Lehrberuf

Deutliche Mehrbelastung wegen Zweitqualifikation

BLLV-Präsidentin fordert Korrekturen. In einem Positionspapier schlägt der Verband u.a. vor, die Zweitqualifikation besser mit Personal und Unterstützungssystemen auszustatten.

12.03.2018 Bundesweit Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.
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Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) warnt davor, durch die derzeitige Form der Zweitqualifizierung die Qualität des Unterrichts an Grund- und Mittelschulen zu gefährden. Realschul- und Gymnasiallehrkräfte sollen „so nebenbei“ zu Grund- und Mittelschullehrkräften qualifiziert werden. „Wir stellen auch fest, dass es zu deutlichen Mehrbelastungen kommt“, erklärte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann heute in München. Davon betroffen seien die Zweitqualifikanten selbst, aber auch die mit ihrer Betreuung befassten Seminarrektor/innen, Schulleitungen und begleitenden Lehrkräfte, wie das gesamte Kollegium dieser Schule. Der minimale Ausgleich von lediglich einer Stunde für die Betreuungslehrkräfte reiche nicht, so Fleischmann. Der Organisations- und Betreuungsaufwand sei erheblich umfangreicher. Sie forderte Nachbesserungen und verwies auf ein vom BLLV-Landesvorstand einstimmig verabschiedetes Positionspapier. Darin ist u.a. die Forderung formuliert, die Zweitqualifizierung grundsätzlich auf zwei Jahre auszudehnen. Während dieser Zeit sei die Unterrichtsverpflichtung auf maximal 20 Unterrichtsstunden zu begrenzen. Die freigewordene Zeit müsse für dringend notwendige Qualifizierungsangebote genutzt werden. Das Positionspapier ist nachzulesen unter www.bllv.de/positionen/zweitqualifizierung

Die personelle Not an den Grund- und Mittelschulen ist groß. So groß, dass arbeitslose Real- und Gymnasiallehrkräfte seit drei Jahren eine Zweitqualifizierung durchlaufen können, um so die Lücken an - zunächst nur - Mittelschulen zu schließen. Seit diesem Schuljahr ist dies nun auch für die Grundschulen möglich und nötig.

„Zweitqualifizierungen sind aus der Not geboren. Eine tragfähige und nachhaltige Lösung sind sie aber nicht - es sei denn, es wird nachgebessert“, betonte Fleischmann. Wie die Praxis zeige, genügten die bisherigen Maßnahmen nicht, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Art und Umfang der angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen reichten nicht einmal annähernd aus. Und: Das gehe zu Lasten der Bildung und Förderung der Schülerinnen und Schüler. Auch seien die Absolventen eines Referendariats für Realschulen und Gymnasien viel zu wenig mit der Methodik und Didaktik der Grundschule vertraut. Es sei auch nicht länger zu akzeptieren, dass Schulleitungen und Kollegien einen hohen zusätzlichen Organisations- und Betreuungsaufwand sowie eine Vielzahl zusätzlicher Vertretungsstunden stemmen müssten. Ebenso werde die Schulverwaltung zu weiteren Unterrichtsbesuchen und Beratungsgesprächen benötigt - Aufgaben, die zusätzlich zum „normalen Geschäft“ dazu kommen würden.

In dem Positionspapier schlägt der BLLV daher unter anderem auch vor, Seminarleiter mit der Begleitung einer festen Gruppe von Zweitqualifikanten zu betrauen und sie von anderen Verpflichtungen frei zu stellen.

„Eines ist klar“, betonte Fleischmann: „Es braucht nicht nur Notmaßnahmen in der Krise, sondern langfristig eine professionelle und nachhaltige Personalplanung und passgenaue Änderungen in der Lehrerbildung. Mit unserem im Oktober 2017 aufgelegten Konzept für eine flexiblere Lehrerbildung könnten die personellen Probleme an den Schulen langfristig gelöst werden.“ Wenn die Spezialisierung auf eine Schulart erst in der letzten Phase des Studiums erfolgen würde, wäre es wesentlich einfacher, auf den Schweinezyklus auf dem Lehrermarkt zu reagieren.


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