Modularisiertes Lehramtsstudium kostet Nerven

Die Unzufriedenheit der Lehramtsstudierenden an den bayerischen Universitäten ist unverändert hoch. Darauf hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) wenige Tage vor Semesterbeginn hingewiesen und Ergebnisse einer neuen Umfrage präsentiert.

14.10.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

In ihr beklagt die Mehrheit der rund 360 befragten Studierenden aller Schularten, dass die Hürden für eine reibungslose Organisation des modularisierten Lehramtsstudiums sehr hoch sind. Viele Studierende beklagen außerdem, dass der Informationsfluss "spärlich" ist, sie bemängeln die verschulte Struktur des Studiums und die zu hohe Prüfungsdichte. "Die Ergebnisse der Befragung werfen kein gutes Licht auf das Lehramtsstudium in Bayern", stellte die Vorsitzende der Landesstudentengruppe (LSG) im BLLV, Ulla Adam, fest. Nur ein Viertel der Studierenden fühle sich durch das Studium für die spätere Berufszeit gerüstet. Die Studenten fordern eine stärkere Vernetzung der Inhalte an den Universitäten, weniger Bürokratie, eine intensivere Betreuung und sinnvolle Prüfungsmodalitäten. "Wer heute Lehramt studiert braucht jede Menge Idealismus, viel Kraft und vor allem gute Nerven", erklärte die LSG -Vorsitzende. Im Grunde sei das Studium eine Zumutung.

Die Lehramtsstudenten trifft die Umstellung der Universitäten, die der Bolognaprozess erforderlich machte, besonders hart. Ihr Studium gliedert sich jetzt wie bei fast allen anderen Studiengängen auch in verschiedene Module. Für den erfolgreichen Abschluss eines Moduls müssen mehrere Teilleistungen aus verschiedenen Veranstaltungen erbracht werden. Hinzu kommt aber, dass sich das modularisierte Lehramtsstudium in viele Bereiche gliedert und obendrein auch noch an verschiedenen Instituten und Fakultäten angesiedelt ist.

"Das führt in der Praxis zu erheblichen Schwierigkeiten", sagte Adam heute in München. Oft sei nicht klar, welche Veranstaltung zu welchem Modul gehört. "Der Informationsfluss ist ungenügend. Unklar sei auch, welche Teilbereiche eines Moduls anerkannt werden und welche nicht - "weil sich das ständig ändert." Die Studenten würden darüber aber nicht oder zu spät informiert. "Selbst die Dozenten, mit denen sie zu tun haben, wissen oftmals nicht, wie das Gesamtkonstrukt Modularisierung eigentlich aussieht: So geben in der BLLV -Studie nur 21% der Befragten an, dass ihre Dozenten gut über die Modularisierung informiert sind, nur 9% sind der Meinung, dass sich die Dozenten inhaltlich gut absprechen.

"Allein die Organisation des Studiums wird von vielen als äußerst nervenaufreibend und zermürbend empfunden", fasste Adam zusammen. "Von den Inhalten und Prüfungsanforderungen gar nicht zu reden." Sie bezeichnete das Lehramtsstudium als "unausgegorenen Wirrwarr, der vielen Studierenden Energie und Kraft raubt. Auch die aktuelle Debatte um die Zukunft der Lehrerbildung bringt uns nicht weiter", sagte Adam. Sie betonte, am BLLV -Positionspapier "Lehrerbildung 2010" festzuhalten: "Wir fordern darin u. a. auch den Stufenlehrer, also einen Lehrer, der auch an anderen Schularten eingesetzt werden kann. Das ist die einzig richtige Antwort auf den Lehrermangel, den wir an allen Schulen haben." Wer dies als "Käse" bezeichne, ignoriere den Wunsch zahlreicher junger Lehramtsstudierenden nach moderner Schul- und Bildungspolitik, die zukunftsweisend und pädagogisch verantwortungsvoll ist.

Fazit: Die aktuelle BLLV- Befragung gibt nicht nur ein besorgniserregendes Stimmungsbild der bayerischen Lehramtsstudenten wieder, sie legt auch offen, wie unbefriedigend und schwierig die Situation in den Jahren nach dem Umstellungsprozess immer noch ist.

Die vollständige Auswertung der Umfrage finden Sie unter www.lsg.bllv.de


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