Erste länderübergreifende Multiplikatorenausbildung zur schulischen Suchtprävention

"Sucht kennt keine Grenzen, also ist auch in der Suchtprävention grenzüberschreitende Zusammenarbeit geboten", sagte Kultusminister Siegfried Schneider heute in Abtenau (Österreich), wo er zusammen mit der Salzburger Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller das erste länderübergreifende Projekt zur Suchtprävention für Jugendliche aus Bayern und Salzburg vorstellte. Vom 9. bis 13. Mai 2005 sind 13 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Moosburg und der HBLA Annahof Salzburg zu einer speziellen Multiplikatorenausbildung auf den Heuberg bei Salzburg eingeladen. Sie setzen sich dabei mit speziellen Aspekten des Themas "Sucht" sowie mit ihren Aufgaben und Handlungsmöglichkeiten als zukünftige Multiplikatoren auseinander. Initiatoren des Projekts sind die Kontaktstelle in Suchtfragen (KIS) des Landesschulrats für Salzburg, der Verein für Prävention, Jugendhilfe und Suchttherapie Prop e.V. aus Oberbayern sowie der Münchner Verein ANAD e.V., der sich besonders für Schülerinnen mit Ess-Störungen engagiert.

13.05.2005 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

Das Projekt verfolgt einen besonders innovativen Weg der Suchtprävention. Es beruht auf dem pädagogischen Ansatz der "Peer-Education" und bezieht die Erfahrung mit ein, dass Meinungsführer in einer Gruppe oder Klasse suchtpräventiv wirken können. "Wir wissen, dass der Einstieg in den Konsum legaler wie illegaler Drogen bei Jugendlichen nahezu ausschließlich über den Freundes- und Bekanntenkreis erfolgt. Das hängt damit zusammen, dass Jugendliche sich in ihrem Verhalten sehr stark an der "Clique", an der "Peer-Group" orientieren. Nichts liegt also näher, als jugendliche Multiplikatoren auszubilden, die ihren Altersgenossen mit positivem Beispiel vorangehen", sagte der Minister. Dank ihrer sozialen Stellung in der Gruppe fänden die Multiplikatoren einen ganz anderen Zugang zu ihren Freunden und Bekannten, als dies Erwachsenen oftmals möglich sei. Selbstverständlich sollten die Multiplikatoren dabei nicht Therapeuten ersetzen.

Vom Gymnasium Moosburg nehmen an der Ausbildung 6 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren teil. Die fertig ausgebildeten Multiplikatoren sollen an ihren Schulen ein selbst zusammengestelltes Präventionsprogramm anbieten und mit verschiedenen Klassen Workshops durchführen. Der Minister lobte die Jugendlichen für ihr besonderes Engagement. "Als Multiplikatoren geben die Jugendlichen ihren Mitschülerinnen und Mitschülern ein klares Signal: "Hände weg von allen Suchtmitteln!" Dazu gehört Standhaftigkeit und auch ein Stück weit Mut, sich gegen den erschreckenden Trend zur Verharmlosung von Drogen zu wenden", sagte Schneider.

Erhebungen etwa der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter Jugendlichen zwischen 12 und 25 Jahren haben einen dramatischen Wandel in der Haltung junger Menschen zu Drogen ans Licht gebracht: Während 1989 noch 77% der Befragten es kategorisch ablehnten, Cannabis zu erproben, waren es im Jahr 2001 nur noch 54%. Insbesondere an legalen Substanzen wie Alkohol und Tabak erlernen die Jugendlichen den Umgang mit Suchtstoffen. 90% der 16-Jährigen haben heute Alkohol-Erfahrungen; der Griff zur Zigarette erfolgt oft bereits im Alter von 11 oder 12 Jahren, dabei hat sich der Anteil der Mädchen unter den Rauchern deutlich erhöht. "Vor dem Hintergrund der immer größeren Gefährdungen von Jugendlichen müssen wir die Präventionsangebote weiter verstärken und dabei vielfältige Wege nutzen ? zum Beispiel auch Multiplikatorenkonzepte", sagte der Minister. Er freue sich, dass das neu vorgestellte Projekt langfristig angelegt sei und Zug um Zug weitere Schulen mit einbeziehen wird.

Schneider dankte den österreichischen Partnern, die entsprechende Projekte bereits seit Herbst 2003 anbieten, für die Ermöglichung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sowie den Vereinen Prop e.V. und ANAD e.V. für die Durchführung des Projekts auf bayerischer Seite.

Zusammen mit der Salzburger Landeshauptfrau Burgstaller beteiligte sich Schneider in Abtenau an einer Schluchtüberquerung am Seil 80 Meter über der Aubachklamm. Sie gehört zum erlebnispädagogischen Teil der Multiplikatorenausbildung und soll das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler sowie den Zusammenhalt der Gruppe stärken.

Weitere Informationen gibt es über die Internet-Adressen www.prop-ev.de sowie www.anad.de.


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