GEW zur NDR-Umfrage:

Auch große Mehrheiten können irren

Nicht immer liegen große Mehrheiten richtig. Das betrifft auch die Frage von Ziffernnoten an der Grundschule. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) jedenfalls hält es nach wie vor für richtig, aus pädagogischen Gründen an Grundschulen auf Ziffernnoten zu verzichten, auch wenn sich rund 80 Prozent der Befragten dafür aussprechen.

22.09.2014 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Menschen orientieren sich bei der Beurteilung bildungspolitischer meistens Fragen an dem, was sie kennen, an ihrer eigenen Schulzeit. Daher verwundert es nicht sonderlich, dass die ganz große Mehrheit Ziffernnoten in der Grundschule behalten will. Dem steht aber fast der gesamte wissenschaftliche Sachverstand von Pädagogen, Grundschullehrkräften, Hirnforschern und Lernpsychologen entgegen", sagte der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn am Montag, 22. September 2014 in Kiel zu den Ergebnissen der NDR-Umfrage. Für die Fachleute sei nämlich klar, dass Kinder bis zur Pubertät ohne Ziffernnoten besser lernten.

Matthias Heidn wies darauf hin, dass in der Schule der Wille, etwas wissen zu wollen, und der Spaß am Lernen im Mittelpunkt stehen sollten. Für die Motivation der Kinder seien diese Antriebsfedern wesentlich wichtiger als der Wunsch nach Noten. "Kinder müssen lernen, sich für sich selbst anzustrengen und nicht nur für gute Noten." Ziffernnoten gaukelten außerdem eine Schein-Objektivität vor und ließen keinen Platz für differenzierte Rückmeldungen zu den Lernleistungen der Kinder.

In Hinblick auf die Auseinandersetzung um G 8/G 9 mag die GEW der großen Mehrheit der Befragten ebenfalls nicht folgen. "Wir halten die Lösung in Schleswig-Holstein, G 8 über die Gymnasien und G 9 über Gemeinschaftsschulen (wenn diese keine Oberstufen haben zum Beispiel auch in Kooperation mit beruflichen Gymnasien) für einen gangbaren Weg, der an den meisten Schulen auch zu funktionieren scheint", argumentierte der GEW-Landesvorsitzende.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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