Weiterentwicklung der Hochschullehre: Politik und Hochschulen sind gefordert

Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat am Dienstag (22. April) in Jena eine Agenda verabschiedet, wie die Leistungsfähigkeit der Hochschulen in der Lehre gestärkt werden kann. "Gute" Lehre heißt, das eigenständige Lernen der Studierenden zu ermöglichen und zu unterstützen; sie ist studierendenzentriert. Die Agenda soll als Grundlage für eine intensive Diskussion in den Hochschulen dienen und von den Akkreditierungsagenturen bei ihren Entscheidungen herangezogen werden. Sie enthält gleichzeitig Forderungen insbesondere an die Länder, die rechtlichen und finanziellen Grundlagen für eine qualitätvolle Lehre zu sichern oder herzustellen.

23.04.2008 Pressemeldung Hochschulrektorenkonferenz

Die Mitgliederversammlung hält einen Perspektivenwechsel in der Lehre von der reinen Präsentation akademischen Wissens zur Förderung individueller Lernprozesse der Studierenden für erforderlich. "Es genügt nicht, Studierenden Wissen zu vermitteln; sie müssen die Chance erhalten, sich Kompetenzen aktiv anzueignen", sagte dazu HRK-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel anlässlich einer Pressekonferenz heute in Berlin. "Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir noch eine Reihe von Verbesserungen."

In der Mitgliederversammlung herrschte Einigkeit, dass dabei sowohl der Politik als auch den Lehrenden und Lernenden eine große Verantwortung zukommt.

Wintermantel erläuterte: "Die Qualität der Lehre muss als strategisches Ziel der Hochschulen verstanden und behandelt werden. Dabei sind die Studiengänge die entscheidende Ebene, auf der dieses Ziel umgesetzt werden kann und muss. Nicht nur die Hochschulen, sondern auch die Studierenden müssen ihr Selbstverständnis überprüfen; sie dürfen sich nicht als Konsumenten, sondern als Akteure verstehen, die für die Qualität des Studiums, ja der einzelnen Lehrveranstaltung Verantwortung tragen. Die Hochschulen müssen sie dabei nach Kräften unterstützen. Die Politik schließlich kann nicht aus der Pflicht entlassen werden, die Rahmenbedingungen zu sichern, die eine gute Lehre ermöglichen.

Individuelle Lernprozesse werden nur in intensiver Interaktion zwischen Lehrenden und Studierenden gefördert. Die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge folgen dieser Leitidee studierendenzentrierter Lehre. Ihre Einführung ist deshalb eine große Chance, eine neue Qualität im Studium zu schaffen. Sie kann nur genutzt werden, wenn die staatliche Finanzierung dem zusätzlichen Bedarf an Lehrpersonal Rechnung trägt. Der Wissenschaftsrat geht in einer konservativen Rechnung von einem notwendigen Aufwuchs von 15 Prozent aus. Wenn wir über einen Hochschulpakt 11 sprechen, dann muss er sowohl die aufsteigenden Studierendenzahlen, als auch diese Investition in Qualität finanzieren. Für einen solchen, echten "Pakt für die Lehre" werden bis 2020 durchschnittlich 2,6 Milliarden Euro zusätzliche Mittel erforderlich sein. Allein bis 2014 werden wir insgesamt 12,7 Milliarden Euro zusätzlich investieren müssen.

Wir stehen in der Mitte der Bologna-Reform. Jetzt müssen wir am Ball bleiben. Dazu gehört es dass wir auf eine angemessene Finanzierung bestehen. Die Hochschulen spannen gleichzeitig alle Kräfte an, um die Reform mit ihren richtigen Konzepten für eine bessere Lehre zu einem guten Ergebnis zu führen. Damit ein finanzieller Aufwuchs auch wirklich zu einer besseren Betreuung der Studierenden führen kann, muss das Kapazitätsrecht grundlegend reformiert werden. Die HRK fordert, dass es den Hochschulen möglich gemacht wird, die Betreuungsintensität über das staatlich vorgegebene Maß hinaus zu steigern. Sie müssen neben Mitteln für mehr Studienplätze auch zusätzliche Mittel für mehr Qualität investieren können ohne den Zwang, mehr Studierende aufzunehmen. Auch hier werden sich die Länder über Sonderprogramme engagieren müssen. Daneben muss eine Reform Freiheit für innovative Lehrformen schaffen. Starre Vorgaben zu Gruppengrößen, Vor- und Nachbereitungszeiten und Ähnliches verhindern das bisher.

Das eigenverantwortliche Lernen der Studierenden muss ergänzend zur eigentlichen Lehre durch Beratungs- und Service-Angebote zum Studium, zu Arbeitstechniken und zur beruflicher Orientierung unterstützt werden. Orientierende Studienberatung, Selbsttests und Auswahlverfahren müssen Studierenden helfen, Studiengänge zu finden, die ihren Eignungen und Neigungen entsprechen. Sie nutzen und ergänzen ein zentrales Bewerbungsmanagement durch eine Servicestelle.
(Entschließung in der Anlage rechte Spalte oben)


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