Zöllner: Wir machen 2005 zum Jahr der Wissenschaften in Rheinland-Pfalz

Professor Dr. E. Jürgen Zöllner, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, möchte 2005 zum Jahr der Wissenschaften in Rheinland-Pfalz machen. "Die 125 Millionen Euro, die uns der Landtag für das Programm Wissen schafft Zukunft bereitgestellt hat, machen kräftige Investitionen in die Hochschulen und damit in die Zukunft unseres Landes möglich", sagte Zöllner bei einer Pressekonferenz in Mainz. Dabei stellte er die Eckpunkte des Programms vor, das in Zusammenarbeit mit Vertretern der Universitäten und Fachhochschulen konzipiert und ausgestaltet worden ist.

14.01.2005 Pressemeldung Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Rheinland-Pfalz (bis 11/06)

"Ich bin den Abgeordneten von SPD und FDP sehr dankbar, dass sie trotz schwieriger Rahmenbedingungen diesen finanziellen Kraftakt des Landes ermöglichen", sagte Zöllner. Angesichts der in Sonntagsreden immer wieder beschworenen Notwendigkeit, mehr Geld für die Belange der Bildung, Forschung und Wissenschaft auszugeben, sei dies ein bemerkenswertes und bundesweit herausragendes Signal. "Rheinland-Pfalz redet nicht nur, sondern handelt. Das unterscheidet uns von vielen anderen", so der Wissenschaftsminister.

Bildung, Wissenschaft und Forschung seien schon seit rund anderthalb Jahrzehnten vorrangige Handlungsfelder dieser Landesregierung. Von 1991 bis 2004 habe das Land die Ausgaben für seine Hochschulen um 59,4 Prozent erhöht - von rund 330 Millionen Euro auf 525,5 Millionen Euro. Im selben Zeitraum seien die bereinigten Gesamtausgaben des Landes nur um 31,2 Prozent gewachsen.

In diesem Jahr nun stiegen die Hochschulausgaben um 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. "Diese Zahlen belegen auf eindrucksvolle Weise, dass Rheinland-Pfalz klug und planvoll in die Zukunft investiert", kommentierte Zöllner.

Universitäten und Fachhochschulen haben nach seiner Überzeugung weit über ihren originären Forschungs- und Bildungsauftrag hinaus Bedeutung für die kulturelle, soziale und wirtschaftliche Gestalt der Gesellschaft. "Von der Kreativität der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hängt es in entscheidendem Maße ab, dass neue Produkte und Verfahren entwickelt und somit Arbeitsplätze gesichert beziehungsweise neue geschaffen werden", meinte der Minister. Investitionen in die Wissenschaften nutzten deshalb nicht nur den Universitäten und Fachhochschulen, sondern dem gesamten Land. Diesen Aspekt werde man im Rahmen des Programms wissenschaftlich belegen, kündigte der Minister an.

Gerade in Zeiten geringeren Wirtschaftswachstums seien solche Ausgaben zwingend erforderlich. Steigender globaler Wettbewerb um wissenschaftliche und wirtschaftliche Erfolge und um zukünftige Arbeitsplätze erforderten gut ausgebildete Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Die vielfältigen gesellschaftlichen und ökonomischen Problemstellungen der Gegenwart und Zukunft forderten die wissenschaftliche Kreativität in besonderem Maße heraus.

"Dem allem trägt unser Hochschulprogramm Rechnung", sagte Zöllner. Die rheinland-pfälzische Innovationsoffensive mit dem programmatischen Titel Wissen schafft Zukunft trage dazu bei, die investive, personelle und sachliche Ausstattung der Hochschulen deutlich zu verbessern. "Wir heben das Niveau der Grundausstattung spürbar an, stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Hochschulen, unterstützen sie in ihrer Profilbildung und fördern Spitzenleistungen in Forschung und Lehre", umriss der Minister die Intentionen des Programms.

Dies alles mache einen bewussten Einsatz der Ressourcen nötig. "Würden wir sie mit der Gießkanne verteilen, könnten wir keine nachhaltigen Wirkungen erzielen", beschrieb der Minister seine Überzeugung. Er sei froh, dass die Präsidenten der rheinland-pfälzischen Hochschulen diese Sichtweise teilten.

Die Hochschulen seien in diesen Prozess von Beginn an eingebunden. Gleich nach dem Eckpunktebeschluss des Ministerrats am 18. Mai 2004 habe er mit den Hochschulpräsidenten über die Zielrichtung des Programms gesprochen. Im Spätsommer hätten sie einer Programmkonzeption des Wissenschaftsministeriums uneingeschränkt zugestimmt. Nach dem endgültigen positiven Votum des Ministerrats am 14. September 2004 hätten sich dann Arbeitsgruppen, bestehend aus Vertretern der Hochschulen und des Ministeriums, mit der konkreten Ausgestaltung von Wissen schafft Zukunft befasst.

"Ich bin den Hochschulen dankbar für die intensive Auseinandersetzung mit dem Programm. Gemeinsam haben wir Ergebnisse erzielt, die in ihrer Summe den Wissenschafts- und Forschungsstandort Rheinland-Pfalz weiter voranbringen werden", ist sich Zöllner sicher. Mit der Umsetzung des Programms werde sofort begonnen. Dies geschehe im Wesentlichen auf der Grundlage der von den Hochschulen mit entwickelten Antragsverfahren.

