Landeslehrpreis an Hochschullehrer aus drei Universitäten verliehen - „Gute akademische Lehre wichtig für die Gesellschaft“

Der Landeslehrpreis im Bereich der Universitäten geht in diesem Jahr an Hochschullehrer der Universitäten Freiburg, Tübingen und Ulm. „Dieses Gütesiegel für herausragende Lehrqualität, vom Land bundesweit einzigartig mit einer Preissumme von 120.000 Euro bedacht, macht die Bedeutung guter Lehre für Wissenschaft und Gesellschaft deutlich“, erklärte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg am 15. Dezember in Heidelberg. Die Preisverleihung erfolgte am „Tag der Lehre“, den in diesem Jahr die Universität Heidelberg ausrichtete. Erstmals gab es für die neun Landesuniversitäten nur drei und damit entsprechend höher dotierte Landeslehrpreise.

15.12.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

In seiner Laudatio hob der Minister hervor, dass die Einführung der gestuften Studienstruktur mit den Abschlüssen Bachelor (BA) und Master (MA) „einen Veränderungsprozess in Gang gesetzt hat, der in dieser Dimension weit über die bisherigen Studienreformen hinausgeht“. Erstmals orientierten sich damit alle Hochschulen an „Employability“ als Ausbildungsziel schon nach einem kompakten Studium von sechs bis acht Semestern Dauer. „Die Mehrzahl der Studierenden soll mit dem BA-Abschluss einen Berufseinstieg erreichen“, so Frankenberg. Demgemäß müssten die Lehrmodule nicht nur Fach- und Methodenwissen vermitteln, sondern auch Schlüsselqualifikationen wie Team- und Sozialkompetenz, Internationalität, Bereitschaft zu Innovation und lebenslangem Lernen.

„Anforderungen und Stellenwert der akademischen Lehre haben sich durch die Studienreform im Zuge des Bologna-Prozesses deutlich erhöht“, betonte der Minister. „Für ihre hervorragende Arbeit angesichts dieser großen Herausforderungen ist allen Hochschullehrern zu danken.“

Mit der Verleihung des Landeslehrpreises verfolgt das Land mehrere Ziele: Zum einen soll die herausragende Leistung einzelner Hochschullehrer ideell und materiell honoriert werden. Frankenberg: „Damit verbessern wir die Arbeitsmöglichkeiten der Preisträger und fördern bewusst auch den Wettbewerb um herausragende Lehrqualität.“ Zum anderen sollen damit besondere Lehrleistungen öffentlichkeitswirksam gewürdigt werden. „Nicht nur die Absolventen und die Hochschulen profitieren von guter Lehre, sondern die ganze Gesellschaft und zumal die Wirtschaft als Abnehmer der Absolventen“, so der Minister.

Für den Landeslehrpreis 2006 wurden drei von den neun Vorschlägen der Universitäten vom internationalen Gutachtergremium als besonders herausragend bewertet und so mit dem Preisgeld von jeweils 40.000 € bedacht.

  • Institut für Informatik der Universität Freiburg,
    stellvertretend Institutsdirektor Prof. Dr. Wolfram Burgard
    Für die zweiwöchige „summer school“ entstand bei einer engagierten Gruppe von sieben Studierenden und drei langjährigen Mitarbeitern die spontane Idee eines „Sommercampus“. Es geht hier darum, Inhalte zu vermitteln, die in der klassischen Lehre weniger im Vordergrund stehen, aber gleichwohl für Informatikstudierende interessant und relevant sind wie z.B. praxisnahe Programmier- und Administrationskurse, deren Inhalte traditionell im Selbststudium erarbeitet werden.
    Da hier Engagement und fachliches Wissen entscheidend sind, können auch Studierende in der Rolle der Lehrenden tätig sein. Auch die Organisation wurde von der Gruppe selbst in die Hand genommen. Die kreative Einbindung der Studierenden bewirkt, dass die Kurse stets voll besetzt sind, obwohl keine formellen Leistungspunkte (als Zeugnis) vergeben werden.

  • Dr. Hubert Truckenbrodt PD, Universität Tübingen,
    Privatdozent am Seminar für Sprachwissenschaft
    Beeindruckt hat die Gutachter vor allem sein englischsprachiges Proseminar „Introduction to General Linguistics“. Dafür hat Truckenbrodt u. a. ein Skript entwickelt, das von seinen Kollegen aufgrund der hohen Qualität und Praxisbezogenheit übernommen wurde und inzwischen für das gesamte Grundstudium als Nachschlagewerk dient. Mit einer einfachen, klaren und voraussetzungsfreien Sprache ermöglicht das Skript den Einstieg in ein an sich sehr theoretisches und abstraktes Fach und weckt hiermit besonders die Neugier der Studierenden.
    Truckenbrodt bezieht Tutorien ein, die von ihm so vorbereitet werden, dass sie eine intensive Betreuung jedes Studierenden in kleinen Gruppen ermöglichen. Er schaffte es damit, die Studierenden voll und ganz zu begeistern, zu eigenständiger Arbeit anzuleiten und die Praxis eines Linguisten kennen zu lernen.

  • Arbeitsgruppe aus der Abteilung Experimentelle Ökologie der Tiere der Universität Ulm,
    vertreten durch Prof. Dr. Elisabeth Kalko, Prof. Dr. Manfred Ayasse, Dr. Martin Pfeiffer, Dr. Marco Tschapka und Dr. Stefan Jarau
    Die Arbeitsgruppe erhält den Landeslehrpreis für ihre neu konzipierten und didaktisch gut aufbereiteten Lehrveranstaltungen im Grundstudium Biologie und in Tropenökologie im Hauptstudium Biologie.
    Dem Gutachtergremium gefiel besonders die internationale Ausrichtung des Studienangebots. In Zusammenarbeit mit der Partneruniversität Costa Rica findet z.B. ein dreiwöchiges Praktikum an verschiedenen Forschungsstationen statt, wobei die Studierenden vor Ort lernen, auch unter schwierigen Bedingungen in den Tropen die dringend benötigte ökologische Forschung zu betreiben.
    In die Begleitvorlesungen werden Gastdozenten und Studierende der Partnerländer einbezogen. Vor Ort auf den Forschungsstationen gibt es Minisymposien mit den Wissenschaftlern, wobei die Versuchsergebnisse konzentriert und gezielt innerhalb kurzer Zeit aufgearbeitet werden.
    Im Ergebnis wird eine praxisbezogene Lehre geboten, die sich auch durch besondere Forschungsnähe auszeichnet.


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