Gastkommentar

Unwucht der Finanzierung

Neidvoll blicken die Hochschulen auf den Pakt für Forschung und Innovation, der außeruniversitären Forschungseinrichtungen finanzielle Sicherheit bietet. Umso mehr ist nun die in der Koalitionsvereinbarung formulierte Bereitschaft, den Bund in die Finanzierung der Hochschulen einzubeziehen, zu begrüßen, meint Horst Hippler im duz-Gastkommentar.

12.03.2018 Bundesweit Artikel Deutsche Universitätszeitung (duz)
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Die Finanzierungsstruktur der Hochschulen hat sich ungut verschoben. Der Anteil von Grundmitteln für Daueraufgaben sinkt in den Hochschulhaushalten gegenüber befristeten, zweckgebundenen Programmmitteln. Auch der Hochschulpakt als Antwort auf die gestiegene Nachfrage nach Studienplätzen steht für diesen Effekt: Die Daueraufgabe Lehre muss heute zu einem guten Teil aus zeitlich limitierten finanziellen Mitteln bewältigt werden. Immer mehr befristete Arbeitsverhältnisse und fehlende Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind die Folgen. Der Kontrast zur Situation der außeruniversitären Forschung ist augenfällig: Auch für sie gibt es einen Pakt. Aber der Pakt für Forschung und Innovation hat in den vergangenen zehn Jahren die Grundmittel in den Haushalten kontinuierlich ansteigen lassen – um drei, vorübergehend sogar fünf Prozent. Selbst wenn dieser Pakt ausliefe, bliebe den Forschungseinrichtungen das erreichte, deutlich erhöhte Haushaltsniveau.

Prof. Dr. Horst Hippler ist Präsident der Hochschulrektorenkonferenz.

Die Hochschulen ziehen immer häufiger den Kürzeren

Die Hochschulen dagegen verlören mit dem Ende des Hochschulpakts im Einzelfall bis zu einem Viertel ihrer Budgets. Sie profitieren ohne Zweifel von der Leistungsfähigkeit außeruniversitärer Forschungseinrichtungen – in der Zusammenarbeit und im Wettbewerb. Ebenso zweifelsfrei aber schränkt beider unterschiedliche Finanzierungsstruktur die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen immer mehr ein. Wenn es um die besten Köpfe geht, ziehen die Hochschulen immer häufiger den Kürzeren. Die außeruniversitäre Forschung kann die besseren Konditionen bieten.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag aus der aktuellen Ausgabe der Deutschen Universitätszeitung (duz).

Das bringt unser gesamtes Wissenschaftssystem aus der Balance. Deshalb muss die Finanzierung der Hochschulen wieder an deren Funktion als Organisationszentren des Wissenschaftssystems ausgerichtet werden – auch zum Vorteil der Außeruniversitären. Die Einheit von Forschung und Lehre, die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Vielfalt der Fächer, die interdisziplinäre Zusammenarbeit – dafür stehen die Hochschulen, das steht auf dem Spiel.

Die Unwucht in der Finanzierungspraxis hat ihre Ursache wesentlich in der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern. Im Bereich der außeruniversitären Forschung treibt der Bund mit seinen Finanzierungsanteilen von fünfzig und neunzig Prozent die Entwicklung voran. Die Länder als Träger der Hochschulen jedoch sind mit deren verlässlicher Finanzierung oft bis an ihre Grenzen gefordert.

Nach der Änderung des Artikels 91b Grundgesetz, die Bund und Ländern eine erweiterte Kooperation im Wissenschaftsbereich ermöglicht, könnte der Bund das System wieder besser ausbalancieren und uns den beiden zentralen Zielen näherbringen: einem gesünderen Verhältnis von Grund- und Drittmittelfinanzierung und der Verringerung der Schere zwischen der Finanzentwicklung von Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen. Der Entwurf der Vereinbarung für eine neue große Koalition im Bund lässt nun in der Tat hoffen, dass der Bund bereit ist, sich künftig systematisch an der Hochschulfinanzierung zu beteiligen.

Bund und Länder müssen sich auf dieser Basis zügig über die kommende Finanzierungsstruktur in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz verständigen. Konkret heißt das, die Mittel des Hochschulpakts einschließlich des Bundesanteils angesichts der stabil hohen Studienanfängerzahlen zu verstetigen und den Hochschulen auf Dauer zur Verfügung zu stellen. Dann wäre hier ein wichtiger Schritt getan.

Erforderlich sind zudem verlässliche Mittel für Bau und Sanierung, für die Digitalisierung, für große Forschungsinfrastrukturen und für die Internationalisierung der Hochschulen. Wie die außeruniversitäre Forschung brauchen die Hochschulen ein Modell, das sie in der Wahrnehmung ihrer Aufgaben bei stetiger Qualitätsentwicklung langfristig stärkt. Die nötige Stabilität könnte ein garantierter jährlicher Aufwuchs insbesondere bei den unbefristeten Finanzmitteln schaffen, der dem Hochschulsystem die entsprechend Dynamik und Wettbewerbsfähigkeit sichert.

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