Drittmittel

DFG stellt „Förderatlas 2018“ vor: Wo stark geforscht und gefördert wird

Welche Rolle spielen die Hochschulen und Forschungsinstitute aus Deutschland im europäischen Forschungsraum? Wie attraktiv ist der Forschungsstandort Deutschland für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?

05.07.2018 Bundesweit Pressemeldung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
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Welche Einrichtungen werben wie viele Drittmittel aus welchen Quellen für ihre Forschungen ein? Und wie ist es um die Proportionen im deutschen Wissenschaftssystem bestellt – zwischen großen und kleinen Hochschulen oder Fächern, aber auch zwischen Grund- und Drittmitteln? Umfassende Zahlen, Daten und Grafiken zu diesen und zahlreichen weiteren Themen enthält der „Förderatlas 2018“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), den diese am Donnerstag, dem 5. Juli 2018, mit der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und dem Stifterverband (SV) vorgestellt hat. 

Der neue DFG-Förderatlas ist der inzwischen achte Berichtsband, mit dem die größte Forschungsförderorganisation in Deutschland seit 1997 alle drei Jahre Kennzahlen zur öffentlich finanzierten Forschung vorlegt. Das Zahlen- und Datenmaterial und die darauf angewandte Methodik wurde dabei ebenso kontinuierlich erweitert wie die betrachteten Themen und Fragestellungen. Die aktuelle Ausgabe ist ein umfassendes Kompendium auf der Basis Zehntausender Daten aller großen öffentlichen Forschungsförderer in Deutschland und der EU für die Jahre 2014 bis 2016. 

„Drittmittel werden dabei nie allein als finanzielle Kategorie und monetärer Gewinn für die einzelnen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gesehen, sondern vielmehr und unabhängig von der Höhe der jeweiligen Projektkosten als Ausweis von Forschungsqualität und als wesentliches Element der Qualitätssicherung im Wissenschaftssystem“, sagte dazu DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider, der den Förderatlas gemeinsam mit Generalsekretärin Prof. Dorothee Dzwonnek, HRK-Vizepräsident Prof. Dr. Ulrich Rüdiger und SV-Generalsekretär Prof. Dr. Andreas Schlüter in einer Pressekonferenz in Berlin präsentierte.

Einen besonderen Akzent setzt der neue Förderatlas auf die Forschungsförderung in der EU. Eine ganze Reihe von Auswertungen zeigt hier: Vor allem zwei Länder prägen den europäischen Forschungsraum – Deutschland und Großbritannien. So hat im EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ von 2014 bis 2016 Deutschland mit 3,9 Milliarden Euro die meisten Mittel eingeworben, gefolgt von Großbritannien mit 3,6 Milliarden Euro; beide Länder liegen deutlich vor Frankreich (2,4 Mrd. Euro), Spanien (2,1 Mrd. Euro) und Italien (1,9 Mrd. Euro). Auch bei den bilateralen Kooperationen und EU-weiten Netzwerken im Rahmen von Horizon 2020 liegen Deutschland und Großbritannien vorn. Bei der Förderung durch den European Research Council (ERC) wiederum führt Großbritannien mit 555 Starting, Advanced oder Consolidator Grants vor Deutschland mit 456 ERC-Geförderten. 

„Diese Ergebnisse sind einerseits sehr erfreulich für die deutsche und auch für die britische Wissenschaft, andererseits machen sie deutlich, welche Herausforderungen auf Wissenschaft und Forschung in Deutschland, in Großbritannien und in ganz Europa mit dem „Brexit“ zukommen“, kommentierte DFG-Präsident Strohschneider. 

Weitere Analysen zur internationalen Mobilität in der Wissenschaft zeigen, dass Deutschland für zahlreiche ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Regionen und Fächern von hoher Attraktivität ist. Die meisten Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler kamen dabei aus den USA, China, Indien und Russland. Erheblich zur internationalen Attraktivität tragen auch die DFG-geförderten Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereiche und insbesondere die Graduiertenschulen und Exzellenzcluster im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder bei; in Ersteren liegt der Anteil ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei 15 Prozent, bei Letzteren sogar bei 28 Prozent.

Bei den auch in dieser Ausgabe ausführlichen Ranglisten der DFG-Bewilligungen zeigen sich für die Jahre 2014 bis 2016 nur wenige Veränderungen gegenüber den Vorjahren. An der Spitze der 40 bewilligungsstärksten Hochschulen lag erneut die LMU München mit 315,8 Millionen Euro, gefolgt von der Universität Heidelberg mit 292,2 Mio. Euro und der RWTH Aachen mit 281 Mio. Euro, jedoch hat die LMU ihren Vorsprung ausgebaut. Es folgen die TU München, die FU Berlin, die TU Dresden sowie die Universitäten Freiburg und Tübingen, die HU Berlin und auf Rang 10 die Universität Göttingen. Die Veränderungen in dieser Spitzengruppe und auch im Mittelfeld sind vor allem auf die zweite Phase der Exzellenzinitiative zurückzuführen. So kletterte Dresden mit seinem Zukunftskonzept genauso weiter nach oben (von Rang 10 auf 6) wie Tübingen (von 14 auf 8) und Bremen (von 27 auf 17), während Göttingen (von 6 auf 10) und das KIT Karlsruhe (von 8 auf 18) wegen nicht fortgesetzter Zukunftskonzepte schlechter platziert sind.

