Baden-Württemberg

Qualität der Promotionen sichern und Studierenden der Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWen) den Zugang zum Doktortitel erleichtern

Mit der Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für gute Promotionen verbessert das neue Landeshochschulgesetz für Baden-Württemberg die Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

23.01.2014 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Nach eingehenden Gesprächen mit den Universitäten und HAWen hat das Wissenschaftsministerium ein Paket geschnürt, dass folgende Maßnahmen umfasst:

  1. Die Qualitätssicherung im Promotionsverfahren wird weiterentwickelt.
  2. Die Zusammenarbeit von Universitäten und HAWen wird gestärkt.
  3. Neu hinzu kommt eine Experimentierklausel, die neue Wege zur Promotion eröffnet.

Wissenschaftsministerin Bauer: "Unser Ziel ist Qualität"

Zusammen mit den Rektoren der Universitäten hat das Wissenschaftsministerium Maßnahmen entwickelt, die die hohe Qualität von Promotionen absichern. So wird im neuen Landeshochschulgesetz geregelt, dass zwischen Doktoranden und ihren Betreuern Promotionsvereinbarungen abgeschlossen werden, in denen individuelle Verabredungen über das Promotionsprojekt und seine Betreuung festgelegt werden. Auch sieht das Gesetz Ombudspersonen für Doktorandinnen und Doktoranden vor.

Hervorragende Studierende finden sich jedoch nicht nur an den Universitäten und den anderen promotionsberechtigten Hochschulen, sondern auch an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Für diese Studierende soll künftig der Zugang zur Promotion erleichtert werden.

Zusammenarbeit zwischen Universitäten und HAWen

Dazu sollen die Kooperationen zwischen Universitäten und HAWen gestärkt werden. So erhalten HAW-Professoren in gemeinsamen Promotionskollegs künftig die gleichen Rechte wie ihre Kollegen von den Universitäten. Auch wird künftig ermöglicht, dass HAW-Professoren von universitären Fakultäten als kooptiertes Mitglied aufgenommen werden und so das Promotionsrecht erhalten. Ministerin Bauer: "Kooperationen zwischen Universitäten und HAWen sind der Königsweg. Sie sollen weiter befördert und evaluiert werden."

Zusätzlich wird mit einer Experimentierklausel für die Zukunft ein weiterer Weg eröffnet: Sie schafft die Möglichkeit, dass in Zukunft besonders ausgewiesene Professorinnen und Professoren von Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Rahmen eines Hochschulverbunds das Promotionsrecht erhalten. Diese Verleihung muss an Qualitätskriterien gebunden und wird zeitlich befristet und auf bestimmte Themen eingegrenzt sein. Dafür müssen mit den Hochschulen Modelle und Kriterien erst noch entwickelt werden. Dabei sollen die Erfahrungen der Universitäten berücksichtigt werden.

Ministerin Bauer: "Die besondere Stärke Baden-Württembergs ist unsere differenzierte Hochschullandschaft und die Vielfalt an Hochschularten mit ihren spezifischen Profilen." Eine wichtige Rolle spielen die Hochschulen für angewandte Wissenschaften mit ihrem Schwerpunkt auf Lehre und Anwendungsbezug. "Die Differenz zu den Universitäten, die durch ihr allgemeines Promotionsrecht für die Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs zuständig sind, soll nicht eingeebnet werden", sagt Ministerin Bauer.

Hintergrund

Die Neuregelungen zur Promotion sind Teil des Entwurfs für ein neues Landeshochschulgesetz. Ziel des Gesetzes ist, die Verantwortlichkeiten der Hochschulgremien und die Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu stärken. Er gewährt Freiräume und stellt Transparenz, Chancengleichheit und die Beteiligung der Hochschulmitglieder sicher. Das Gesetz geht nach Beendigung der öffentlichen Anhörung (17. Oktober bis 28. November) im Februar ins parlamentarische Verfahren. Das neue Landeshochschulgesetz soll im zweiten Quartal 2014 in Kraft treten.

Die Maßnahmen zur Promotion umfassen:

  1. Qualitätssicherung in Promotionsverfahren:

Ziel des Gesetzes ist es, die hohe Qualität der Promotionen zu bewahren und weiter zu fördern. Deshalb beinhaltet es Maßnahmen, die auf den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe des Wissenschaftsministeriums und der Landesrektorenkonferenzen zur Qualitätssicherung in Promotionsverfahren beruhen. Ziel ist es, die Verbindlichkeit bei der Betreuung von Promotionen zu erhöhen, klare Kriterien der Qualitätssicherung einzuführen und den Doktorandinnen und Doktoranden eine stärkere Stimme an den Hochschulen zu geben.

Dazu sieht das Gesetz die verbindliche Einführung von Betreuungsvereinbarungen zwischen den Doktorandinnen und Doktoranden und ihren betreuenden Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern vor. Für Konfliktfälle wird an den Hochschulen eine Ombudsperson eingesetzt. Konvente, denen die Doktorandinnen und Doktoranden der Hochschule angehören, beraten künftig die Organe der Hochschule in Fragen, die diese Gruppe betreffen; zu Entwürfen von Promotionsordnungen muss ihre Stellungnahme eingeholt werden.

2. Zusammenarbeit von Universitäten und HAWen bei der Promotion

Um die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit von Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei Promotionen zu verbessern, sieht das Landeshochschulgesetz vor:

  1. In gemeinsamen Promotionskollegs erhalten Professoren der HAWen die gleichen Rechte wie ihre Kollegen von den Universitäten.

  2. Das Kooptationsrecht wird dahingehend erweitert, dass auch hochschul- und hochschulartenübergreifende Kooptationen möglich sind (vorher nur innerhalb der Universitäten möglich). So können in Zukunft Professoren von HAWen kooptiertes Mitglied von Universitätsfakultäten werden und so das Promotionsrecht erlangen.

  3. Experimentierklausel

Durch eine Experimentierklausel im Landeshochschulgesetz soll das Wissenschaftsministerium künftig einem Zusammenschluss von Hochschulen für angewandte Wissenschaften, dessen Zweck die Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Weiterentwicklung der angewandten Wissenschaften ist, nach evaluations- und qualitätsgeleiteten Kriterien das Promotionsrecht befristet und thematisch begrenzt verleihen können. Das Nähere regelt das Wissenschaftsministerium durch Rechtsverordnung, die des Einvernehmens des Wissenschaftsausschusses des Landtags bedarf.


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