Die Mittel aus dem Hochschulprogramm entfallen auf zwei große Förderblöcke: auf die Grundausstattung und auf die Profilbildung/Spitzenförderung. Im Zuge der Weiterentwicklung der Grundausstattung sind verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung der Ausstattung der Hochschulen vorgesehen. Dazu zählen unter anderem die Ausfinanzierung und Anhebung des Personalbudgets im Personalbemessungskonzept, eine deutliche Erhöhung des Zuschusses für das Universitäts-Klinikum in Mainz und die Anpassung des Personalbemessungskonzepts an den zu erwartenden erhöhten Bedarf. Für diesen Projektbereich (Hochschulcampus Rheinland-Pfalz) sind in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt rund 20,3 Millionen Euro vorgesehen.

5,7 Millionen Euro sollen in 2005 und 2006 in die gezielte Verbesserung des Lehrangebots fließen. Mit diesen Geldern wird die zügige Umstellung auf die Bachelor/Master-Studienabschlüsse, die Entwicklung und Vernetzung von multimediagestützten Lernangeboten und Maßnahmen innerhalb der Reform der Lehrerbildung gefördert.

Der dritte Grundausstattungsprojektbereich gilt der Schnittstelle zwischen Schule und Hochschule. 2,3 Millionen Euro stehen in diesem und im nächsten Jahr zur Verfügung, um unter anderem den Hochschulen bei der Durchführung von Angeboten für Hochbegabte, Frühstudierende, der beliebten Kinder-Uni, Schnupperkursen und Ferienkursen für Schülerinnen und Schüler zu helfen.

Zielsetzung des Förderblocks "Profilbildung und Spitzenförderung" ist es, die Qualität der Lehre, Nachwuchsförderung und Forschung weiter anzuheben sowie den Wissenstransfer auszubauen. Dazu führt das Land Wettbewerbselemente ein - gerade auch mit Blick auf die internationale Konkurrenzfähigkeit rheinland-pfälzischer Hochschulen.

Für die Profilbildung in der Lehre sind in 2005 und 2006 insgesamt rund 1,7 Millionen Euro reserviert etatisiert. Das Geld ist vorgesehen für die Förderung dualer Studiengänge, den erstmals ausgeschriebenen landesweiten Wettbewerb Lehre, mit dem das beste Lehrkonzept in jedem Studiengang prämiert werden soll, und ein Exzellenzprogramm in der Lehre.

Unter dem Titel "Profilbildung bei der Nachwuchsförderung" sind Fördermittel für den Aufbau eines allgemeinen Systems der Graduiertenförderung, die spezielle Förderung hochbegabter Promovenden und Master-Studierender, die Einrichtung eines neuen Promotionsstudiengangs Medizin, der gekoppelt ist mit der Einführung des Abschlusses Medizinischer Doktor, und Promotionsstipendien für die besten FH-Master subsumiert. Dafür sollen bis Ende 2006 rund 2,7 Millionen Euro ausgegeben werden.

Der dritte Projektbereich gilt der Profilbildung in der Forschung. Analog zur Profilbildung in der Nachwuchsförderung gibt es auch hier zwei Förderebenen. In einer ersten Ebene werden Forschungszentren miteinander vernetzt und gefördert, die hervorragende Leistungen vorzuweisen haben. Ebene zwei sieht die Einrichtung so genannter Exzellenzcluster vor. Dazu zählen Kooperationen von Forschungseinrichtungen inner- und außerhalb der Hochschulen, die international bereits jetzt hervorragend positioniert sind und die durch diese besondere Förderung ihre Spitzenklasse weiter festigen beziehungsweise ausbauen können. Zöllner kündigte an, diese Exzellenzcluster von einem hochkarätig besetzten externen Gremium beurteilen zu lassen. Die Kommissionsmitglieder werde er bei dem erstmals veranstalteten "Tag der Forschung" am 18. Februar vorstellen.

"Unabhängig von der seit Monaten geführten Exzellenz-Diskussion setzen wir bei uns im Land ein Programm zur Förderung von Spitzenleistungen in Forschung und Lehre um. Damit verschaffen wir unseren Hochschulen einen enormen Wettbewerbsvorteil", sagte Zöllner.

Für die Profilbildung in der Forschung sind in 2005 und 2006 insgesamt 14,8 Millionen Euro eingeplant. Damit sollen neben dem auf zwei Ebenen stattfindenden Förderverfahren auch die Clusterbildung in Forschung und Lehre zwischen Universitäten und Fachhochschulen und die Gründung des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme in Kaiserslautern unterstützt werden. Finanziell gefördert werden in diesem Rahmen zudem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in wichtigen überregionalen Gremien vertreten sind, beispielsweise dem Wissenschaftsrat.

Zur Profilbildung im Wissenstransfer (2,2 Millionen Euro insgesamt) gehören die Einrichtung eines Fraunhofer-Instituts "Ambient Intelligence" in Ungarn, die Anschubfinanzierung für die Projektgruppe "Optische Technologie" der Fraunhofergesellschaft und der Aufbau von Kompetenzzentren der Fachhochschulen.

Für Zöllner stellt Wissen schafft Zukunft eine ausgewogene Mischung aus Breiten- und Spitzenförderung dar. "Breite und Spitze sind keinen Gegensätze, sondern von einander abhängig. Ihre Förderung liegt in beiderseitigem Interesse. Von dem Programm profitieren deshalb nach Angaben des Ministers die Fachhochschulen nicht weniger als die Universitäten.

Großen Wert legt der Minister auf eine transparente und kooperative Ausgestaltung des Programms Wissen schafft Zukunft. Intensive Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise durch Informationsbesuche in allen Hochschulen des Landes, gehöre ebenso dazu wie Initiativen mit externen Partnern. "Ich kann mir beispielsweise vorstellen, gemeinsam mit der Wirtschaft für die Akzeptanz der neuen Bachelor- und Masterabschlüsse zu werben", erläuterte Zöllner.


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden