Baden-Württemberg

Bildung ist keine Chefsache mehr

"Ich kann mich nicht erinnern, dass in den vergangenen 30 Jahren ein Schuljahr begonnen und die Kultusminister bei der Vorstellung der Pläne für das kommende Schuljahr gefehlt hätten. Ich kann nicht verstehen, dass die Kultusministerin in dieser entscheidenden Phase für die Haushaltsberatungen und Bildungsreformen Urlaub macht und sich nicht für eine solide Finanzierung der Reformen stark macht. Statt zu gestalten, soll jetzt ohne erkennbares Konzept auf Kosten der Jüngsten im Land gespart werden. Wenn Grün-Rot mit der wichtigsten Ressource hier im Land so umgeht, wird die Regierung ihre Akzeptanz bei den Wählerinnen und Wählern verlieren", sagte am Mittwoch (05.09.) in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

05.09.2012 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Derzeit laufen in Stuttgart wichtige Verhandlungen über den nächsten Doppelhaushalt ohne die Spitze des Kultusministeriums. Will die Landesregierung nur einen ganz kleinen Teil ihrer bildungspolitischen Reformvorhaben umsetzen, gibt es bis 2016 keinen Spielraum für die Streichung von Lehrerstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Essener Bildungswissenschaftlers Klaus Klemm.

Die GEW begrüßt zwar die meisten Reformideen der Landesregierung. "Nach vielen Gesprächen mit Vertretern der Landesregierung und der Regierungsfraktionen ist aber nicht erkennbar, dass nur ein Bruchteil der Pläne umgesetzt werden kann. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass Kinder und Jugendliche und mit ihnen die Beschäftigten in den KiTas und Schulen keine Lobby mehr im Parlament und auf der Regierungsbank haben", sagte Moritz.

Die GEW setzt sich dafür ein, dass im Doppelhaushalt 2013/14 keine Lehrerstellen gestrichen werden. Die Klemm-Studie zum Lehrerbedarf untersucht, wie viele Lehrerstellen bis 2015/16 für den Aufbau von 300 Gemeinschaftsschulen und den Ausbau von gebundenen Ganztagsangeboten an 15 bis 20 Prozent der Schulen zusätzlich benötigt würden. Er prüft die Steigerung des Anteils von Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen (Inklusion), die Verstärkung der individuellen Förderung und die Erhöhung der Lehrerreserve auf 2,5 Prozent. Von der so genannten demografischen Rendite an allgemein bildenden Schulen von 6.138 Stellen müssten bis 2015/16 4.621 bis 5.312 Stellen in diese Reformen investiert werden.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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