Lernverhalten

Bereits Grundschüler erschweren durch ihr Verhalten Unterricht

Die Schlagzeilen, in denen von Resignation und Ohnmacht der Schulen die Rede ist, weil immer mehr Schüler durch ihr Verhalten schon im Grundschulbereich massiv andere Kinder vom Lernen abhalten, nehmen zu.

06.03.2018 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg
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Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht mit Sorge, dass im Unterricht stumme Signale von Seiten der Lehrer von etlichen Schülern in ihrem ungebremsten Mitteilungs- und Bewegungsdrang nicht einmal mehr wahrgenommen werden. 

Weil viele Kinder von zu Hause nicht mehr die Erziehung erfahren dürfen, die für eine gesunde Entwicklung nötig ist, wird den Kindertagesstätten und Schulen eine Sisyphusarbeit aufgebürdet, an der diese Einrichtungen scheitern müssen - trotz aller bildungspolitischen Offensiven und pädagogischen Bemühungen der Erzieherinnen und der Lehrkräfte. Kindergärten und Schulen sind angewiesen auf starke, interessierte und engagierte Eltern als Partner für die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu mündigen, verantwortungsvollen Bürgern. Zuallererst sind bei der Bildung und Erziehung der Kinder die Eltern gefordert, dann unterstützen Kindergärten und Schulen diese bei ihrem heute sicher nicht einfachen Erziehungsauftrag. Was in frühester Kindheit aus Unwissenheit, Nachlässigkeit oder auch Bequemlichkeit versäumt worden ist, lässt sich später - wenn überhaupt - nur mit großer Kraftanstrengung und hohem finanziellen Aufwand wieder ausbügeln. Deshalb müsste nach Auffassung des VBE sinnvollerweise auch dort angesetzt werden, wo man am meisten bewirken kann: schon beim Kleinkind. Alles andere später artet meist nur in mehr oder minder hilflose Reparaturversuche aus.

Exzessiver Medienkonsum - vom ständig eingeschalteten Handy über den Computer, DVD-Player und TV-Apparat bis hin zur Spielekonsole - und in Erziehungsfragen grenzenlos nachgiebige, bisweilen sogar vernachlässigende oder gleichgültige Eltern erschweren Kindern und Jugendlichen, in der Schule konzentriert und selbständig zu arbeiten. Lehrer müssen daher oft, bevor sie ihren eigentlichen Bildungsauftrag wahrnehmen können, erst einmal Basis-Erziehungsarbeit leisten, damit Unterricht in zu vollen Klassen überhaupt stattfinden und gelingen kann. „Dieser tägliche Spagat zwischen dem eigenen hohen Anspruch an sich selbst, an einen effektiven Unterricht und der vorgefundenen Realität ist Stress pur und macht den Pädagogen das Leben unnötig schwer und sie letztendlich krank“, so der VBE-Sprecher. Erziehung sei heute nötiger denn je, könne jedoch nicht einziger Stundeninhalt sein. Unterricht müsse schwerpunktmäßig Unterricht bleiben und dürfe auch nicht zur Therapiestunde umfunktioniert werden.


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Ein Kommentar vorhanden

  • Johannes Krauth 07.03.2018 10:27 Uhr
    Unterricht muss Unterricht bleiben -ist das wirklich so?
    Wenn die Schüler - aus welchen Gründen auch immer - gar nicht aufnahmebereit sind, dann hat Unterricht keinen Sinn.
    Einfach darauf zu bestehen: "Jetzt machen wir aber Mathe, keine Therapie!" - ist das sinnvoll?
    Ich will hier gar nicht einsteigen in die Diskussion darüber, ob Unterricht so , wie wir ihn verstehen überhaupt sinnvoll ist, ob Kinder nicht viel besser von sich aus lernen als von einem Lehrer. Aber dass gewissen Voraussetzungen bei Schülern gegeben sein müssen, damit sie lernen können, ist doch offensichtlich. Und wenn sie nicht gegeben sind, brauchen die Lehrer auch nicht zu unterrichten. Dann sind einfach andere Sachen dran.
    Ich glaube, das Vermitteln von prüfbarem Wissen wird bei uns immer noch stark überbewertet. Es gibt eine Fülle von Beispielen berühmter Persönlichkeiten, die in der Schule eher versagt haben, trotzdem in ihrem Leben Großes geleistet haben.
    Sooo wichtig ist das alles nicht, was in der Schule unterrichtet wird!
    Trotzdem: Meine Hochachtung vor den Leuten, die sich täglich dem Schulstress aussetzen und in dieser anscheinend hoffnungslosen Umgebung dennoch etwas für die Kinder erreichen wollen!
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