Lehrerausbildung in Baden-Württemberg bundesweit Schlusslicht

Die Bildungsgewerkschaft GEW unterstützt die Proteste der Studierenden an den Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg. "Wie sollen in überfüllten Hörsälen gute Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet werden? Wir warten seit Jahren auf eine grundlegende Reform der Lehrerausbildung. Baden-Württemberg ist inzwischen bundesweit Schlusslicht bei der dringend nötigen Aufwertung der Lehramtsstudiengänge", sagte am Mittwoch (02.12.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

02.12.2009 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die GEW kritisiert, dass Reformen wie die neuen Bachelor-/Master-Abschlüsse an Universitäten zu keinen Verbesserungen in der Lehrerausbildung geführt haben. "Wenn wir mehr Qualität an unseren Schulen erreichen wollen, brauchen wir an den Pädagogischen Hochschulen und den Universitäten mehr Ressourcen für die Vermittlung fachwissenschaftlicher und pädagogischer Inhalte. Dass die Proteste der Studierenden berechtigt sind, zeigt sich auch daran, dass viele Lehrende die Aktionen unterstützen", so Moritz.

Die GEW setzt sich unter anderem für ein achtsemestriges Grundschullehrerstudium ein. "Warum sollten Kinder in den ersten Schuljahren, in denen die Grundlagen für den späteren Bildungsweg gelegt werden, von schlechter ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden? Das Lehramt Grundschule ist gleichwertig mit dem Lehramt Hauptschule und Realschule. Dies muss sich sowohl in der Aufwertung des Studiums durch die Verlängerung auf acht Semester und in der Angleichung der Bezahlung niederschlagen", sagte Moritz.

Weitere Informationen:
www.usta-ph.de
lububrennt.wordpress.com/category/ph-ludwigsburg/
esslingenbrennt.wordpress.com/
www.gew-bw.de


Grundschullehramt nicht abhängen – Hintergründe

Die Landesregierung arbeitet derzeit an einer Neuregelung des Studiums für Grundschulen, Hauptschulen sowie Realschulen. Die im Zuge der Umstrukturierung beabsichtigte Trennung des bisherigen Verbundlehramts Grund- und Hauptschule wird von der GEW begrüßt. Gleichzeitig debattiert jedoch die CDU/FDP-Koalition über die Studiendauer für angehende Grundschullehrer/innen. Dieser Primar-Studiengang soll mit sieben Semestern kürzer sein als der neugeschaffene achtsemestrige Studiengang für die Haupt- und Realschule. "Ich halte es für fatal, wenn mit der Trennung des Verbundlehramts eine Abqualifizierung der Ausbildung für die Grundschule verbunden wäre. Arbeit mit kleinen Kindern ist nicht anspruchsloser und keinen Cent weniger wert als die Arbeit mit größeren Kindern", sagte Moritz.

Andere Bundesländer orientieren sich dabei konsequenter an die im europäischen Bologna-Prozess vorgegebene Vereinheitlichung und Verlängerung der Studienzeit. In Sachsen wurde die Regelstudienzeit für alle Lehrämter auf zehn Semester festgelegt und auch Nordrhein-Westfalen hat sich für eine gleichwertige Ausbildung aller Lehrer/innen mit ebenfalls 10 Semestern entschieden. Die Neuauslegung der Lehrerbildung zwischen 2010 und 2015 soll dort rund 100 Millionen Euro kosten.

Der Widerstand aus Baden-Württemberg hat alleine finanzielle Gründe. "Wie immer soll bei den Jüngsten gespart werden. Eine Studienzeitverlängerung würde den Druck auf die Bezahlung der Grundschullehrer/innen erhöhen. Die Frage, ob Männer für das Lehramt Grundschule gewonnen werden können, ist somit von den Sparplänen des Landes abhängig", sagte Moritz.

Die Bildungsgewerkschaft setzt sich daher für ein akademisches Fachstudium ein, um den Grundschullehrer/innen auch die gleichen Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung einzuräumen. "Nur wenn bestqualifizierte Lehrerinnen und Lehrer in der Grundschule die Basis für das lebenslange Lernen legen, können die Schülerinnen und Schüler auch optimale Leistungen erreichen", so Moritz.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden