Statement von Bundesforschungsministerin Annette Schavan zum deutsch-indischen LOHAFEX-Experiment im Südatlantik

"Nach Auswertung der mir vorliegenden Gutachten bin ich davon überzeugt, dass es keine naturwissenschaftlichen und rechtlichen Bedenken gegen das deutsch-indische Meeresforschungsexperiment LOHAFEX gibt. Deshalb habe ich mich entschieden, dem Vorschlag des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) zu folgen, das Experiment zu beginnen. Das AWI führt zusammen mit seinen internationalen Partnern das Experiment in eigener Verantwortung durch.

26.01.2009 Pressemeldung Bundesministerium für Bildung und Forschung

Dabei habe ich mich auf die Bewertungen international anerkannter Institutionen und herausragender Wissenschaftler gestützt, die zu den ökologischen Auswirkungen und dem Verhältnis des Experiments zu den einschlägigen Konventionen Stellung genommen haben. Die Gutachten stellen fest, dass das Vorhaben auf Hoher See im Südatlantik unter Umweltgesichtspunkten unbedenklich ist und im Einklang mit den völkerrechtlichen Vorgaben steht. Maßgeblich sei das Internationale Seerecht, das in Artikel 87 in Verbindung mit Artikel 257 des UN-Seerechtsübereinkommens die Forschungsfreiheit auf Hoher See garantiert und zu Forschung und Entwicklung auch zum Schutz der marinen Umwelt aufruft.

Ferner hat mir das AWI nochmals versichert, dass von dem Experiment keine Gefährdung für die Meeresumwelt ausgeht. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass wir, entsprechend den Ergebnissen der Konferenz zur Biodiversität (CBD) im Mai 2008 in Bonn, mit diesem Vorhaben einen aktiven Beitrag zur Ächtung einer kommerziellen Eisendüngung der Ozeane leisten können.

Das Vorhaben wurde bereits 2007, weit vor den CBD-Beschlüssen, im Beisein von Bundeskanzlerin Merkel und dem indischen Premierminister Singh mit Partnern aus Indien beschlossen und anschließend vertraglich vereinbart. Die Vertragstreue Deutschlands darf nicht ohne Not zur Disposition stehen. Gleiches gilt für die Reputation der handelnden Personen und Wissenschaftsorganisationen. Der Forschungsstandort Deutschland lebt von Exzellenz, Vertrauen und Kooperationsbereitschaft.

Das Experiment dient der Grundlagenforschung zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen der Atmosphäre und dem Ozean im globalen Kohlenstoffkreislauf. Es wird ein natürlicher Prozess simuliert. Das zum Einsatz kommende Eisensulfat ist auf die kleinstmögliche Menge beschränkt. Damit alle Interessierten das Experiment verfolgen können, hat das AWI mir zugesichert, direkt von Bord der Polarstern alle Daten offenzulegen. Befürchtungen über einen Einstieg in ein Geo-Engineering sind unberechtigt.

Die Gutachten haben bestätigt, dass die in dem CBD-Beschluss angeführte Kleinräumigkeit des Versuchsgebietes gegeben ist. Es liege mit rund 20 Kilometer Durchmesser deutlich unter den Empfehlungen der Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO für Eisendüngungsexperimente. Auch die weitere Beschränkung des Experimentes auf "coastal waters" sei im Untersuchungsgebiet erfüllt, denn es weise Planktonarten aus Küstengewässern auf. Gutachterlich wurde auch die Umweltverträglichkeit bestätigt. Damit ist das Experiment mit den CBD-Beschlüssen und der London Konvention vereinbar und die Glaubwürdigkeit der Biodiversitätspolitik der Bundesregierung nicht in Frage gestellt.

Mir ist bewusst, dass einige Nichtregierungsorganisationen und in Folge das Bundesumweltministerium (BMU) dieses anders sehen. Für mich waren jedoch die Beurteilungen der Gutachter entscheidend. Einig sehe ich mich dagegen mit dem Bundesumweltminister in folgenden Grundsätzen: Kommerzielle Eisendüngung der Ozeane ist kein Beitrag zum vorsorgenden Klimaschutz. Wissenschaftliche Experimente müssen vereinbar sein mit internationalen Konventionen zum Schutz der Artenvielfalt. Diese sind so zu bemessen, dass keine Schäden für die marinen Ökosysteme entstehen.

Wie auch andere bedauere ich es, dass es zu einem Konflikt zwischen engagierten Klimaschützern aus der Wissenschaft und ebenso engagierten Umweltschützern gekommen ist. Deshalb ist die Wissenschaft gut beraten, bei potenziell konfliktträchtigen Forschungsthemen frühzeitig und proaktiv mit größtmöglicher Transparenz auf Kritiker zuzugehen. Ziel muss es sein, dass Forschungsarbeiten zum Klimaschutz als Basis für konkretes politisches Handeln größtmögliche Akzeptanz finden."

Gutachten BAS zu LOHAFEX

Gutachten IFM GEOMAR zu LOHAFEX

Gutachten Universität Heidelberg zu LOHAFEX

Gutachten Universität Kiel zu LOHAFEX


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