Bayern

BLLV- Präsident Wenzel: "Bildung genießt keine Priorität - das muss sich ändern"

Die Schul- und Bildungspolitik in Bayern droht aus dem Ruder zu laufen. "Wir haben es inzwischen mit so vielen Baustellen zu tun, dass der Überblick verloren geht", sagte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München. Mit Sorge sei zu beobachten, dass es mittlerweile an Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten eine Fülle ungelöster Probleme gibt.

20.10.2010 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.

"Anstatt dringend erforderliche Reformen anzugehen und genügend Geld bereit zu stellen, dreht die Staatsregierung nur an einzelnen Schrauben. Die Bemühungen laufen vielfach ins Leere, weil die dafür nötigen Ressourcen - Zeit, Personal und finanzielle Mittel - fehlen. Wenzel forderte, Kindergärten, Schulen und Hochschulen nicht nur von Einsparplänen zu verschonen, sondern für diesen Bereich zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. "Die Politik verliert sonst mehr und mehr an Glaubwürdigkeit. Die Menschen spüren, dass Bildung in Bayern keine Priorität genießt, obwohl ständig das Gegenteil behauptet wird."

Bei den Bildungseinrichtungen kommt zu wenig an. Egal, ob es sich um Kindertagesstätten, Grund,- Haupt- und Förderschulen, berufliche Schulen, Gymnasien, Realschulen oder Universitäten handelt, die Probleme sind überall ähnlich: Es steht zu wenig Personal zur Verfügung, es gibt zu wenig Zeit, zu wenig Geld, oftmals werden auch räumliche Kapazitäten gesprengt. Bestes Beispiel ist die vor kurzem aufgeflammte Diskussion um die Bewältigung des doppelten Abiturjahrgangs und die Situation an den bayerischen Hochschulen, die angesichts der Rekordzahlen in die Knie gehen. Wenzel fordert daher für den Etat des Wissenschaftsministeriums eine deutliche Erhöhung.

Hinzu kommt das Festhalten an nicht mehr zeitgemäßen Schulstrukturen: Jeder Gedanke an Veränderung werde mit dem Argument, man wolle in Bayern keine Einheitsschule, im Keim erstickt. "Niemand in Bayern will eine Einheitsschule", stellte Wenzel klar. "Was aber viele Menschen wollen, sind zeitgemäße Schulen und Hochschulen, die sich an den Bedürfnissen der jungen Menschen orientieren, die sie fördern und ihnen vernünftige Perspektiven bieten. Was viele auch wollen, ist eine intensive und individuelle Förderung für alle Kinder und Jugendlichen. Es nützt nichts, ständig von individueller Förderung zu reden, sie muss auch stattfinden."

Tatsache sei aber, dass bereits an vielen Kindertagesstätten der Mangel herrscht und Kinder nicht entsprechend gefördert werden können. "Es fehlt entgegen den Verlautbarungen der Politik Personal. Nach wie vor werden Erzieher/innen beschämend schlecht bezahlt, sie müssen ihren Beruf in viel zu großen Gruppen ausüben und können daher nicht jedem Kind wirklich gerecht werden. An den Grundschulen setzen sich diese Probleme fort. Auch hier können Reformansätze nicht wirklich greifen, weil die Personaldecke so dünn ist, dass gerade noch der Pflichtunterricht aufrecht erhalten werden kann", sagte Wenzel. Gymnasien und Realschulen platzen bekanntlich aus allen Nähten, es fehlen Lehrer, Gebäude, rhythmisierte Ganztagsschulen, von ausreichend Zeit und Möglichkeiten für eine echte individuelle Förderung der Schüler ganz zu schweigen.

Die Probleme seien seit langem bekannt, konstatierte der BLLV -Präsident. Die Situation habe sich nun aber derart zugespitzt, "dass sie kein Vertrösten auf Morgen verträgt." Sein Fazit: "Bildung braucht eine klare Priorität. Viele Bürgerinnen und Bürger haben es satt, dass im Bildungsbereich gespart und das Gegenteil von dem gemacht wird, was ständig verkündet wird." Für junge Menschen sei das ein verheerendes Signal. "Viele Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen stehen mit dem Rücken zur Wand."

Wenzel appellierte erneut an die Staatsregierung, den wachsenden Unmut, die Sorgen und Nöte der jungen Menschen, der Schüler, Studierenden und vieler Eltern ernst zu nehmen. "Wir brauchen mutige und durchgreifende Reformen. Ziel muss sein, sämtliche Kindertagestätten, Schulen und Universitäten stark zu machen."


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