Aufgeschlüsselt nach Wissenschaftsbereichen warben in den Geistes- und Sozialwissenschaften die FU und HU Berlin die meisten Mittel ein, gefolgt von der LMU München und den Universitäten Tübingen und Frankfurt/Main. In den Lebenswissenschaften lagen die LMU, die Universitäten Heidelberg, Freiburg, Göttingen und die TU München vorn, in den Naturwissenschaften die Universitäten Mainz, Hamburg und Bonn, die LMU und die TU München. In den Ingenieurwissenschaften gingen die meisten DFG-Mittel an die RWTH Aachen, gefolgt von der Universität Erlangen-Nürnberg, der TU Dresden, der TU Darmstadt und der Universität Stuttgart. 

Bezogen auf die Zahl ihrer Professorinnen und Professoren und deren jeweilige fachliche Ausrichtung erweisen sich auch kleinere, aber fachlich fokussierte Universitäten als erfolgreich. Demnach erhielt die Universität Konstanz relativ betrachtet die zweitmeisten DFG-Mittel, gefolgt von der in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften besonders profilierten Universität Mannheim.

Die Zahl der Hochschulen mit DFG-Bewilligungen ist weiter gestiegen, von 210 in den Jahren 2011 bis 2013 auf 216. Zugleich blieb der Unterschied zwischen den Bewilligungen für die Hochschulen am oberen und unteren Ende der DFG-Rangliste stabil. Genauso haben sich die Abstände zwischen großen und kleinen Hochschulen kaum geändert. DFG-Präsident Peter Strohschneider: „Entgegen mancher Mutmaßung gibt es also keinen Verdrängungswettbewerb zwischen den großen und den kleinen Hochschulen und auch nicht zwischen großen und kleinen Fächern.“

Eine auch wissenschaftspolitisch bedeutsame Entwicklung stellt der neue Förderatlas bei der Rolle von Drittmitteln für die Gesamtfinanzierung der Hochschulen und ihrem Verhältnis zu den staatlichen Grundmitteln fest: Nachdem der Drittmittelanteil lange anstieg und 2012 mit 28,1 Prozent einen Höchststand erreichte, ist er seitdem weitgehend stabil. Die Steigerungsraten pro Jahr gingen sogar deutlich zurück, von durchschnittlich 9 Prozent zwischen 2008 und 2013 auf 1,5 Prozent 2015. Die Grundfinanzierung dagegen ist seit 2008 jährlich durchschnittlich um 4,4 Prozent gestiegen und 2014 erstmals auch stärker als die Drittmittel. „Auf der einen Seite ist der Drittmitteldruck für die Hochschulen also weiter hoch, er steigt jedoch derzeit nicht weiter. Auf der anderen Seite gibt es eine neue Dynamik bei den Grundmitteln“, konstatierte Strohschneider.

Insgesamt erhielten die Hochschulen in Deutschland im Betrachtungsjahr 2015 knapp 20 Milliarden Euro Grundmittel und 7,4 Milliarden Euro Drittmittel. Die DFG war dabei weiterhin die größte Drittmittelgeberin mit 33,1 Prozent, der zuvor deutlich gestiegene Anteil des Bundes ging wieder leicht zurück auf 25,2 Prozent, ebenso der der EU auf nun 9,7 Prozent. Weiter an Gewicht verloren die Drittmittel aus Industrie und Wirtschaft, deren Anteil nur noch 19 Prozent betrug.

Mit diesen und seinen zahlreichen weiteren Kennzahlen und Analysen versteht sich auch der neue Förderatlas als umfassendes Informationswerk für die Öffentlichkeit, vor allem aber als Service-, Planungs- und Entscheidungsinstrument für die Wissenschaft und hier speziell für die Hochschulen sowie die Wissenschaftspolitik, wie DFG-Generalsekretärin Dzwonnek bei der Vorstellung unterstrich. „In dem Maße, in dem der Wettbewerb in Wissenschaft und Forschung immer wichtiger und komplexer geworden ist und sich die Verwaltungen und das Management an Hochschulen und Forschungsinstituten weiter professionalisieren, ist auch der Service- und Beratungsauftrag der DFG gewachsen. Der Förderatlas spielt darin eine zentrale Rolle und trägt zudem erheblich zur Transparenz unseres Förderhandelns bei“, so Dzwonnek.

Im Sinne dieses Serviceauftrags wurde auch der Internetauftritt zum Förderatlas weiter ausgebaut. Darin findet sich nun neben den bekannten tabellarischen Detaildarstellungen auch ein umfangreicher Bereich „Hochschulansichten“, der es erlaubt, für die einzelnen Einrichtungen komplette Kennzahlen-Sets „auf einen Blick“ abzurufen. Zahlreiche Kartenansichten sind nun interaktiv bedienbar und machen etwa Kennzahlen für Bundesländer und Regionen sichtbar. 

Wie Dzwonnek betonte, werden alle Zahlen und Daten des Förderatlas bei den fördernden Institutionen erhoben und nicht bei den geförderten Einrichtungen. Auch die aktuelle Ausgabe entstand mit finanzieller Unterstützung des Stifterverbandes und erscheint, gedruckt und online, in einer deutschen und – Mitte 2019 – auch in einer englischsprachigen Zusammenfassung.


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