GEW B-W

Broschüre zum Thema Homosexualität

Nach den Rückmeldungen nach der TV-Sendung Maischberger am 11.02.14 wird die GEW-Broschüre unter dem Titel "Lesbische und schwule Lebensweisen - ein Thema für die Schule" derzeit überarbeitet. Damit sollen in Zukunft bewusste und unbewusste Fehlinterpretationen der Arbeitsmaterialien vermieden werden.

24.02.2014 Pressemeldung GEW Baden-Württemberg

Die Berichterstattung in den Stuttgarter Nachrichten von heute (24.02.) gibt leider nicht den aktuellen Stand wieder, da die GEW sich bereits vergangene Woche dazu entschieden hat, diese Arbeitshilfe für Lehrer/innen zu überarbeiten. Die aktuelle Berichterstattung der SN von heute bezieht sich auf Gespräche mit der GEW vom 14.02.14.

Hintergrund

Es gibt seit 1997 eine bundesweit geschätzte 40seitige Broschüre der GEW Baden-Württemberg mit dem Titel "Lesbische und schwule Lebensweisen - ein Thema für die Schule". Sie enthält Sachinformationen, sehr viele Materialien zum Thema Homosexualität und gibt auch Anregungen zur Diskussion einer Gleichberechtigung aller Lebensformen. Die Broschüre kann seit 16 Jahren bei der GEW bestellt werden. Es gab in diesen über 16 Jahren keine einzige Rückmeldung, dass der Einsatz der Arbeitsmaterialien von den pädagogischen Profis nicht der jeweiligen Ziel- und Altersgruppe angemessen erfolgte bzw. sich Schüler/innen oder Eltern beschwert hätten.

In der Broschüre ist als Material "Der heterosexuelle Fragebogen" enthalten, im vorderen Teil wird erläutert, wie dieser Fragebogen eingesetzt werden kann. Diese Fragen haben den Zweck aufzuzeigen, dass das Leben heterosexueller Menschen als normal wahrgenommen und anerkannt und darüber nicht diskutiert wird - dass dies aber in unserer Gesellschaft bei homosexuellen Menschen von vielen anders gesehen wird. Durch das methodisch durchaus gebräuchliche Element der Verfremdung wird dies überspitzt dargestellt. In diesem Sinne provozieren die Fragen. Der satirische und provozierende Charakter des Fragebogen ist klar erkennbar und versucht dadurch zur Aufdeckung von Vorurteilen gegenüber Homosexuellen beizutragen. Offenbar wird dies aber nicht allen Leser/innen deutlich, was ein Grund für die derzeitige Überarbeitung der Arbeitshilfe ist.

Im vorderen Teil finden sich u. a. auch Hinweise, wie und für welche Altersgruppe evtl. der Fragebogen eingesetzt werden kann. Sie ist kein Heft für Schülerinnen und Schüler, sondern eine Handreichung für Lehrkräfte.

In dem genannten Fragebogen wird z. B. durch Umkehrung (Ersetzung des Wortes "homosexuell" durch "heterosexuell") karikiert, mit welchen Fragen und Unterstellungen Homosexuelle oft konfrontiert sind. Z.B.: "Woher glaubst du, kommt deine Heterosexualität?" "Wissen deine Eltern, dass du heterosexuell bist? Wissen es Deine Freundinnen und Freunde? Wie haben sie reagiert?"

Die Frage, ob es für Frauen wirklich sinnvoll sei, "eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und damit das Risiko von Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft einzugehen" soll somit z. B. satirisch den Umstand verdeutlichen, dass Homosexualität gerade von konservativen und evangelikalen Kreisen (und ja auch jüngst in der Petition geschehen) immer wieder in einem Atemzug mit HIV und anderen psychischen und physischen Erkrankungen oder sonstigen gesundheitlichen Risiken genannt wird.

Aus der Broschüre (Seiten 12, 13) geht eindeutig hervor, wie der Fragebogen eingesetzt werden kann: Die Befassung mit dem Thema ab Klasse 7 wird dort in vier Phasen unterteilt. Der Fragebogen gehört zu Phase 3, nachdem die Phase 1 "Einstimmung/Sensibilisierung" und Phase 2 "Vorwissen abrufen/Vorurteile und Einstellungen klären" bearbeitet sind muss. Hingewiesen wird auch ausdrücklich darauf, dass der Fragebogen "Vorurteile und Stereotype" deutlich macht. Wer dies aus dem Zusammenhang löst und als ernst gemeinte Frage darstellt, ist offenbar nicht interessiert an einer sachlichen Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Der Fragebogen wurde von Robert Baker, The Language of Sex: The Heterosexual Questionaire, bereits 1972 veröffentlicht u.a. in "Anne Minas, Gender Basics: Feminist Perspectives on Women and Men" und auch mehrfach in Zeitungsartikeln, z.B. im New Internationalist, November 1989. In den USA wird er schon seit ca. 30 Jahren in der Bildung und Anti-Diskriminierungsarbeit verwendet.

Die Broschüre behandelt das Thema und die Problematik unterschiedlicher (sexueller) Lebensweisen sachlich und ohne falsche Untertöne und ist gerade angesichts der aktuellen Debatten für Lehrer/innen eine wichtige Arbeitshilfe und ein wichtiger Beitrag dazu, die Schülerinnen und Schüler zur Benutzung des eigenen Verstandes zu befähigen. In der TV-Sendung Maischberger und anderen Beiträgen zu diesem Fragebogen wurden die oben genannten und andere Zusammenhänge leider nicht erwähnt.

Die Broschüre (in der noch nicht überarbeiteten Form) kann als pdf per E-Mail bei der GEW bestellt werden.

Ansprechpartner

GEW Baden-Württemberg

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