Universität Tübingen begeht 100. Geburtstag von Theodor Eschenburg

"Theodor Eschenburg war für unser Land eine öffentliche Autorität, gewachsen aus einem Lebenswerk, für das man im Nachkriegsdeutschland wenig Vergleichbares findet." Mit diesen Worten würdigte Wissenschaftsminister Prof. Peter Frankenberg den 1999 verstorbenen Historiker und Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg anlässlich der Feier seines 100. Geburtstags an der Universität Tübingen am 29.Oktober. Theodor Eschenburg (1904 - 1999) wurde 1952 auf den ersten Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Universität Tübingen berufen. Durch seine publizistische Tätigkeit, vor allem mit regelmäßigen Beiträgen in der Wochenzeitung "Die Zeit", wirkte er weit über die Universität hinaus.

29.10.2004 Baden-Württemberg Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

Minister Frankenberg vertrat bei der Feierstunde Ministerpräsident Erwin Teufel, der zur selben Zeit bei der Vertragsunterzeichnung der EU-Verfassung in Rom zugegen sein musste. Frankenberg erinnerte an Eschenburg als Mitbegründer des Landes Baden-Württemberg und insbesondere an seine Mitwirkung an der Ausarbeitung der Landesverfassung sowie an Artikel 118 des Grundgesetzes, der die Gründung des gemeinsamen Staatswesens der Badener und Württemberger ermöglichte. "Eschenburg hat in der Gründungsphase des Südweststaates unverkennbare Zeichen gesetzt", betonte der Minister.

Eschenburg hatte von 1961 bis 1963 das Amt des Rektors der Universität Tübingen inne. Angesichts der "Bildungsexpansion" in den Sechzigerjahren habe sich Eschenburg für eine professionelle Selbstverwaltung der Universitäten eingesetzt, führte Frankenberg aus. Er sei ein Befürworter der Präsidialverfassung gewesen, wie sie in Tübingen in den Siebzigerjahren eingeführt wurde. Auch habe er maßgeblich zum Aufbau der neuen Hochschuldisziplin wissenschaftliche Politik beigetragen und sich als Hochschullehrer durch ausgesprochen lebendige und praxisbezogene Lehrveranstaltungen ausgezeichnet.

Der Politikwissenschaftler und Staatsrechtler Eschenburg habe sich vor allem vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in der Weimarer Republik mit der Demokratie als Staatsform auseinandergesetzt. Demokratie könne nur gelingen, wenn ihre Institutionen sich dem Gemeinwohl verpflichten, erläuterte der Minister. Sie dürfe weder zur Beute von Parteien und persönlichen Machtinteressen noch durch bürokratischen Geist von innen ausgehöhlt werden. "Eschenburg war ein großer Lehrmeister der demokratischen Institutionen und der demokratischen Kultur" (Frankenberg).

"Theodor Eschenburgs bis heute nachwirkende Autorität gründet auf seinen Kenntnisreichtum, seinen interdisziplinären Ansatz und auch auf seinen didaktischen Fähigkeiten", erklärte Frankenberg. Als entscheidend bezeichnete er dabei, dass Eschenburgs Politik- und Demokratieverständnis in Erfahrung begründet sei. Eschenburg sei daher stets für eine enge Verbindung der Disziplinen Politikwissenschaft und Geschichte eingetreten. Geschichtliches Wissen betrachtete er als unabdingbare Voraussetzung für politisches Handeln.


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