Bildungsstandards

Brandenburg setzt auf mehr Verbindlichkeit

Bildungsminister Holger Rupprecht äußert sich enttäuscht über die heute in Berlin öffentlich präsentierten Ergebnisse des Landes Brandenburg beim Ländervergleich der Bildungsstandards. "Wir liegen sowohl in Deutsch als auch in Englisch im unteren Leistungsbereich - das ist nicht zufriedenstellend." Erfreulich sei allerdings, dass die Bildungsgerechtigkeit in Brandenburg relativ hoch sei, so Rupprecht. "Die Chancen von Akademikerkindern ein Gymnasium zu besuchen sind gegenüber gleichintelligenten Facharbeiterkindern nur 2,4 mal so hoch - damit liegen wir hinter Berlin auf Platz 2." Besonders ausgeprägt sei die soziale Bildungsungerechtigkeit hingegen in Baden-Württemberg und Bayern, wo die Chancen von Akademikerkindern gegenüber Facharbeiterkindern 6,6 beziehungsweise 6,5 mal so hoch sind.

23.06.2010 Pressemeldung Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Man werde jetzt überprüfen, woran die schlechten Ergebnisse im Einzelnen lägen, versichert der Bildungsminister. In Englisch sei auffällig, dass alle ostdeutschen Bundesländer schlecht abschneiden, so Rupprecht. "Das zeigt, dass die nachträgliche Qualifikation von fachfremden Lehrkräften, die nach der Wende in allen neuen Ländern aufgrund eines Mangels an Fremdsprachen-Lehrern notwendig war, eine reguläre Ausbildung nicht ersetzen kann. Zudem spielt sicher auch die zu geringe Sprachpraxis von vielen Englisch-Lehrkräften eine wichtige Rolle." In Deutsch offenbarten sich im Land Brandenburg vor allem in der Orthographie erhebliche Leistungsmängel. "Hier haben in der Vergangenheit verbindliche Anforderungen gefehlt."

Bildungsminister Rupprecht kündigt erste Konsequenzen an. "Wir werden die Basiskompetenzen der Schülerinnen und Schüler in Deutsch und Englisch deutlich stärken und die Lehrkräfte durch Fortbildungs- und Beratungsangebote wirksamer unterstützen - das wird zum Teil bereits im kommenden Schuljahr geschehen." Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  • Die Grundschulen werden künftig die Möglichkeit erhalten, Unterrichtsstunden umzuschichten, um das Lesen und Verstehen im Fach Deutsch sowie die Rechtschreibung verstärkt üben zu können.
  • In den Grundschulen sowie den weiterführenden Schulen werden obligatorische Diktate und Rechtschreibüberprüfungen eingeführt und sprachliche Fehler - etwa in der Rechtschreibung - gehen künftig in den weiterführenden Schulen verstärkt in die Noten aller Fächer ein.
  • Bereits in diesem Schuljahr ist gemeinsam mit Thüringen ein Lesestrategie-Set erarbeitet und mit ausgewählten Lehrkräften erprobt worden - ab dem kommenden Schuljahr wird es landesweit eingesetzt.
  • Es werden verbindliche Lektüreempfehlungen für einzelne Jahrgangsstufen erstellt.
  • Im Schuljahr 2011/12 wird die Prüfung im Fach Englisch am Ende der Jahrgangsstufe 10 um einen zentralen Hörverstehenstest erweitert.
  • Das Unterstützungssystem für Schulen wird verbessert - in einem ersten Schritt werden ab Herbst Schulen, die problematische Ergebnisse aufweisen, Unterstützung durch Beraterteams erhalten.
  • Für Englisch-Lehrkräfte werden Fortbildungsangebote erarbeitet.

Rupprecht verweist trotz der zum Teil ernüchternden Ergebnisse des aktuellen Ländervergleichs darauf, dass sich das Land beim letzten PISA-Ländervergleich insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften ungeachtet schwieriger demografischer, wirtschaftlicher und finanzieller Rahmenbedingungen kontinuierlich und signifikant verbessert habe. "Das belegt, dass wir uns mit den seit PISA 2000 getroffenen bildungspolitischen Entscheidungen im Land Brandenburg auf dem richtigen Weg befinden." Die jüngsten Ergebnisse würden allerdings zeigen, dass dieser Weg noch nicht beendet ist, so Rupprecht. "Wir müssen uns jetzt den aktuellen bildungspolitischen Herausforderungen stellen: Mehr Verbindlichkeit und eine weitere Stärkung der Schulen und Lehrkräfte."

