Ausnahmeregelungen

Gebühren für Internationale Studierende

Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Wir können künftig gezielt diejenigen unterstützen, die sonst finanziell nicht in der Lage wären, bei uns zu studieren. Mit den Gebühren stellen wir die Internationalisierung unserer Hochschulen auf finanziell langfristig tragfähige Füße.“

19.04.2017 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
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Das Wissenschaftsministerium teilt die Auffassung, dass der Austausch mit Studierenden aus den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt für die internationale Hochschullandschaft in Baden-Württemberg von besonderer Bedeutung ist. Es sind daher bei der Einführung von Gebühren für internationale Studierende eine Vielzahl von Ausnahmen für Studierende aus diesen Ländern sowie aus Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifik (AKP) vorgesehen.

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Wir wollen mehr internationale Studierende an unseren Hochschulen, gerade auch aus den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Mit den Gebühren stellen wir die Internationalisierung unserer Hochschulen auf finanziell langfristig tragfähige Füße und ermöglichen eine bessere Betreuung. Gerade indem wir nicht mehr mit der Gießkanne allen, die zu uns kommen wollen, ein komplettes Studium finanzieren, können wir künftig gezielt diejenigen unterstützen, die sonst finanziell nicht in der Lage wären, bei uns zu studieren.“ Von den internationalen Studierenden an den baden-württembergischen Hochschulen kommen heute unter 5 Prozent aus den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Das Wissenschaftsministerium setzt dabei insbesondere auf zwei Maßnahmen: Ausnahmen für Studierende aus entwicklungsschwachen Ländern und Stipendien.

Die Ausnahmen im Überblick

  • Die Hochschulen können künftig 5 Prozent aller internationalen Studierenden von den Gebühren befreien, das entspricht landesweit etwa 500 internationalen Studienanfängerinnen und -anfängern pro Jahr. Die Hochschulen müssen maßgeblich Studierende aus entwicklungsschwachen Ländern berücksichtigen, darunter fallen die Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks oder die am wenigsten entwickelten Länder nach der Definition der Vereinten Nationen.

  • Die Hochschulen können zusätzliche Befreiungen aus ihrem Anteil der eingenommenen Gebühren finanzieren.

  • Außerdem wird es zusätzliche Befreiungsmöglichkeiten für Studierende geben, die in einem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ausgezeichneten entwicklungsbezogenen Postgraduiertenstudiengang (EPOS) eingeschrieben sind.

  • Asylsuchende, deren Anerkennung nach den jeweiligen Herkunftsländern mit hohem Grad wahrscheinlich ist, werden von Gebühren befreit, damit diese Gruppe möglichst schnell ein Studium aufnehmen kann, wenn die sprachlichen und fachlichen Voraussetzungen vorliegen.

Erhöhung der Baden-Württemberg Stipendien

Zudem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass allein die Lebenshaltungskosten für Studierende aus den am wenigsten entwickelten Ländern so hoch sind, dass sich nur wenige einen Studienaufenthalt in Baden-Württemberg leisten können. Studierende aus den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt machen heute unter 5 Prozent der internationalen Studierenden an unseren Hochschulen aus. „Daher hat sich die Landesregierung zum Ziel gesetzt, diese Gruppe künftig sogar noch stärker als bisher zu fördern. Dazu dient die gerade erfolgte Erhöhung der Baden-Württemberg Stipendien um 1 Million Euro“, betonte die Ministerin abschließend.

Allgemeiner Hintergrund

Der Wissenschaftsbereich ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Die Zahl der Studierenden in Baden-Württemberg ist seit 2005 um 50 Prozent auf ein Allzeithoch von 363.000 angestiegen. Die Drittmitteleinnahmen sind im gleichen Zeitraum um 100 Prozent gewachsen. Weil Innovationen mittlerweile weit überwiegend wissenschaftsgetrieben sind, wären drastische Kürzungen im Zukunftsressort Wissenschaft eindeutig falsch. Gleichwohl hat aber auch das Wissenschaftsministerium seinen Anteil zur Haushaltskonsolidierung beizutragen. 

Gleichzeitig hat die Mobilität internationaler Studierender enorm zugenommen. Die Zahl der Bildungsausländer stieg in den vergangenen 20 Jahren um rund 300 Prozent. Eine weitere Zunahme ist zu erwarten. Hochschulen und Gesellschaft profitieren davon, dass internationale Studierende zu uns kommen. Aber mit der enorm wachsenden Zahl müssen auch die Bedingungen dafür geschaffen werden, dass die jungen Menschen bei uns erfolgreich sein können. Das erfordert zusätzliche Mittel. Eine bessere Betreuung ist ein Schlüssel, um die Studienerfolgschancen zu verbessern. Deshalb werden 20 Prozent der Gebühr (das entspricht 300 Euro pro Semester) künftig direkt bei der Hochschule für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in diesem Bereich verbleiben. 

Baden-Württemberg im internationalen Vergleich mit moderaten Gebühren

Im Vergleich mit anderen Ländern bewegen sich die Gebühren eher am unteren Rand. So verlangt beispielsweise Schweden durchschnittlich 10.000 Euro pro Jahr von internationalen Studierenden, obwohl es dort ebenfalls keine allgemeinen Studiengebühren gibt. Auch in Dänemark und Österreich werden ebenfalls Gebühren nur von internationalen Studierenden erhoben.

Die allermeisten internationalen Studierenden kommen aus Ländern, in denen die Studiengebühren mindestens genauso hoch, meist aber viel höher sind.

Die größten Gruppen internationaler Studierender in Baden-Württemberg kommen aus China und mit Abstand Indien (zusammen 30 Prozent). In beiden Ländern müssen Studierende jeweils hohe Studiengebühren zahlen; in China bis zu 8.000 Euro, in Indien bis zu 10.000 Euro.  

Die Einführung von Gebühren für internationale Studierende ist keine Vorstufe für allgemeine Studiengebühren. Diese schließt der Koalitionsvertrag klar aus.


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