Jahreskongress der Weltakademie der Philosophie in Karlsruhe eröffnet

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg hat die Bedeutung der Geisteswissenschaften in der heutigen Zeit herausgestellt. "Ich bin davon überzeugt, dass in einer komplexen Welt, wie wir sie heute vorfinden, der Philosophie und den übrigen Geisteswissenschaften eine wichtige Rolle zukommt", erklärte er anlässlich der Eröffnung des Jahreskongresses der Weltakademie der Philosophie am 18. September in Karlsruhe.

18.09.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Die Geisteswissenschaften könnten und sollten, so Frankenberg, entscheidende Beiträge zur Diskussion über die Entwicklung der Menschheit in einer globalisierten Welt leisten. "An großen Themen mangelt es nicht: Wie etwa integrieren wir die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung in unsere Vorstellung von Willensfreiheit? Welchen Freiheitsbegriff transportieren die Neurowissenschaften? Welchen Stellenwert haben Fremd- und Selbstbestimmung in einer medial vermittelten, oftmals nur noch virtuellen Welt? Wie gehen wir mit Entgrenzungserfahrungen im Prozess der Europäisierung und Globalisierung um? Durch die Beschäftigung mit Fragen dieser Art leisten die Philosophie und mit ihr die Geisteswissenschaften einen unverzichtbaren Beitrag im aktuellen Diskurs."

Frankenberg, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Vertretung von Ministerpräsident Erwin Teufel begrüßte, warnte davor, die Geisteswissenschaften allein nach Nützlichkeitserwägungen zu beurteilen. "Die Geisteswissenschaften führen den Dialog zwischen Vergangenheit und Heute und fördern damit traditionsverbunde Innovationsbereitschaft. Dieses Wissen rechnet sich nicht direkt, es bringt keine Patente hervor. Doch unser Dasein kann und darf nicht auf die Frage der Nützlichkeit reduziert werden", sagte der Minister. Andererseits genüge es nicht, allein auf die beachtliche Tradition der Geisteswissenschaften zu verweisen. "Es kann nicht sein, dass um die Geisteswissenschaften ein Schutzzaun errichtet wird, um alles so zu belassen, wie es immer war. Auch die Geisteswissenschaften müssen sich den Veränderungen der globalisierten Welt stellen. Darin bin ich mir glücklicherweise mit etlichen Geisteswissenschaftern einig."

Dass der Kongress der Weltakademie der Philosophie ausgerechnet in Karlsruhe stattfinde, sehe er als ein Signal, so Frankenberg. "In Karlsruhe befindet sich eine sehr renommierte technische Universität. Gerade hier bietet es sich an, den Dialog zwischen Technikwissenschaften und Geisteswissenschaften zu vertiefen und gesellschaftliche Konsequenzen der technischen Entwicklung oder deren wissenschaftstheoretische Implikationen zu reflektieren." Die Karlsruher Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften habe diesen Dialog stets geführt. Sie habe die Herausforderung, die sich aus diesem Spannungsfeld ergeben, angenommen und positive Impulse in Forschung und Lehre gesetzt. Dieser Ansatz sei vorbildlich.

Der Wissenschaftsminister forderte die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, bestehende Kooperationshindernisse zu beseitigen und Innovationsblockaden zu lösen. Frankenberg: "Nur so schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Philosophie und Geisteswissenschaften auch weiterhin zur Orientierung beitragen und einen für Politik und Gesellschaft unverzichtbaren Beitrag leisten."


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