Studienverläufe

Studie „Studienerfolg und -misserfolg im Lehramtsstudium“ veröffentlicht

An den Universitäten Greifswald und Rostock bleibt die Zahl der Lehramtsstudierenden, die in der Regelstudienzeit das Studium absolvieren, in vielen Lehrämtern und Fächern deutlich hinter den veranschlagten Erwartungen zurück.

18.10.2018 Mecklenburg-Vorpommern Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern
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Das geht aus der Studie „Studienerfolg und -misserfolg im Lehramtsstudium“ hervor, die unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Falk Radisch von der Universität Rostock durchgeführt wurde. Deutlich wird auch, dass sehr viel mehr Studierende als ursprünglich angenommen das System „Lehramtsausbildung“ in Greifswald bzw. Rostock verlassen, um die Hochschule oder das Studienfach zu wechseln.

„Unsere Schulen in Mecklenburg-Vorpommern haben einen Bedarf an gut ausgebildeten Lehrkräften“, sagte Bildungs- und Wissenschaftsministerin Birgit Hesse. „Deswegen bilden unsere Universitäten auch Lehrerinnen und Lehrer aus. Mit der Studie liegt erstmals eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung vor, wie die Studienverläufe von Lehramtsstudierenden wirklich sind. Die Ergebnisse sind bedauerlicherweise wenig zufriedenstellend. Sie zeigen uns aber, wo wir stehen und wo wir ansetzen müssen. In der Lehrerbildung an unseren Universitäten muss sich dringend etwas ändern“, betonte Hesse.

Folgende Tabelle liefert einen Überblick über den Anteil der Studierenden in den einzelnen allgemein bildenden Lehramtsstudiengängen, die die Universitäten Greifswald und Rostock vorzeitig verlassen oder den Studiengang wechseln.

Schwundquoten der ersten Kohorte nach dem 3. und 10. Fachsemester

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Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die erste Kohorte des modularisierten Lehramtsstudiums. Die bislang unvollständigen Folgekohorten weisen zwar vergleichbare Tendenzen auf, die verfügbaren Daten reichen jedoch für eine abschließende Beurteilung der Studienverläufe nicht aus.

Um mögliche Gründe für den festgestellten Schwund zu erfassen, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die Ergebnisse einer gezielten Befragung von Studierenden herangezogen, die zwischen dem Sommersemester 2017 und dem Sommersemester 2018 ein Lehramtsstudium abgebrochen oder das Studienfach bzw. die Universität gewechselt haben. Als Gründe wurden der mangelnde oder unklare Berufsfeldbezug genannt, ein „Miss-Matching“ zwischen den Erwartungen an das Studienfach und der Studienrealität bzw. den Leistungsanforderungen, die Stofffülle und die hohe Anzahl der Prüfungsleistungen und die Studienorganisation.

„Die Gründe für den Schwund sind vielfältig und unterschiedlich für die einzelnen Fächer und Lehrämter. Sowohl die Studie als auch Erfahrungen aus anderen Ländern und Universitäten zeigen, dass es nicht genügen wird, die Zahl der Studienplätze und die Immatrikulationszahlen pauschal zu erhöhen. Größeres Potenzial steckt in solchen Veränderungen, die dafür sorgen, dass mehr geeignete Lehramtsstudierende ein Studium aufnehmen und dann auch einen Abschluss erreichen. Sicherlich muss die Qualität des Lehramtsstudiums auf verschiedenen Ebenen verbessert werden“, erläuterte Prof. Dr. Falk Radisch.  

„Die Lehrerbildung ist ein wichtiger Bereich an unseren Hochschulen“, sagte Bildungs- und Wissenschaftsministerin Birgit Hesse. „Mit den Rektoren der beiden Universitäten habe ich verabredet, dass wir eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die auslotet, wie wir das Lehramtsstudium verbessern können. „Die Arbeitsgruppe soll aus Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums, den beiden Prorektoren für Studium und Lehre, Vertreterinnen und Vertretern des Zentrums für Lehrerbildung, der Studierenden sowie Schulleiterinnen und Schulleitern bestehen. Wir wollen gemeinsam überlegen, was wir im jetzigen System unter den jetzigen Bedingungen und mit den vorhandenen Ressourcen verändern können. Letztlich geht es darum, das Landesinteresse zu erfüllen. Wir wollen sicherstellen, dass mehr Lehramtsstudierende ihr Studium mit Erfolg abschließen und auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, damit wir den Unterricht an unseren Schulen auch in Zukunft absichern können“, so Hesse.

Zusammengefasst sollten die Maßnahmen folgende Ziele verfolgen:

  • Verbesserungen in der Eignungsabklärung
  • Verbesserte Betreuung in der Studieneingangsphase
  • Verbesserungen im curricularen Aufbau und Ablauf des Studiums sowie Anpassung und Optimierung von Inhalten sowie der inhaltlichen Vernetzung
  • Verstärkung des Berufsfeldbezugs/der Praxisnähe
  • Verbesserungen der organisatorischen Studienabläufe
  • Steigerung der Wertschätzung des Lehramtsstudiums

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2 Kommentare

  • Hans Joss 18.10.2018 18:57 Uhr
    "Verstärkung des Berufsfeldbezugs/der Praxisnähe": Ist sicher sinnvoll. Aber: grosse Schulklassen, ungenügende personelle und finanzielle Ressourcen können Studierende auch davon abhalten, den Lehrberuf zu ergreifen. Nur eine ganzheitliche Betrachtung des Systems (Verbindung Schulalltag und universitäre Ausbildung) kann den Lehrberuf attraktiv machen. Beispiel: Finnland.
    • Uwe Stoffers 19.10.2018 12:38 Uhr
      Sie haben offenkundig die an diesen beiden Hochschulen offengelegte Problematik nicht verstanden! Es gibt nicht zu wenig Student/innen, sondern die Quote derjenigen, die einen Lehramtsstudiengang ohne Abschluss vorzeitig verlassen, ist verglichen mit anderen Universitäten deutlich höher. Zudem benötigen die Studierenden dieser beiden Hochschulen länger bis zum erfolgreichen Abschluss. Das indiziert ziemlich deutlich eine unbefriedigende Qualität der Studienbedingungen. Ob die persönliche Eignung der Student/innen eine Rolle spielt, müsste durch genaue repräsentative Analysen der Bildungsbiographien der Studierenden festgestellt werden. Es ist aber eher unwahrscheinlich, da Universitäten in der Regel hinsichtlich der Herkunft ihrer Studierenden keinen starken regionalen Bezug haben. Primär liegen die Ursachen der Problematik wohl eher auf Seiten der Lehrqualität: Seit 40 Jahren wird immer wieder die Institutionalisierung einer methodisch/ didaktisch professionellen Hochschullehrerausbildung gefordert. Dann wäre z.B. die Anpassung der Lehre an die für die Studierenden zu erwartende Berufsrealität in höherem Maß gewährleistet. Auch die individuelle Eignung von Hochschullehrern für die Lehre müsste wohl im Kontext auf den Prüfstand gestellt werden. Professoren, die glauben ihren Status durch möglichst hohe Durchfallquoten aufbessern zu können, gibt es leider an etlichen Hochschulen immer noch! Zu überlegen wäre wohl auch, ob man an Lehrerausbildungsinstituten die Eignung von Hochschullehrern an eine eigene erfolgreiche Lehrertätigkeit knüpfen sollte.
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