Schleswig-Holstein

Beim Schul-TÜV auf dem falschen Dampfer

Mit einem Schulterzucken quittierte Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die 100-Tage-Bilanz von Bildungsministerin Britta Ernst am Montag, 15. Dezember 2014 vor der Presse: "100 Tage sind für eine Bildungsministerin keine lange Zeit. Insofern haben wir keine allzu hohen Erwartungen an die 100-Tage-Bilanz der neuen Bildungsministerin. Trotzdem hätten wir uns von ihr klarere Worte gewünscht: zum Beispiel zu den Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte, aber auch zum Einsatz der im Inklusionskonzept vorgesehenen Schulassistentinnen und – assistenten. Was sollen sie tun? Welche konkrete Qualifikation sollen sie mitbringen?"

15.12.2014 Pressemeldung GEW Schleswig-Holstein

"Auf dem falschen Dampfer" sieht der GEW-Landesvorsitzende die Bildungsministerin mit ihrer Absicht, den Schul-TÜV wieder einzuführen. Der Schul-TÜV sei seinerzeit nach nur kurzer Lebensdauer zu Recht wieder einkassiert worden. Aufwand und Nutzen hätten in keinem vernünftigen Verhältnis gestanden. Wolle die Bildungsministerin diese Idee nun wirklich wiederbeleben, müsse sie an den Schulen starke Überzeugungsarbeit leisten. Warum sollten sich Schulen dem Prozess einer Evaluation unterziehen, wenn anschließend keine Mittel bereit stünden, um Defizite, zum Beispiel durch Fortbildung, abzubauen?

Zustimmung kommt von der Bildungsgewerkschaft für die Absicht der Bildungsministerin, freien Zugang zu Bildung und die Durchlässigkeit im Bildungssystem als eine der wichtigsten Aufgaben der Bildungspolitik zu betrachten. "Hier liegen wir mit der Bildungsministerin auf einer Linie. Allerdings würden wir uns für die Schulen eine personelle Ausstattung wünschen, die es ihnen auch ermöglicht, diese Aufgaben zu erfüllen", sagte Matthias Heidn. Trotz weniger Stellenstreichungen als von der Vorgängerregierung geplant, liege hier noch vieles im Argen.

Positiv sei der Plan der Bildungsministerin, 125 zusätzliche Stellen für den Unterricht von Flüchtlingskindern und 50 Sonderpädagogen-Stellen bereit zu stellen. Auf der Habenseite der neuen Bildungsministerin verbuchte die GEW auch die Idee von Britta Ernst, im kommenden Jahr den Vertretungsfonds um 4,45 Millionen Euro auf rund 16,5 Millionen Euro aufzustocken. In der beruflichen Bildung könnten die von der Bildungsministerin favorisierten Jugendberufsagenturen ein sinnvoller Schritt sein, damit junge Leute besser auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassten.

Ansprechpartner

GEW Schleswig-Holstein

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