Bei der Überprüfung der Bildungsstandards im Ländervergleich wurden sowohl in Deutsch als auch in der ersten Fremdsprache Englisch Lesen und Zuhören getestet. In Deutsch wurden zudem die Kenntnisse in Orthographie untersucht.

  • Beim Leseverständnis deutscher Texte erreichten die Neuntklässler in Brandenburg 485 Punkte und liegen damit auf Platz 13.
  • Beim Hörverständnis deutscher Texte erreichten die Neuntklässler in Brandenburg 479 Punkte und liegen damit auf Platz 14.
  • In der deutschen Rechtschreibung erreichten die Neuntklässler in Brandenburg 473 Punkte und liegen damit auf Platz 15.
  • Beim Leseverständnis in der ersten Fremdsprache Englisch erreichten die Neuntklässler in Brandenburg 468 Punkte und liegen damit auf Platz 15.
  • Beim Hörverständnis in der ersten Fremdsprache Englisch erreichten die Neuntklässler in Brandenburg 449 Punkte und liegen damit auf Platz 16.

Hintergrund zum Ländervergleich Bildungsstandards 2010:

Die Vergleichsstudie der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zu den Bildungsstandards in den 16 Bundesländern löst die bisherigen PISA-Ländervergleiche ab. Die Bildungsforscher des IQB untersuchten dazu im Mai 2009 bundesweit die Leistungen von 41.000 Neuntklässlern aller Schularten in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch. In Brandenburg beteiligten sich rund 2.500 Neuntklässler aus 108 Schulen (25 Gesamtschulen, 48 Oberschulen, 35 Gymnasien) am Ländervergleich in den Fächern Deutsch und Englisch. Sie mussten sich Anforderungen stellen, die bundesweit zum Erreichen des Mittleren Schulabschlusses nach der Jahrgangsstufe 10 erwartet werden. Die Bildungs- und Kultusminister hatten in den Jahren 2003 und 2004 bundesweit geltende Bildungsstandards für verschiedene Fächer und verschiedene Schulabschlüsse verabschiedet. Ziel der Studie ist zu überprüfen, inwieweit diese Standards in den einzelnen Ländern erreicht werden.

Hintergrund zu Maßnahmen des Bildungsministeriums seit 2000:

Das Bildungsministerium hat seit der ersten Schulleistungsstudie PISA 2000 zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Qualität in brandenburgischen Schulen zu verbessern. Dazu zählen unter anderem

  • Maßnahmen zur Verbesserung der frühkindlichen Förderung (Verbesserung der Bildungsarbeit in den Kitas mit den "Grundsätzen elementarer Bildung", Früherkennung von Entwicklungsbedarfen mit den "Grenzsteinen der Entwicklung" sowie Förderung sprachauffälliger Kinder),
  • Maßnahmen zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Ganztagsangeboten mit dem Ziel erweiterter Fördermöglichkeiten, insbesondere für Schüler mit Bildungsdefiziten und besonderen Begabungen,
  • Maßnahmen zur besseren Verzahnung von vorschulischem Bereich und Grundschule,
  • Maßnahmen zur Verbesserung des grundlegenden Verständnisses mathematischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge (Differenzierung in den Jahrgangsstufen 5 und 6, neue Grundschulrahmenlehrpläne),
  • Maßnahmen zur wirksameren differenzierten Förderung von bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie von Begabten (Initiative Oberschule, Feriencamps, Leistungs- und Begabungsklassen) sowie
  • Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Qualität von Unterricht und Schule (neue Rahmenlehrpläne für die Sekundarstufe I und II, zentrale Lernstandstests in der Primarstufe, Vergleichsarbeiten in der Sekundarstufe I, landesweite Prüfungen am Ende der Jahrgangsstufe 10, zentrale Abiturprüfungen, Schulvisitation als externe Evaluation von Schulen).

Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden