Demografische Entwicklung

Brenner: "Zuwanderung bremst den Rückgang der Schülerzahl"

Im noch laufenden Schuljahr 2014/15 werden gut 1,552 Millionen Schülerinnen und Schüler an den öffentlichen und privaten allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Land unterrichtet. 1 Seit dem Schuljahr 2005/06 ist die Schülerzahl damit um gut 161 000 (−9 Prozent) zurückgegangen.

23.07.2015 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Nach der aktuellen Vorausrechnung des Statistischen Landesamts könnte die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2025/26 weiter auf rund 1,444 Millionen (−7 Prozent gegenüber 2014/15) absinken.

"Die Zuwanderung bremst den Rückgang der Schülerzahlen, der aufgrund der demografischen Entwicklung zu erwarten wäre," sagte Dr. Carmina Brenner, die Präsidentin des Statistischen Landesamts, heute auf der gemeisamen Pressekonferenz mit Kultusminister Stoch.

Allerdings stellt die Wanderungsbewegung auch den größten Unsicherheitsfaktorin der Modellrechnung des Statistischen Landesamts dar. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geht für 2015 von mehr als doppelt so vielen Asylsuchenden in Deutschland – und damit auch in Baden‑Württemberg – aus wie im Jahr 2014. Da sich hierunter Kinder und Jugendliche befinden, die grundsätzlich schulpflichtig sind, wird sich dies auch auf die Entwicklung der Schülerzahlen auswirken. Wie sich diese Situation in den kommenden Jahren weiter entwickeln wird, ist allerdings heute nicht vorhersehbar. Für die Modellrechnung wurde in den nächsten Jahren eine erhöhte Zuwanderung angesetzt, bevor diese wieder auf das aktuelle Niveau abgesenkt wird.

Ein weiterer Faktor, der die Verteilung der Schülerzahlen zwischen den Schularten beeinflusst, dessen Auswirkung aus heutiger Sicht aber noch nicht sicher beurteilt werden kann, ist die Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen. Frau Dr. Brenner bekräftigte daher die Absicht des Statistischen Landesamts, die Modellrechnung auf Basis der aktuellen Ergebnisse der amtlichen Schulstatistik in den nächsten Jahren jährlich zu aktualisieren, um die gesammelten Erfahrungen in das Berechnungsmodell einfließen zu lassen.

An allgemeinbildenden Schulen bis 2025 rund 47 000 Schüler weniger

An den öffentlichen und privaten allgemeinbildenden Schulen wurden im Schuljahr 2014/15 insgesamt etwas mehr als 1,129 Millionen Schüler gezählt.1 Bis 2020/21 könnte ihre Zahl zunächst um rund 4 Prozent zurückgehen, bevor in den folgenden Schuljahren relativ stabile Geburtenzahlen und vor allem die Zuwanderung dafür sorgen dürften, dass die Schülerzahl nahezu konstant bleibt und im Schuljahr 2025/26 bei 1,082 Millionen liegen könnte – 47 000 Schülerinnen und Schüler (−4 Prozent) weniger als 2014/15. An den Grundschulen 2 dürfte in den kommenden Jahren die Schülerzahl sogar wieder etwas ansteigen. Gegenüber dem Schuljahr 2014/15 läge sie 2025/26 mit 381 900 um rund 12 500 höher (+3 Prozent).

An den weiterführenden Schulen wird die Einführung der Gemeinschaftsschule aller Voraussicht nach für eine deutliche Verlagerung der Schülerzahlen sorgen. Die Annahmen zum weiteren Ausbau der Gemeinschaftsschulen ergeben für sie in der Modellrechnung des Statistischen Landesamts bis 2025/26 den Wert von 122 500 Schülerinnen und Schülern. Die Schülerzahl der Werkreal- und Hauptschulen würde demnach von gut 114 000 im Schuljahr 2014/15 bis 2025/26 auf 50 400 (−56 Prozent) zurückgehen und die Schülerzahl der Realschulen von über 231 600 auf 180 100 (−22 Prozent). Die Schülerzahl an den Gymnasien läge 2025/26 mit 284 100 um 29 400 (−9 Prozent) unter dem Wert des Schuljahres 2014/15.

Schülerzahl an beruflichen Schulen erst mittelfristig rückläufig

Knapp 423 100 Schülerinnen und Schüler wurden im Schuljahr 2014/15 an den öffentlichen und privaten beruflichen Schulen ausgebildet. Bedingt durch den Ausbau der beruflichen Gymnasien und die Notwendigkeit der Einrichtung zusätzlicher Klassen im Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf für Schülerinnen und Schüler ohne ausreichende Deutschkenntnisse dürfte die Schülerzahl der beruflichen Schulen in den nächsten beiden Schuljahren noch auf einem ähnlichen Niveau bleiben. Erst danach setzt sich die demografische Entwicklung durch und ergäbe nach den Annahmen der Modellrechnung für das Schuljahr 2025/26 eine Schülerzahl von 362 100 (−14 Prozent gegenüber 2014/15).

Die Schülerzahl der Teilzeit-Berufsschulen des dualen Ausbildungssystems wird wohl überdurchschnittlich stark zurückgehen, von knapp 192 200 im Schuljahr 2014/15 auf 161 700 (−16 Prozent) im Schuljahr 2025/26. An den beruflichen Vollzeit-Schulen liegt die Schülerzahl im Schuljahr 2014/15 bei 230 900. Laut der Modellrechnung dürfte aus den oben genannten Gründen zunächst ein Anstieg der Schülerzahl zu erwarten sein, die sich aber demografisch bedingt bis 2025/26 voraussichtlich wieder auf 200 400 (−13 Prozent) verringern wird.

Weiterhin hohes Niveau der Absolventenzahl mit Hochschulreife

Die Zahl der Hochschulreifezeugnisse lag 2014 mit gut 50 500 wieder nahezu exakt auf demselben Niveau wie im Jahr 2013. In den nächsten beiden Jahren wird sich die Zahl der Absolventinnen und Absolventen mit Hochschulreife weiter positiv entwickeln. Den Höhepunkt erreicht ihre Zahl im Rahmen der Modellrechnung im Jahr 2016 mit 53 700 (+6 Prozent gegenüber 2014). Erst 2020 würde deren Zahl wieder unter die Marke von 50 000 und bis 2025 weiter auf 46 900 sinken. Zusammen mit den 18 200 Absolventinnen und Absolventen mit Fachhochschulreife würden im Jahr 2025 dann 65 100 Hochschulzugangsberechtigungen verliehen werden. Dies entspräche ungefähr dem Niveau von 2009.

Im Jahr 2014 hatten rund 68 500 Absolventinnen und Absolventen einen mittleren Schulabschluss erworben. In den Folgejahren wird deren Zahl wieder zurückgehen und 2025 mit 58 400 wohl um rund 10 000 unter dem Wert des Jahres 2014 liegen. Der mittlere Abschluss bleibt aber vor der Hochschulreife beständig der am häufigsten erworbene Schulabschluss. Die Zahl der Hauptschulabschlüsse wird weiter absinken. Für 2025 ergibt die Modellrechnung noch 21 100 Hauptschulabschlüsse im Vergleich zu gut 25 900 im Jahr 2014. Die ohnehin bereits geringe Zahl von Schulabgängen ohne Hauptschulabschluss dürfte von knapp 5 900 im Jahr 2014 bis 2025 weiter auf 3 800 zurückgehen.


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