Bildungsgerechtigkeit

Bildungs- und Teilhabepaket erreicht Millionen Kinder nicht

Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) kritisiert, dass das Bildungs- und Teilhabepaket bei Millionen von Kindern versagt. Der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hängt deshalb maßgeblich von der sozialen Herkunft ab.

04.05.2018 Bundesweit Pressemeldung Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V. (DKSB)
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Ein Bündel von Maßnahmen ist notwendig, um allen Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Deshalb fordert der DKSB: Mehr Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder!

Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), doch nur etwa 619.000 haben die Leistungen aus dem BuT nach aktuellen Zahlen 2016 auch tatsächlich erreicht. Mehr als zwei Millionen bleiben ohne ausreichende Lernmittel, ohne Lernförderung und ohne richtigen Zugang zu Sport-, Kultur- und Freizeitangeboten. Das Bildungs- und Teilhabepaket versagt also auf ganzer Linie.

Auch aktuelle Studien belegen, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien nicht an allen Bereichen der Bildung teilhaben können. Familien in höheren Einkommensgruppen investieren im Schnitt 3x so viel in die Bildung ihrer Kinder. Und nicht in allen Bundesländern ist echte Lernmittelfreiheit gegeben.

"Gerechtigkeit sieht anders aus", sagt DKSB-Präsident Heinz Hilgers. "Lernmittelfreiheit bedeutet, dass Kindern Gegenstände wie Schulbücher oder Übungshefte kostenlos zur Verfügung gestellt werden. In manchen Bundesländern muss man aber zuzahlen. Wir wollen, dass alle Kinder und Jugendlichen die wichtigsten Lernmaterialien kostenfrei erhalten. Denn auch die hundert Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket reichen einfach nicht."

Prof. Dr. Ulrich Spie, Vorstandsvorsitzender des DKSB-Ortsverbandes Essen, fordert im Rahmen der "Essener Erklärung" mehr Verantwortung und Finanzierung durch den Staat: "In unseren lernHÄUSERN fördern wir Schulkinder und begleiten sie während ihrer Schullaufbahn. Es ist skandalös, dass wir Spendenmittel dafür verwenden müssen, damit Kinder in die Lage versetzt werden, überhaupt einen Schulabschluss erlangen zu können."

Insbesondere Kinder aus benachteiligten Lebenssituationen benötigen bestmögliche Entwicklungschancen, so Annette Müller, Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten beim DKSB-Ortsverband Essen: "Chancengerechtigkeit ist nur dann zu erreichen, wenn die Potentiale der Kinder frühzeitig erkannt und Entwicklungsschritte begleitet werden. Gelingende Bildungsprozesse in der KiTa ermöglichen den Kindern einen guten Start in die Schule und das Leben."

Der Deutsche Kinderschutzbund stellt aus Anlass seiner diesjährigen Bundesmitgliederversammlung, den Kinderschutztagen in Essen, deshalb fünf Forderungen an die Politik:

  • Das Bildungs-und Teilhabepaket muss abgeschafft und durch eine Kindergrundsicherung in Höhe von 619 Euro im Monat überflüssig gemacht werden. 
  • Alle Basis-Lernmaterialien müssen an allen Schulformen in ganz Deutschland kostenfrei zur Verfügung stehen. - Alle Kinder müssen Zugang zu Förderangeboten bekommen. 
  • Genauere Daten über den realen Schulbedarf müssen erhoben werden. - Schulen müssen für die hohen Bildungskosten von Eltern sensibilisiert werden.

Lernmittelfreiheit und Bildungs- und Teilhabepaket - wie aktuell ausgestaltet - sind keine Instrumente, um Bildungsgerechtigkeit wirklich herzustellen. Grundlegende Maßnahmen und ein verändertes Bewusstsein sind notwendig, um allen Kindern gleich gute Bildungschancen zu bieten.


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