Schulentwicklungsplan

39 neue Schulen für Hamburg

Bis 2030 steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den staatlichen allgemeinen Schulen voraussichtlich um rund 40.000. Deshalb will die Schulbehörde in den nächsten elf Jahren 39 neue Schulen gründen und rund ein Drittel der bestehenden Schulen ausbauen.

07.05.2019 Hamburg Pressemeldung Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB)
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Dafür wird der Senat voraussichtlich mehr als vier Milliarden Euro in den Schulbau investieren. Schulsenator Ties Rabe: „Die Zahl der Geburten steigt seit 2015 deutlich. Und immer weniger Familien ziehen aus Hamburg ins Umland. Das freut uns und bestätigt unsere Politik für gute Kita- und Ganztagsangebote. Die Hamburgerinnen und Hamburger blicken optimistisch in die Zukunft, und Hamburg ist eine kinderfreundliche Stadt geworden. Wir wollen, dass das so bleibt und auch künftig alle Kinder einen guten Schulplatz bekommen. Deshalb werden wir das laufende Schulbauprogramm noch einmal verstärken. Dabei setzen wir auf eine umfangreiche Beteiligung aller Schul- und Bezirksvertretungen.“

Der von der Schulbehörde vorgelegte Entwurf für einen Schulentwicklungsplan basiert auf Prognosen des Statistikamts Nord, nach denen die Schülerzahlen bis 2030 um rund 25 Prozent ansteigen. Ursachen dafür sind neben dem Zuzug von Familien nach Hamburg und der sinkenden Abwanderung ins Umland vor allem steigende Geburtenzahlen. Lag die Zahl der unter einjährigen Kinder bis 2014 durchschnittlich bei rund 17.000, steigt sie seit 2015 deutlich an. 2017 wurden bereits knapp 21.000 Kinder registriert. Hält der Trend an, steigt die Zahl der Kinder etwa viermal stärker als die Einwohnerzahl. Das Statistikamt Nord hat deshalb 2018 die Schülerprognosen deutlich erhöht.

Senator Rabe: „Wachstum ist für Hamburgs Schulen nichts Neues. Bereits von 2010 bis 2018 ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler um rund zehn Prozent (+17.000) gestiegen. Gleichwohl hat der Senat in dieser Zeit die Schulqualität verbessert und dafür die Zahl der Lehrkräfte und Pädagogen um 30 Prozent sowie den Schulbau um 130 Prozent gesteigert. Unser laufendes Ausbauprogramm sorgt trotz weiter steigender Schülerzahlen noch bis 2022/23 für gute Schulangebote. Aber wir wollen und müssen jetzt rechtzeitig vorsorgen, damit auch in der Zeit danach alle Kinder einen Schulplatz bekommen. Wir nehmen schon heute die Kinder und Eltern in den Blick, die erst in einigen Jahren einen guten Schulplatz suchen. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es später eng.“

Das Schülerwachstum und der damit verbundene Ausbau der Schulen verteilen sich nicht gleichmäßig über die ganze Stadt. Größere Steigerungen sind zu erwarten in der Region Süderelbe mit bis zu 75 Prozent, in Hamburg-Mitte (West) mit Hafencity mit bis zu 60 Prozent, sowie in den Kerngebieten von Harburg, Eimsbüttel und Altona mit rund 40 bis 45 Prozent.

Der Entwurf für den Schulentwicklungsplan zielt insgesamt darauf ab, die Zahl der Klassen pro Jahrgang („Züge“) in den Grundschulen von 661 im Schuljahr 2017/18 auf bis zu 876 zu erhöhen. An den Stadtteilschulen soll die Zahl der Züge von 297 auf bis zu 386 erhöht werden, an den Gymnasien von 248 auf bis zu 333. Hinzu kommen noch rund zwölf Züge, die noch keiner Schulform zugeordnet sind. Insgesamt ist das ein Zuwachs von rund 30 Prozent. Schulsenator Rabe: „Unser Ausbauprogramm ist nicht auf Kante genäht, sondern wir handeln verantwortlich und gehen lieber auf „Nummer sicher“. Deshalb gibt es ein paar Reserven, damit auch unvorhersehbare Entwicklungen abgefangen werden können.“

Rund die Hälfte des Ausbauprogramms wird durch den Bau von 39 neuen Schulen organisiert: 19 Grundschulen und 20 weiterführende Schulen, darunter fünf Gymnasien, zwölf Stadtteilschulen und drei noch nicht näher bestimmte weiterführende Schulen. Die andere Hälfte wird durch den Ausbau von 76 Grundschulen, 24 Stadtteilschulen und 18 Gymnasien um durchschnittlich jeweils eine zusätzliche Parallelklasse realisiert. In wenigen Fällen können einzelne Schulen aufgrund ihrer Raumkapazitäten auch ohne Baumaßnahmen mehr Schüler aufnehmen. Ties Rabe: „39 neue Schulen für Hamburg – eine solche Gründungswelle hat es seit dem Babyboom der 60er Jahre nicht mehr gegeben. Das zeigt klar: Hamburg blickt optimistisch in die Zukunft.“

Neue Schulen entstehen in allen Bezirken: sieben in Hamburg-Mitte, jeweils sechs in Altona, Eimsbüttel und Hamburg-Nord, jeweils fünf in Bergedorf und Harburg und vier in Wandsbek. Einige neue Schulen sind bereits öffentlich erörtert und durchgeplant, beispielsweise die neuen Grundschulen „Telemannstraße“ und „Wolfgang-Borchert-Schule“ in Eimsbüttel. Bei anderen steht die Planung noch ganz am Anfang. Weil die Schülerzahlen verstärkt zunächst ab 2023/24 an den Grundschulen und erst vier Jahre später an den weiterführenden Schulen steigen werden, konzentriert sich der Schulausbau in einem ersten Schritt vor allem auf die Grundschulen.

