Neues baden-württembergisches Studiengebührenmodell vorgestellt

Das baden-württembergische Studiengebührenmodell, das zum Sommersemester 2007 eingeführt werden soll, ist nach den Worten von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg "gründlich durchdacht und auch sozial ausgewogen.

25.10.2005 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Wir werden damit den Hochschulen und ihren Studierenden spürbar verbesserte Studienbedingungen bieten können", erklärte der Minister am 25. Oktober vor Medienvertretern in Stuttgart. Der Vorsitzende des Vorstands der L-Bank, Christian Brand, erläuterte, dass niemand durch die Einführung von Studiengebühren am Studieren gehindert werden dürfe und die L-Bank deswegen vom Land beauftragt wurde, ein Modell zur Finanzierung von Studiengebühren auszuarbeiten. "Auf Grund jahrelanger Erfahrung bei der Darlehensfinanzierung verfügt die L-Bank über geeignete Systeme, um kreditsuchenden Studierenden auch für kleinere Kredite faire Angebote machen zu können. Dazu haben wir ein neues, speziell auf die Finanzierung der Studiengebühren ausgerichtetes Kreditmodell ausgearbeitet."

Frankenberg betonte erneut die Notwendigkeit allgemeiner Studiengebühren: "Wenn die Hochschulen des Landes ihren herausragenden Rang in Deutschland halten und ihre internationale Stellung verbessern wollten, brauchen sie zusätzliche Finanzmittel, die nur von privater Seite kommen können." Die Summe der öffentlichen und privaten Ausgaben im Hochschulbereich je Studierendem liege bisher in Deutschland mit rund 10.500 US-Dollar um mehr als 50 Prozent unter den entsprechenden Ausgaben in den USA, bei den Ausgaben für die Lehre an den Hochschulen sogar nur bei einem Drittel der durchschnittlichen US-Summe.

"Bewusstsein für den Wert des Studiums"

"Durch eigene Bildungsinvestitionen bei gleich bleibender Höhe der staatlichen Hochschulfinanzierung werden wir auch bei den Studierenden einen Mentalitätswandel erleben. Das Bewusstsein für den Wert des Studiums wird gestärkt. Wer selbst etwas dafür zahlt, wird - in der Rolle des Kunden - mit seinem Studium effizienter und mit der Studienzeit sparsamer umgehen, die Lehrenden werden sich stärker gefordert sehen, und die Abbrecherquoten werden sinken", so Frankenberg.

Das geschätzte Netto-Gebührenaufkommen in Höhe von effektiv 180 Mio. € wird dem Minister zufolge zweckgebunden für Lehre und Studium verwendet. "Die Studierenden sind bei der Mittelverwendung von den Hochschulen zu beteiligen." Gedacht sei hier an die bessere Betreuung der Studierenden durch zusätzliche Tutorenstellen, bessere Studienberatung, an längere Bibliotheksöffnungszeiten und mehr Bücher. "Wir wollen mehr Qualität in Studium und Lehre, nicht mehr Quantität. Deshalb sollen über die Mittel aus Studiengebühren nicht mehr Studienplätze geschaffen werden. Die Lösung des Problems steigender Studierendenzahlen ist unabhängig von Studiengebühren zu erreichen." (Frankenberg)

Sozialverträglich aufgrund mehrerer Faktoren

Die soziale Ausgewogenheit und Sozialverträglichkeit des baden-württember-gischen Gebührenmodells werde durch mehrere Faktoren gewährleistet, zum Beispiel Ausnahme- und Befreiungsregelungen, nicht zuletzt aber durch ein allen Studierenden angebotenes Studienkreditmodell. Frankenberg: "Die L-Bank bietet ein auf unser Gebührenkonzept maßgeschneidertes Darlehensmodell mit sehr günstigen Konditionen an, für dessen Ausarbeitung wir dem Kreditinstitut des Landes außerordentlich dankbar sind."

Die L-Bank geht nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden bei ihren Berechnungen von folgenden Voraussetzungen aus. Das Darlehensvolumen für den Studierenden betrage 500 Euro pro Semester Regelstudienzeit, plus 4 Toleranzsemester. Nach der Auszahlungsphase beginne eine zweijährige Karenzzeit. Erst danach beginne die individuelle Rückzahlungsphase. Der Zinssatz belaufe sich nach derzeitiger Berechnung, bei einem 6-Monats-Geld von 2,2 Prozent p.a. auf 5,7 Prozent p.a. und werde ab dem Zeitpunkt der Auszahlung erhoben.

Spezielles Modell der L-Bank

Brand unterstrich: "Bei der Darlehensaufnahme zu Beginn des Studiums ist weder das Darlehensvolumen noch der Zeitpunkt der Rückzahlung bekannt. Bei der Rückzahlung greifen dann im Übrigen soziale Aspekte - die zu Ausfällen führen können, die weit über das hinausgehen, was man als normales Kreditrisiko kennt." Bei dem Modell der L-Bank werde, im Gegensatz zu den gängigen Krediten, nicht nur die Tilgung, sondern auch der Zins bis zur Rückzahlung gestundet. Der Student müsse daher in der Studienphase keine Zinsen zahlen. Während der Rückzahlungsphase beträgt die monatliche Rate 100 Euro. Auf Antrag könne sie aber auch auf die Bedürfnisse des Einzelnen angepasst werden, so dass die Rate im Einzelfall auf 50 oder 150 Euro im Monat festgelegt werden könne.

Da die Hochschulen über die Gebühreneinnahmen zusätzlich verfügen können, ist es nach Frankenbergs Auffassung logisch, dass die Hochschulen die etwaigen Kreditausfälle, die sich nach vorläufigen Schätzungen um die zehn Prozent bewegen könnten, im Gegenzug zu ihren Gebühreneinnahmen aus einem von ihnen gebildeten Fonds ausgleichen. Zur Finanzierung des gemeinsamen Studienfonds soll eine Umlage von allen Hochschulen und Berufsakademien dienen. "Das Solidarprinzip ist gewollt und notwendig, denn aufgrund unterschiedlicher Studienfächer und Berufsaussichten sind auch etwaige Ausfallrisiken unterschiedlich", so der Minister. Auf den Studienfonds sollen neben der L-Bank auch andere Banken zugreifen können, sofern sie mit ihren Darlehenskonditionen die entsprechenden Bedingungen des baden-württembergischen Gebührenmodells erfüllen.


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