Zukunftstrends

Trends Shaping Education 2019

Im OECD Bericht Trends Shaping Education 2019 werden die wichtigsten wirtschaftlichen, politischen, sozialen und technologischen Trends untersucht, die sich auf die Zukunft der Bildung auswirken. Vier Fragen an OECD-Eexpertin Tracey Burns.

22.01.2019 Bundesweit Artikel OECD Centre Berlin
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In „Trends Shaping Education“ nennen Sie fünf potenzielle Megatrends, die Einfluss auf die Bildung der Zukunft haben: Globalisierung, politische Beteiligung, Sicherheit, Bevölkerungsalterung und moderne Lebensformen. Welcher wird uns Ihrer Meinung nach am stärksten beeinflussen?
Insgesamt befassen wir uns in dem Bericht mit 50 Trends! Daher ist es ziemlich schwierig, nur einen auszuwählen. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann für den Trend, der mit allen anderen zusammenhängt, und das ist die zunehmende Ungleichheit. In den OECD-Ländern ist die Kluft zwischen Arm und Reich auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren. Die Verschuldung der Haushalte ist gestiegen, und die reichsten zehn Prozent haben fast das Zehnfache des Einkommens der ärmsten zehn Prozent. Diese Ungleichheit tritt dann erstmalig in den Schulen ans Licht und kann zu Konflikten und Spannungen führen. Es gibt klare Belege dafür, dass sich Ungleichheit im Klassenzimmer auch zu Ungleichheit in Bezug auf die digitalen Fähigkeiten führt, die für das moderne Leben unverzichtbar sind. Insofern wird viel Druck auf die Bildung ausgeübt. Sie soll als einer der wichtigsten Hebel zur Verringerung der Ungleichheit fungieren – eine Herausforderung, die sie jedoch nicht allein bewältigen kann.

Welche Fähigkeiten werden benötigt, um 2030 auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein?
Die größten Veränderungen in den letzten zehn Jahren sind ganz offensichtlich auf die modernen Technologien zurückzuführen. Beim Blick in die Zukunft ist eine der großen Unbekannten die Geschwindigkeit, mit der sich die künstliche Intelligenz weiterentwickelt. Bis 2030 wird erwartet, dass Maschinen, die in der Lage sind, ähnlich wie Menschen kognitive Aufgaben zu erfüllen, in Beschäftigungssektoren wie dem Gesundheitswesen (Krebserkennung), Verkehr (fahrerlose Autos) und Umwelt (intelligenter Energieverbrauch) eine wichtige Rolle spielen werden. Insofern müssen wir viel mehr darüber nachdenken, wie menschliche Fähigkeiten die künstliche Intelligenz von Computern ergänzen können. Gut zu lesen, zu schreiben und zu rechnen oder auch Probleme zu lösen wird auch künftig noch wichtig sein. Andere Fähigkeiten wie kreatives und kollaboratives Problemlösen, Konfliktverhandlungen und die Fähigkeit, in gemischten Teams zu arbeiten, werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Arbeitgeber werden bei der Auswahl der Bewerber auch verstärkt auf Verantwortungsbewusstsein, Werte und Ethik achten.

Wie können junge Menschen auf die Herausforderungen von morgen vorbereitet werden? Worauf sollten sich Regierungen und Bildungsexperten konzentrieren?
Pädagogen müssen im Blick haben, was ihre Schüler benötigen, um auf wissensintensiveren Arbeitsmärkten zu bestehen, ohne die Entwicklung anderer wichtiger Kompetenzen zu vernachlässigen. Dazu gehören „Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts" wie globale Sprachen, fortgeschrittene digitale Kompetenz sowie soziale und emotionale Intelligenz.

Doch es gibt auch noch übergeordnete Fragen. Wenn die Zukunft der Arbeit zu einem großen Teil auf freiberuflichen, digitalen „Gigs“ basiert, was bedeutet dies für die Ausbildung am Arbeitsplatz? Und was muss sich ändern, damit Bildung nicht nur als lebenslanges Lernen verstanden wird, sondern sich auch auf alle Lebensbereiche bezieht? Die derzeitigen Angebote im Bereich des lebenslangen Lernens scheinen in den meisten Ländern Defizite in der Erstausbildung eher zu verstärken als zu verringern. Obwohl das durchschnittliche Renteneintrittsalter in den OECD-Ländern seit 1970 relativ stabil geblieben ist, hat die längere Lebenserwartung die Rentenzeit von durchschnittlich 13 Jahren im Jahr 1970 auf 20 Jahre im Jahr 2015 erhöht. Wenn wir davon ausgehen, dass die schulische Bildung junge Menschen auf das Leben vorzubereiten soll, dann ist es ein Unterschied, ob die durchschnittliche Lebenserwartung 80 bis 90 Jahre beträgt oder 60 bis 70 Jahre. Die Verantwortung für lebenslanges Lernen schlüpft häufig durch die Maschen verschiedener Ministerien und Arbeitgeber, so dass sich niemand für das System als Ganzes verantwortlich fühlt. Das muss sich ändern.

Welche Tipps oder Empfehlungen haben Sie für 20-Jährige, die auf Arbeitssuche sind, 30-Jährige, die während ihrer Karriere auf dem neuesten Stand bleiben wollen, und 50-Jährige, die ihren Job verloren haben?
Man kann heute nicht mehr davon ausgehen, ein Leben lang nur einen Job zu machen. Deshalb würde ich sagen – und das gilt für alle drei Gruppen –, dass ein grundlegendes Elemente des Erfolgs darin bestehen wird, anpassungsfähig zu sein und mit Unsicherheiten umzugehen. Für einen 20-Jährigen, der gerade erst anfängt, über seinen Karriereweg nachzudenken, ist die Zukunft noch offen, was aufregend, aber auch beängstigend sein kann. Für die 30-Jährigen, von denen viele gerade erst nach längerer Zeit im Tertiärbereich ihre Karriere beginnen, bestehen die gleichen Herausforderungen. Doch haben 30-Jährige möglicherweise ein besseres Gefühl dafür entwickelt, was sie motiviert und begeistert. Denn wenn wir wirklich etwas mit Leidenschaft tun, dann sind wir am erfolgreichsten. Man sollte keine Angst davor haben, den Berufsweg oder Studiengänge zu wechseln, wenn man sich für neue Ideen und Wege begeistert. Und was die 50-Jährigen angeht: Auch wenn einige Menschen nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten wollen oder können, wissen wir aus Trends Shaping Education 2019, dass es doch viele ältere Menschen gibt, die länger arbeiten möchten. Wir haben die Verantwortung, dazu beizutragen, Lernmöglichkeiten anzubieten, damit Menschen nach dem Verlust eines Arbeitsplatzes wieder auf die Beine kommen beziehungsweise wieder in Ausbildung und Qualifizierung einsteigen können. Dies ist nicht immer der Fall. In der gesamten OECD erhalten diejenigen, die die Erwachsenenbildung am dringendsten benötigen – die Geringqualifizierten – diese derzeit am wenigsten. An der Stelle gibt es noch viel zu tun.

Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht bei OECD: Bessere Politik für ein besseres Leben.


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