Gastbeitrag

Das Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention

Im Januar 2020 hat das neue "Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention" die Arbeit aufgenommen. Gesine Agena, Koordinatorin des Kompetenznetzwerkes, stellt das Projekt im Gespräch mit Matthias Quent vor; für wen es da ist und welche Ziele sich das Netzwerk gestellt hat.

05.07.2021 Bundesweit Artikel Sozialmagazin
  • © Monkey Business - stock.adobe.com

Zu dem Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention gehören die Organisationen Amadeu Antonio Stiftung, Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche + Rechtsextremismus (in Trägerschaft von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V.), Cultures Interactive e. V., Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V., und die Lidice Haus Jugendbildungsstätte. Der Zusammenschluss wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert.

Matthias Quent: An wen richten sich die Angebote des Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention?
Gesine Agena: Unsere Angebote richten sich an alle Menschen und Organisationen, die sich mit Rechtsextremismus auseinandersetzen – sei es in der Familie, im Sportverein oder in der Kirchengemeinde. Für die Beratung von Menschen, die Erfahrungen mit Rechtsextremismus machen, sind die Träger des KompRex spezialisierte Ansprechpartner. Außerdem beraten wir Fachkräfte in der Berufspraxis, beispielsweise im Kinder- und Jugendbereich. Zusätzlich haben wir als Netzwerk die Aufgabe, auch innerhalb von "Demokratie leben!" Vernetzung und Austausch herzustellen, das heißt, wir vernetzen die Modellprojekte, arbeiten mit Partnerschaften für Demokratie oder Landesdemokratiezentren zusammen.

Matthias Quent, Dr., ist Soziologe, Sachbuchautor und Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena sowie Sprecher des Standorts Jena im Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ).

M.Q.: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Herausforderungen, für die das Netzwerk Abhilfe schaffen kann?
G.A.:
Von rechtsextremen Mobilisierungen geht in Deutschland eine große Gefahr aus. Die schrecklichen Ereignisse in Halle, Hanau oder Kassel haben uns das einmal mehr gezeigt. Mit den Corona-Protesten haben Rechtsextreme ein neues Mobilisierungsthema gefunden. Für uns als Netzwerk geht es darum, mit Präventionsarbeit dem Rechtsextremismus entgegenzuwirken. Wir analysieren diese Entwicklungen, schulen Organisationen und Institutionen im Umgang mit Rechtsextremismus und sind Anlaufstelle für alle, die damit in Berührung kommen. Die Stärke des KompRex liegt vor allem darin, dass das Netzwerk besonders wichtige gesellschaftliche Zielgruppen und Themen zusammenbringt, wie etwa Justiz und Wirtschaft oder Jugendarbeit und Kirchen und den digitalen Bereich. Aus dieser Bündelung ergibt sich ein facettenreiches Bild über Rechtsextremismus(-prävention) in Deutschland.

Gesine Agena ist Politikwissenschaftlerin und arbeitet als Koordinatorin des Kompetenznetzwerk Rechtsextremismusprävention.

M.Q.: Und wie genau können Sie insbesondere Praktiker_innen der Sozialen Arbeit unterstützen?
G.A.: Die Träger des KompRex bieten Fortbildungen für Multiplikator_innen der Sozialen Arbeit an und bieten Vernetzung, Beratung und Fachaustausch zu unterschiedlichen Themen und Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit. Beispielsweise zum Umgang mit Rechtsextremismus in Familien oder in der Weiterentwicklung jugendkultureller Präventionspraxis. Wir sensibilisieren für rechtsextreme Online-Subkulturen oder bieten Fortbildungen gegen Verschwörungsmythen oder Rassismus in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit an, und wir setzen uns für eine geschlechterreflektierte Rechtsextremismusprävention ein. Mit der jährlichen Netzwerkkonferenz des KompRex richten wir uns an die Fachöffentlichkeit, aktuell entwickeln wir außerdem eine Fortbildungsreihe.

M.Q.: Anfang des Jahres hat das KompRex das "Infoportal Rechtsextremismusprävention" veröffentlicht. Was bietet das Infoportal?
G.A.: Im Infoportal finden sich die wichtigsten Beratungs-, Bildungsund Präventionsstellen aus der Zivilgesellschaft zum Themenkomplex Rechtsextremismus auf einen Blick. Egal ob nach Unterstützung bei rechtsextremen Angriffen, Begleitung für einen Ausstieg aus der rechtsextremen Szene, Beratung zu rechtsextremen Vorfällen in der Umgebung oder nach Workshops, Aufklärungsmöglichkeiten oder  orschungserkenntnissen gesucht wird, im Infoportal findet man schnell professionelle und passende Stellen, die weiterhelfen können. Das Infoportal Rechtsextremismusprävention richtet sich dabei sowohl an alle Menschen mit jeglichen Fragestellungen und Anliegen beim Umgang mit Rechtsextremismus als auch an alle professionellen Stellen, Projekte und Einrichtungen, um sich untereinander zu vernetzen, voneinander zu wissen und aufeinander zu verweisen.

© Sozialmagazin.

Der Inhalt dieses Beitrags ist urheber- und leistungsschutzrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung von Inhalten, außer zum persönlichen Gebrauch, ist ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Julius Beltz GmbH & Co. KG unzulässig. Dies gilt insbesondere für ganze oder teilweise Veröffentlichung, Vervielfältigung, Weitergabe, Bearbeitung oder Einspeisung in elektronische Systeme (z.B. Unternehmensnetze oder Datenbanken). Derartige Verwendungen sind ohne gesonderte vertragliche Vereinbarung unzulässig und verstoßen gegen geltendes Recht. Alle Rechte bleiben vorbehalten. www.juventa.de


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden