Dritte Schulsportstunde wichtiger als Fußball-WM

"Um die Fußball-WM zu einem absoluten Prestigeprojekt hochzufahren, wird mit Euros derzeit nicht gegeizt, aber für eine dritte Sportstunde pro Woche an den deutschen Schulen reicht es nicht", stellte Ludwig Eckinger, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), heute auf der Bildungsmesse didacta in Hannover fest. "Drei Schulsportstunden pro Woche sind das eigentliche Prestigeprojekt für Deutschland, auch damit die Bundesliga-Mannschaften wieder Nachwuchs aus der eigenen Region bekommen können." Wie so oft werde wieder an der falschen Stelle gespart, merkte Eckinger an, denn immer mehr junge Menschen müssten sich in ärztliche Obhut begeben, weil Altersdiabetes, Bluthochdruck oder Gelenkschäden diagnostiziert würden.

23.02.2006 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)

"Der allgemeine Bildungsauftrag an den Schulen wird beständig eingekürzt und die Öffentlichkeit nimmt das widerspruchslos hin. Seit Jahren wird vor allem die sportliche und musisch-ästhetische Bildung und Erziehung an den Schulen heruntergefahren." Es sei mehr als tragikomisch, wenn Lichtgestalten des Sports als Werbeträger Kinder und Jugendliche begeistern sollen, aber Sport wegen Lehrermangels ausfalle oder in Schulturnhallen wegen Parkettschäden oder fehlender Sportgeräte kein Sportunterricht möglich sei. Der VBE-Bundesvorsitzende erinnerte an die große Studie zum Sportunterricht, die im vergangenen Jahr von KMK und Deutschem Sportbund vorgelegt worden war und dringenden Handlungsbedarf angemahnt hatte. "Die Studie ist offenbar eingemottet, denn in keinem Bundesland wird ernsthaft der Sportunterricht verstärkt." Negativ wirke sich hier auch aus, dass PISA von sportlichen oder musischen Kompetenzen nichts wissen wolle und die Bildungsstandards sich nur auf die ´harten´ Fächer Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften, erste Fremdsprache konzentrieren würden." Ludwig Eckinger bekräftigte in Hannover: "Wir dürfen Schule nicht auf die Standard-Fächer und auf rein kognitive Leistungen eindampfen. Schule ist zur allseitigen Bildung der jungen Persönlichkeiten verpflichtet."

Der VBE-Bundesvorsitzende warnte zudem vor Tendenzen, den Sportunterricht "heimlich, still und leise aus dem staatlichen Angebot herauszunehmen und privaten Anbietern zu überlassen". "Unter dem Deckmäntelchen, Ganztagsschulen mit vielfältigen Angeboten zu schaffen, werden Vereine und Verbände aufgefordert, in die Schulen zu gehen. Das ist ein löbliches Engagement, darf aber vom Staat nicht dazu missbraucht werden, den regulären schulischen Sportunterricht mit Verweis auf Nachmittagsangebote zu kürzen."


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