Lehrverpflichtungsverordnung wird flexibilisiert

Die Hochschulen stehen vor der Herausforderung, angesichts steigender Studierendenzahlen und der Umstellung auf das Bachelor-Master-System das Betreuungsangebot zu optimieren. Dazu ist es notwendig, den Anteil der Lehre innerhalb einer Professur zu flexibilisieren, ohne dabei den Anteil der Forschung zu vernachlässigen. Die Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF) hat deshalb die Lehrverpflichtungsverordnung (LVVO) entsprechend geändert. Die Änderung tritt zum 1. Januar 2010 in Kraft. Anstatt der bisherigen Regellehrverpflichtung sieht die Verordnung für Professorinnen und Professoren eine Bandbreitenregelung vor, in der die Lehrverpflichtung je Professur individuell und befristet festgelegt werden kann. Die Bandbreitenregelung wird mit einem Übergangszeitraum bis zum 1. Oktober 2012 eingeführt. Sie soll den Hochschulen wie auch den Lehrpersonen mehr Flexibilität verleihen, ohne kapazitäre Veränderungen herbeizuführen.

23.12.2009 Pressemeldung Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung Hansestadt Hamburg

Im Rahmen der Umsetzung der sogenannten "Bologna-Erklärung" hat der Wissenschaftsrat 2007 empfohlen, nach dem Vorbild des angelsächsischen "lecturer" eine Lehrprofessur mit erhöhter Lehrverpflichtung einzuführen. Eine solche Regelung mit der "klassischen" Professur einerseits und der Lehrprofessur andererseits als zwei gesetzlich getrennten Personalgruppen wäre jedoch sehr starr. Ein Wechsel der Personalgruppe wäre nur sehr schwer möglich und es gäbe keine fließenden Übergänge. Dies wäre nicht nur für die Hochschulen von Nachteil, die kaum Möglichkeiten zum flexiblen Personaleinsatz hätten, sondern auch für die betroffenen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer, die in der Regel dauerhaft auf eine bestimmte Personalgruppe festgelegt wären.

Hamburg wird daher an der einheitlichen Personalgruppe der Professorinnen und Professoren festhalten. Um die erforderliche Flexibilität zu schaffen, soll anstatt der bisherigen Regellehrverpflichtung für Professorinnen und Professoren eine Bandbreite für die Lehrverpflichtung vorgesehen werden. Innerhalb dieser Bandbreite kann die individuelle Lehrverpflichtung dann von Professur zu Professur schwanken und dem jeweiligen Aufgabenbereich flexibel angepasst werden. Die Höhe der individuellen Lehrverpflichtung wird regelhaft im Rahmen von Berufungs- und Bleibeverhandlungen für bestimmte Zeiträume festgelegt werden. Aber auch außerhalb derartiger Verhandlungen sind Festsetzungen möglich.

Die durchschnittliche Lehrleistung einer Hochschule wird von der BWF individuell je Hochschule festgelegt.

Die Gesetzesänderung beinhaltet eine Übergangsregelung bis zum Beginn des Wintersemesters 2012/2013. Danach bedarf die Festlegung einer individuellen Lehrverpflichtung durch die Hochschule bis zum 30. September 2012 der Zustimmung der betroffenen Professorin bzw. des betroffenen Professors, wenn sie oder er bereits am 31.12.2009 an der Hochschule beschäftigt war.

Wissenschaftssenatorin Dr. Herlind Gundelach: "Um die anstehenden Aufgaben im Bereich der Lehre erfolgreich meistern zu können, ist es notwendig, die richtigen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Die Einführung einer Lehrprofessur mit erhöhter Lehrverpflichtung neben der klassischen Professur halte ich in Hamburg für den falschen Weg, denn eine reine Lehrprofessur bedeutet die Aufgabe der Einheit von Forschung und Lehre. Dies wäre für mich nicht zielführend. Forschung ist unverzichtbar für eine qualitätsvolle Lehre. Um hier Flexibilität zu schaffen, bieten wir den Hochschulen bei Erhalt der durchschnittlichen Lehrverpflichtung von neun Lehrveranstaltungsstunden eine Bandbreitenregelung an. So geben wir den Hochschulen die Möglichkeit, die Lehrverpflichtung derselben Professur im zeitlichen Verlauf zu variieren und beispielsweise für einige Jahre befristet anzuheben, um sie dann für intensivere Forschungstätigkeit wieder abzusenken. Die Hochschulen können dabei selbst entscheiden, ob und inwieweit sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Mit dieser Regelung entsprechen wir auch den Forderungen der Hochschulpräsidien nach einer flexibleren Lösung."

Bandbreiten:

Für die Universität Hamburg und die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) sind jeweils Bandbreiten von 4 bis 12 Lehrveranstaltungsstunden (LVS) vorgesehen. Die Obergrenze von 12 LVS entspricht den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium, wonach selbst für dauerhafte Lehrprofessuren ein Lehranteil von ca. 60% an den Dienstaufgaben (entsprechend 12 LVS) als sachgerecht angesehen wird.

Die Bandbreite mit einer Obergrenze von 16 LVS an der HafenCity Universität Hamburg (HCU) entspricht der schon jetzt geltenden Regelung, die sich aus der Besonderheit erklärt, dass dort sowohl Universitäts- als auch Fachhochschulprofessorinnen und -professoren tätig sind. Für die Angehörigen der letztgenannten Gruppe bleibt es bei der Lehrverpflichtung von 18 LVS, sofern ihnen nicht im Einzelfall das Amt einer Universitätsprofessorin oder eines Universitätsprofessors übertragen wird. An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) bleibt es ebenso bei 18 LVS.

Für die Hochschule für bildende Künste (HfbK) und die Hochschule für Musik und Theater (HfMT) liegt die Bandbreite bei 6 bis 18 LVS.

Die Lehrverpflichtung der Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren bleibt bei 4 LVS in der ersten Anstellungsphase und 6 LVS in der zweiten Anstellungsphase. Dies entspricht der derzeitigen Rechtslage, die sich bewährt hat und unverändert bleibt. Auch die Möglichkeit einer Ermäßigung der Lehrverpflichtung in der zweiten Anstellungsphase von 6 auf 4 LVS bleibt erhalten.

Lehrleistung:

Um sowohl die Gesamtlehrleistung als auch den wissenschaftlichen Charakter der Hochschulen zu sichern, wird für jede Hochschule eine durchschnittliche Lehrleistung festgelegt. An der Universität Hamburg und der TUHH soll die durchschnittliche Lehrleistung jeweils 9 LVS, an der HCU 10 LVS und an HfbK und HfMT jeweils 12 LVS betragen.

Ein Durchschnittswert von 9 LVS an der Universität Hamburg entspricht der gegenwärtigen Lehrverpflichtung der Professorinnen und Professoren. Auch der vom Akademischen Senat der Universität Hamburg einstimmig verabschiedete Struktur- und Entwicklungsplan basiert auf einer durchschnittlichen Lehrverpflichtung von 9 LVS.


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