Hochschulzugang BW

Gleichstellung von Meistern und Abiturienten beim Hochschulzugang

Baden-Württemberg will Meister und Abiturienten beim Hochschulzugang gleich stellen. Dies ist ein zentraler Punkt eines Gesetzentwurfs zum Hochschulrecht, den der Ministerrat am Dienstag verabschiedet hat und der nun in den Landtag eingebracht wird. Vorangegangen war eine mehrwöchige Anhörung unter anderem bei Hochschulen, Universitätsklinika und Verbänden. Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause in Kraft treten.

21.04.2010 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg betonte: "Mit dem neuen Gesetz setzen wir zahlreiche neue Akzente im Hochschulsystem. Wir wollen die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung verbessern. Und wir wollen die wichtige Rolle der Fachhochschulen in Baden-Württemberg unterstreichen und dazu die gesetzliche Bezeichnung ´Hochschulen für angewandte Wissenschaften` einführen. In der Hochschulmedizin wollen wir die Rolle des Landes bei der Bestellung des Klinikumsvorstandes stärken und Partnerschaften von Universitätsklinika mit anderen Einrichtungen erleichtern."

Meister werden Abiturienten beim Hochschulzugang gleichgestellt

Der Gesetzentwurf schafft Frankenberg zufolge mehr Möglichkeiten für qualifizierte Berufstätige, auch ohne schulische Hochschulreife zu. Meister, die ein Studium aufnehmen wollten, könnten nun ein Studium ihrer Wahl aufnehmen - bislang sei für Fächer, das der beruflichen Fortbildung fachlich nicht entsprochen habe, eine Eignungsprüfung erforderlich gewesen, die nun entfallen solle. "Meistern und Gleichgestellten steht damit der allgemeine Hochschulzugang offen - in gleichem Umfang wie Abiturienten", so der Minister. Erforderlich sei künftig lediglich ein Beratungsgespräch an der Hochschule zur Festigung der Studienentscheidung.

Auch andere beruflich Qualifizierte könnten künftig unter bestimmten Voraussetzungen ein ihrer Berufsausbildung oder -tätigkeit fachlich entsprechendes Studium aufnehmen, so Frankenberg. Erforderlich sei für diese Studienbewerber eine Eignungsprüfung an einer Hochschule. "Wir haben als Ergebnis der Anhörung zusätzlich eine Regelung aufgenommen, die auch die Anrechnung von Familienarbeit als Berufserfahrung für einschlägige Studiengänge vorsieht. Familienarbeit erfordert ein hohes Maß an Kompetenz, Verantwortung und Selbständigkeit - dem wollen wir Rechnung tragen", sagte der Minister. Auch andere Bildungsbiographien sollen Frankenberg zufolge in Ausnahmefällen den Zugang zur Eignungsprüfung eröffnen können.

Hochschulen für angewandte Wissenschaften

Die Fachhochschulen sollen künftig die gesetzliche Bezeichnung "Hochschulen für angewandte Wissenschaften" erhalten - auch die Fachhochschulen für den öffentlichen Dienst. Frankenberg: "Die Fachhochschulen sind wissenschaftliche Einrichtungen mit hohem Qualitätsanspruch. Mit der neuen Bezeichnung tragen wir dem Rechnung und unterstreichen zugleich die Anwendungsorientierung und besondere Verzahnung mit der Praxis."

Stärkung der Rolle des Landes bei der Bestellung und Abberufung von Klinikumsvorständen - Erleichterungen für Partnerschaften zwischen Universitätsklinika und anderen Einrichtungen

Der Gesetzentwurf sieht Frankenberg zufolge vor, dass das Wissenschaftsministerium der Bestellung des Klinikumsvorstandes zustimmen muss und bestimmt, dass das Land Mitgliedern des Vorstandes das Vertrauen entziehen kann. "Damit wollen wir die Verantwortung des Landes für die Universitätsklinika und die große Bedeutung der Vorstände stärker berücksichtigen", sagte der Minister.

Außeruniversitäre Einrichtungen können, so Frankenberg, künftig durch eine Beleihung Aufgaben einer Universitätsklinik übernehmen und Teil des betreffenden Universitätsklinikums werden. Die Einzelheiten, insbesondere die Pflichten für die Partnereinrichtungen, würden in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung geregelt, der das Wissenschaftsministerium im Einvernehmen mit dem Wissenschaftsausschuss des Landtags zustimmen muss. "Mit der Neuregelung wollen wir Partnerschaften zwischen Universitätsklinika und anderen Einrichtungen unterstützen - im Interesse der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit unserer Universitätsklinika und nicht zuletzt im Dienst der Krankenversorgung", sagte Frankenberg.

Weitere Regelungen für Hochschulen und Universitätsklinika

  • Bei der Auswahl von Studierenden können die Hochschulen künftig neben Tests und Auswahlgesprächen auch Motivationsschreiben und schriftliche Abhandlungen heranziehen. Damit wird der Kriterienkatalog um weitere international übliche Kriterien ergänzt. In die Auswahlentscheidung muss mindestens ein schulisches und ein außerschulisches Kriterium einbezogen werden.

  • Das Hochschulzulassungsgesetz wird an den Staatsvertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung angepasst. Die Hochschulen sollen die Möglichkeit haben, an dem von der künftigen "Stiftung für Hochschulzulassung" geplanten Serviceverfahren ab Wintersemester 2011/2012 teilzunehmen. Das Serviceverfahren stellt insbesondere den Abgleich von Mehrfachzulassungen sicher und erlaubt den Hochschulen eine schnellere und effizientere Vergabe von Studienplätzen.

  • Bei Minderheitenbeteiligungen von Hochschulen und Universitätsklinika an Unternehmen soll auf ein Prüfungsrecht des Rechnungshofs hingewirkt werden. Das Wissenschaftsministerium soll dem Landtag einmal jährlich über sämtliche Beteiligungen der Hochschulen und Universitätsklinika berichten. Mit dieser Regelung soll ein entsprechender Beschluss des Landtags von Baden-Württemberg umgesetzt werden.

Der Entwurf des ´Gesetzes zur Verbesserung des Hochschulzugangs beruflich Qualifizierter und der Hochschulzulassung`, kann von der Homepage des Wissenschaftsministeriums heruntergeladen werden.

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