation für die Evolution: von molekularen zu erweiterten Phänotypen“ gemeinsam, welche regulatorischen Prozesse evolutionär konserviert werden und welche schnellen Änderungen unterliegen. (Universität Mainz, Sprecherin: Prof. Dr. Susanne Foitzik)

Die „Chemische Biologie von Ionenkanälen (Chembion)“ erforscht das GRK mit ebendiesem Titel. Ionenkanäle sind Proteine, die Poren in Zellmembranen bilden und so geladenen Teilchen den Durchtritt durch die Zellmembran ermöglichen. Dieser Prozess spielt etwa bei der Reizweiterleitung in Nervenzellen eine wichtige Rolle. Die Forscherinnen und Forscher aus der Naturwissenschaft und der Medizin nehmen die Entwicklung, Synthese und Modifikation kleiner organischer Moleküle in den Blick, mit denen sich der Öffnungszustand der Ionenkanäle gezielt steuern lässt. Diese sollen dann als chemische Werkzeuge im pharmakologischen Kontext eingesetzt werden. (Universität Münster, Sprecher: Prof. Dr. Bernhard Wünsch)

Die Erforschung zentraler Aspekte von sozialen Hilfen im Wohlfahrtsstaat steht im Mittelpunkt des GRK „Zwischen AdressatInnensicht und Wirkungserwartung: Folgen sozialer Hilfen“. Dabei sollen intendierte und nicht intendierte sowie langfristige Folgen sozialer Hilfen aus sozialpädagogischer, psychologischer und soziologischer Perspektive untersucht werden. (Universität Siegen, Sprecher: Prof. Dr. Bernd Dollinger)


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