Bis zu zehn der neuen Stadtteilschulen sollen als so genannte „Campus-Stadtteilschulen“ zwei Bildungsgänge gleichzeitig anbieten: den gymnasialen Bildungsgang, der in acht Jahren zum Abitur führt, und den Bildungsgang der Stadtteilschule, der zu allen Schulabschlüssen und nach neun Jahren zum Abitur führt. Zurzeit bieten bereits die Heinrich-Hertz-Stadtteilschule und die Gyula-Trebitsch-Stadtteilschule dieses Modell an. Beide gehören zu den beliebtesten Schulen der Stadt.

Senator Rabe: „Wir haben darauf geachtet, dass Hamburgs Schulen eine vernünftige Größe haben. Grundschulen haben nach dem Ausbau durchschnittlich knapp vier Parallelklassen, Gymnasien und Stadtteilschulen rund fünf. Mehr als sechs Parallelklassen gibt es in Zukunft nur in vier Grundschulen (derzeit drei), mehr als sieben Parallelklassen künftig nur in sechs weiterführenden Schulen (derzeit vier).

Expertinnen und Experten der Schulbehörde haben im Vorwege jede Schule unter die Lupe genommen. Sie schlagen nur dort einen Ausbau vor, wo das Schulgelände und die bestehenden Schulgebäude auch genügend Ansatzpunkte bieten. Von einem Ausbau profitiert in der Regel die ganze Schule, weil dann auch meistens die bestehenden Räume saniert oder baulich verbessert werden. Neue Unterrichtsräume sind mit einer Fläche von über 80 Quadratmetern deutlich großzügiger bemessen als der heutige Durchschnitt aller Klassenräume. Für den einzelnen Schüler bedeutet das mehr Platz als bisher.

Der Schulentwicklungsplan gibt Ziele vor, ist jedoch kein detaillierter Architekten- oder Bauplan. Wie schon bei bisherigen Schulentwicklungsplänen werden die konkreten Baumaßnahmen erst in den Jahren nach der Verabschiedung des Schulentwicklungsplanes Schritt für Schritt mit den Schulgemeinschaften abgestimmt. In den kommenden Jahren ist genug Zeit, um alle offenen Fragen zu klären. Ties Rabe: „Mit dem Schulentwicklungsplan geht es jetzt erst einmal darum, die perspektivischen Ziele festzulegen.“ 

Umfangreiche Beteiligungsmöglichkeiten

Der Referentenentwurf wird noch in dieser Woche allen Schulgemeinschaften, Kreiselternräten, Kreisschülerräten, Bezirksversammlungen, der Bürgerschaft sowie Schüler- Lehrer- und Elternkammer zugestellt, gleichzeitig auf der Homepage der Schulbehörde veröffentlicht und zusätzlich dem Landesschulbeirat sowie zahlreichen Verbänden und Interessengruppen zur Verfügung gestellt.

Senator Rabe: „Wir wollen eine breite Beteiligung und laden alle Schulvertretungen – Lehrkräfte, Eltern, Schulleitungen sowie Schülerinnen und Schüler – ausdrücklich zum Mitmachen ein. Deshalb haben wir die Beteiligungsmöglichkeiten und Beratungsfristen des letzten Schulentwicklungsplans nicht nur beibehalten, sondern zum Teil sogar verlängert. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir nach einer umfassenden Beratungszeit bis zu den Herbstferien den Schulentwicklungsplan beschließen und verabschieden können. Denn die Kinder, um die es geht, sind jetzt schon geboren und werden in vier bis fünf Jahren vor den Schultüren stehen. Wir tragen gemeinsam eine Verantwortung dafür, dass auch zukünftige Eltern und zukünftige Kinder einen guten Schulplatz finden und kurze Schulwege haben.“

Rabe erinnert in diesem Zusammenhang: „Das prognostizierte Wachstum ist bemerkenswert. Aber in den 70er Jahren hatte Hamburg sogar noch mehr Schülerinnen und Schüler. Damals allerdings waren die Klassen mit rund 30 Schülerinnen und Schüler deutlich größer als heute. Wenn wir heute ein milliardenschweres Bauprogramm anstoßen, dann geschieht das vor allem deshalb, weil wir die hohe Qualität der Hamburger Schulen bewahren und ausbauen wollen.“

Entwurf Schulentwicklungsplan: www.hamburg.de/schulentwicklungsplan 

Schulinformationssystem: www.hamburg.de/schulinfosystem/


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