Empfehlungen

Reform der Promotionspraxis

Die institutionelle Verantwortung für die Promotion an den Universitäten muss gestärkt werden, empfiehlt die heute gemeinsam von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften veröffentlichte Stellungnahme.

24.07.2017 Bundesweit Pressemeldung Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e.V., Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
  • © www.pixabay.de

Sie analysiert die gegenwärtige Situation im internationalen Vergleich und zeigt Wege zu einer Verbesserung der Promotionspraxis auf.

Die Promotion spielt für die Wissenschaft eine zentrale Rolle. Sie ist nach wie vor Voraussetzung für die akademische Laufbahn des wissenschaftlichen Nachwuchses, bleibt aber auch bei der Entdeckung von Neuem und der steten Überprüfung überlieferter Wahrheiten ein unverzichtbares Element.

Das Verständnis darüber, was eine Promotion ist, und die Verfahren, wie der wissenschaftliche Doktorgrad erlangt werden kann, befinden sich im Wandel. Das zeigen die jüngsten hochschulpolitischen Entwicklungen und Diskussionen in Deutschland, so etwa zur Frage des Promotionsrechts für Hochschulen für Angewandte Wissenschaften oder außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sowie zur Neuausrichtung wissenschaftlicher Promotionen in der Medizin. Auch Überlegungen zu EU-weiten Standardisierungen im Rahmen des Bologna-Prozesses sind hier zu nennen. Weiterhin steht die Frage nach ethischen und wissenschaftlichen Standards und deren Überprüfung - insbesondere seit der Debatte um Plagiate - im Zentrum.

In ihrer Stellungnahme "Promotion im Umbruch" bieten die Expertinnen und Experten der Akademien-Arbeitsgruppe eine fundierte Analyse der gegenwärtigen Situation im internationalen Vergleich, benennen Defizite und unterbreiten Reformvorschläge an wissenschaftliche und politische Akteure. So empfehlen sie zur Verbesserung der Qualitätssicherung u. a., die Standards und Zulassungsbedingungen für eine Promotion fachübergreifend anzugleichen, die Notenvergabe differenzierter und transparenter zu gestalten sowie das Prinzip der Doppelbetreuung durch zwei Hochschullehrer aus verschiedenen akademischen Einrichtungen zu stärken. Durch dieses Prinzip erhielten kooperative Promotionen den Status von Normalfällen. "Wenn sich beispielsweise ein wissenschaftliches Projekt an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung dadurch auszeichnet, dass es von disziplinär einschlägigen Kolleginnen oder Kollegen an einer Universität mitbetreut werden kann, ist eine Qualitätssicherung der Promotion von vornherein eingebaut", erklärt der Sprecher der Arbeitsgruppe, Prof. Pirmin Stekeler-Weithofer (Universität Leipzig). Eigens abzuschließende Kooperationsverträge und andere bürokratische Verfahren wären dann nicht nötig.

In der Stellungnahme geht die Arbeitsgruppe auch auf die historischen Besonderheiten einzelner Fächer ein. Für das Fach Medizin wird beispielsweise empfohlen, zwischen einem forschungsbasierten Doktorat (Dr. med.) und einem berufsbezogenen Abschluss mit ggf. neu zu bestimmenden Titel und abgesenkter Wertigkeit zu unterscheiden. Die Einführung neuer Berufsdoktorate (professional degrees) wird hingegen in der Stellungnahme nicht befürwortet.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden