Stiftungsprofessur für "In-vitro Methoden zum Tierversuchsersatz" an der Universität Konstanz eingerichtet

"Wir Menschen sind verantwortlich für den Schutz des Lebens und Wohlbefindens der Tiere als Mitgeschöpfe. Daher hat es sich die Landesregierung zum Ziel gesetzt, die Forschung an Alternativmethoden zu Tierversuchen weiterzuentwickeln. Die Einrichtung der Stiftungsprofessur für ´In-vitro Methoden zum Tierversuchsersatz´ an der Universität Konstanz ist dafür ein entscheidender Schritt". Dies erklärte Wissenschaftsminister Professor Dr. Peter Frankenberg am 3. August in Stuttgart.

03.08.2006 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Inhaber der Professur, die von der Doerenkamp-Zbinden-Stiftung aus der Schweiz finanziert wird, ist Prof. Dr. Marcel Leist. Die Stiftung stellt der Universität Konstanz für die Finanzierung des Stiftungslehrstuhls über 10 Jahre hinweg insgesamt 3 Millionen Euro zur Verfügung, anschließend wird der Stiftungslehrstuhl in die Universität integriert. Das Land unterstützt die Ausstattung des Lehrstuhls mit Mitteln in Höhe von ca. 665.000 Euro aus dem Sonderförderprogramm "Qualitätsoffensive Baden-Württemberg".

Auch der Rektor der Universität Konstanz, Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhart v. Graevenitz, dankte der Schweiz und insbesondere dem Kanton Thurgau und der Doerenkamp-Zbinden-Stiftung nochmals für die Unterstützung und auch langjährige Verbundenheit zur Universität Konstanz: "Bereits seit vielen Jahren arbeiten Konstanzer Wissenschaftler sehr erfolgreich auf dem Forschungsgebiet Alternativen zum Tierversuch. Mit der Schweizer Unterstützung eröffnen sich hier wieder neue Perspektiven", erklärte der Rektor.

Als international ausgewiesene Forscherpersönlichkeit auf den Gebieten Pharmakologie und Toxikologie hat Professor Leist eingehende Erfahrungen an Hochschule und in der Industrie gesammelt. Er befasst sich vor allem mit der Erforschung der Charakteristika spezialisierter Entzündungszellen im Gehirn. Ziel ist die Etablierung von "high throughput screening"-Methoden für Gehirnzellen, basierend auf optischen Methoden und automatisierter Bildverarbeitung (sog. "high content screening").

Mit der Entwicklung einfacher zellulärer Testsysteme sollen Tierversuche weitgehend ersetzt werden. Verbunden mit diesen Forschungsaktivitäten ist die weitergehende Hoffnung auf innovative Neuroprotektionsstrategien im Kampf gegen neurodegenerative Krankheiten (Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose und Schlaganfall).

"Bei diesen Alternativmethoden zum Tierversuch handelt es sich um auch wirtschaftlich interessante High-End-Technologien an der Schnittstelle zwischen Informatik, Biologie und Medizin ," betonte der Minister. "Mit der Berufung von Professor Leist auf den Stiftungslehrstuhl ´In-vitro Methoden zum Tierversuchsersatz´ kann die Universität Konstanz auf vorhandenes ausgewiesenes Know how aufbauen. In Gesellschaft, Administration und Industrie gibt es einen wachsenden Bedarf an Forschungskompetenz in diesem Bereich."

Der neue Lehrstuhl ist Kernstück eines biomedizinischen Zentrums der Universität, an dem tierversuchsfreie Methoden zur Risikoabschätzung von Chemikalien, Arzneistoffen und Kosmetika entwickelt werden. Er wird eine Leitfunktion übernehmen, um die von der Europäischen Kommission verabschiedete sogenannte 3-R-Strategie an den Hochschulen für die industrielle Anwendung zu entwickeln: Gemäß der Maxime "refinement, reduction, replacement" soll die Zahl der Tierversuche in den nächsten Jahren drastisch reduziert werden.

Die Forschung zur Entwicklung und Anwendung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch wird vom Land seit vielen Jahren nachhaltig gefördert. Aktuell hat die Landesregierung am 1. August 2006 die Neuauflage des Förderprogramms ´Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch´ mit einem Gesamtvolumen von insgesamt 0,9 Mio. Euro und die Einrichtung eines jährlichen Forschungspreises "Ersatz- und Ergänzungsmethoden zum Tierversuch" in Höhe von 25.000 Euro beschlossen.


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