Übertrittszeugnis

Bayerischer Elternverband kritisiert zu frühe Sortierung der Schulkinder

Am kommenden Mittwoch wird nach dem Aushändigen des Übertrittszeugnisses so manche Familie erleichtert aufatmen: Das "Grundschulabitur" ist bestanden und eine spätestens in der dritten Klasse begonnene Phase großen Leistungsdrucks nimmt ein vorläufiges Ende.

30.04.2018 Bayern Pressemeldung Bayerischer Elternverband
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Der Bayerische Elternverband kritisiert seit jeher die allzu frühe Sortierung der Kinder in verschiedene Schularten. Dies begünstige die Angst vieler Eltern, dass ihr Kind ohne Gymnasium keinen guten Start ins Leben bekäme. "Dies ist falsch und dadurch widerlegt, dass in Bayern rund 40% aller Hochschulzugangsberechtigungen nicht über das Gymnasium erworben werden", gibt der Landesvorsitzende des bayerischen Elternverbands, Martin Löwe zu bedenken. "Wir wünschen Eltern den Mut und die Gelassenheit, bewusst den ruhigeren Weg über andere Schularten zu wählen und ihren Kindern mehr Muße zu gönnen."

Das Bildungsministerium begründet die zeitige Aufteilung der Kinder mit der "Begabungsgerechtigkeit" der weiterführenden Schulen. Dem widerspricht Löwe: "Wir glauben nicht, dass Begabungen und Neigungen in diesem Alter durchwegs so ausgeprägt und fixiert sind, dass damit diese frühe Trennung der Schüler zu rechtfertigen ist." Ein Verzicht auf die frühe Selektion würde genügend Ressourcen freisetzen, um individuelle Neigungen und Begabungen trotz längerer gemeinsamer Schulzeit fördern zu können.

Für die Schüler selbst sei in diesem Alter die soziale Bindung an ihre Freunde besonders wichtig. Wenn sie selbst gefragt würden, wählten sie die Schule aus, in die ihre besten Freunde gehen. Auch dies dürfe man nicht außer Acht lassen, denn auch Selbstbestimmung sei ein Faktor für den Lernerfolg.

Stark kritikwürdig ist nach Ansicht des Bayerischen Elternverbands nach wie vor auch der Stress, der mit dem Übertritt verbunden sei. "Im Alter von acht bis zehn Jahren sollten Kinder Ruhe zum Lernen und Reifen bekommen. Stattdessen jagt ein Test den anderen", kritisiert Löwe. Allein im Fach Deutsch seien in der vierten Klasse für das Übertrittszeugnis zwölf Leistungsnachweise zu erbringen. Dadurch laste auch auf den Familien großer Druck. "Hausaufgaben, Lernen, Unlust, Aufforderungen und Abfragen dominieren in dieser Zeit häufig derart das Familienleben, dass die Beziehung von Kindern und Eltern darunter leidet", klagt Löwe und resümiert: "Alles in Allem sehen wir im bayerischen Übertritts- und Selektionsverfahren mehr Nachteile als Vorteile!"


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