SVR-Studie

Wie schrumpfende Hochschulstandorte internationale Studierende gewinnen

Wenn Hochschulen mehr internationale Studierende gewinnen, kann das in schrumpfenden Regionen dazu beitragen, niedrige Kinderzahlen und Abwanderung auszugleichen. Um internationale Studierende anzuziehen und im Studium zu unterstützen, sollte der Hochschulzugang flexibler gestaltet und die Studieneingangsphase stärker strukturiert werden.

19.03.2019 Bundesweit Pressemeldung Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration
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Ein regionales Übergangsmanagement trägt dazu bei, dass die internationalen Studierenden nach dem Abschluss vor Ort Arbeit finden. Das sind die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie des Forschungsbereichs beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR).

Immer mehr Schülerinnen und Schüler nehmen nach dem Abitur ein Studium auf. Auch die Zahl der Studierenden aus dem Ausland nimmt zu. Diesen in den vergangenen Jahren starken und viel beachteten Entwicklungen zur Akademisierung zum einen und zur Internationalisierung zum anderen läuft jedoch mancherorts ein anderer Trend entgegen, der bislang in seinen Auswirkungen auf die Hochschullandschaft deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit findet: der demografische Wandel. An Hochschulstandorten, an denen nicht nur die Geburtenraten niedrig sind, sondern aus denen auch besonders viele junge Menschen wegziehen, geht die Zahl der einheimischen Studierenden spürbar zurück. Dies betrifft bereits 41 der bundesweit 263 Fachhochschul- und Universitätsstandorte. Die Fachkräfteengpässe, die in den betreffenden Regionen bereits bestehen, dürften sich also mittelfristig verschärfen.

Hochschulstandorte, die Studierende aus dem In- und Ausland durch attraktive Angebote anziehen und anschließend als Fachkräfte in der Region halten, reagieren heute bereits auf diesen Trend. Wie das gelingen kann, hat der SVR-Forschungsbereich in seiner Studie „Dem demografischen Wandel entgegen: Wie schrumpfende Hochschulstandorte internationale Studierende gewinnen und halten“ untersucht. Für die Analyse wurden Experteninterviews an betroffenen Standorten durchgeführt; diese wurden mit Ergebnissen aus zwei groß angelegten Befragungen kombiniert. Hierfür wurden zwischen 2014 und 2017 selbst erhobene Daten von 116 Hochschulen und 5.167 internationalen Studierenden erneut ausgewertet.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie zeigt: Gut jeder sechste Hochschulstandort hat heute elf Prozent weniger deutsche Studierende als noch 2012. Diese Standorte beheimaten neben zwölf größeren Universitäten insbesondere kleine und mittelgroße Fachhochschulen mit 1.000 bis 5.000 Studierenden. Knapp zwei Drittel der schrumpfenden Hochschulstandorte liegt in Ostdeutschland. Weit über die Hälfte (26 von 41) der schrumpfenden Standorte begegnen dem demografischen Wandel bereits, indem sie internationale Studieninteressierte in Sprachschulen, ausländischen Partnerschulen und -hochschulen oder im Internet gezielt ansprechen. Mit Erfolg: An diesen 26 Standorten ist zwar die Zahl einheimischer Studierender seit 2012 zurückgegangen, die Zahl der internationalen Studierenden ist jedoch um 42 Prozent gestiegen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Studierenden liegt gegenwärtig bei 12 Prozent.

© Statistisches Bundesamt, SVR-Forschungsbereich / Ellen Stockmar

„Diese Hochschulen haben eine Vorreiterrolle im deutschen Hochschulsystem, da der demografische Wandel mittelfristig auch weitere Regionen und Hochschulstandorte erreichen wird“, so Dr. Cornelia Schu, die Direktorin des SVR-Forschungsbereichs. „Sie haben zum Teil schon erfolgreiche Strategien im Umgang mit bestehenden Hürden beispielsweise beim Hochschulzugang und in der Startphase der Neuankömmlinge in Deutschland entwickelt. Um internationale Studierende zu gewinnen, im Studienverlauf zu unterstützen und nach erfolgreichem Studienabschluss zu halten, sollte der Hochschulzugang flexibler gestaltet und die Studieneingangsphase stärker strukturiert werden. Hilfsangebote sind oft zu kurzfristig und zu punktuell angelegt – und erreichen meist nur die, die von sich aus Unterstützung suchen.“

In Regionen, die stark von Abwanderung, niedrigen Geburtenraten und wirtschaftlichem Abschwung betroffen sind, hat es besonders schwere Folgen, wenn regionale Hochschulen schrumpfen und im Extremfall schließen. „Die Studie empfiehlt, ein regionales Übergangsmanagement einzurichten, das den Studierenden hilft, nach dem Studienabschluss vor Ort Arbeit zu finden. Standorte, die in diesen Feldern aktiv sind, sind Pioniere“, betont der Autor der Studie, Simon Morris-Lange. „Von ihnen können sich andere Hochschulstandorte viel abgucken, denen der Rückgang der Studierenden noch bevorsteht – auch im Westen der Republik. Bund und Länder könnten diese Aktivitäten durch gezielte Förderung unterstützen.“


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