Interview

„Ein Großteil der Auslandslehrkräfte verlängert ihren Vertrag.“

Seit zehn Jahren steht Werner Henkelmann von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen Lehrkräften auf Messen Rede und Antwort. Auf der didacta hat er die häufigsten Fragen gesammelt und beantwortet sie hier.

23.04.2019 Bundesweit Artikel BEGEGNUNG, Anna Petersen
  • © Bettina Meyer-Engling/ZfA Auf Messen wie der didacta stehen Werner Henkelmann und seine Kollegen von der ZfA interessierten Lehrkräften für Fragen rund um das deutsche Auslandsschulwesen zur Verfügung.

Welche Chancen habe ich bei einer Bewerbung für den Auslandsschuldienst?
Um das zu beantworten, brauche ich mehr Informationen über die Lehrkraft: Was bringt sie beruflich mit? Ist sie verbeamtet, im Landesschuldienst angestellt, Referendar? Ich erfrage Fächerkombination, Studienabschluss etc. Manchmal sprechen mich sogar Abiturienten an, die bereits wissen möchten, mit welcher Fächerkombination sie später die besten Chancen haben, um an einer Deutschen Auslandsschule (DAS) zu arbeiten. Generell gilt: Das Schulziel im Ausland ist in der Regel das Deutsche Internationale Abitur oder das Gemischtsprachige International Baccalaureate, deswegen wird die Mehrheit der Stellen in der Sekundarstufe II angeboten. Und genau wie an deutschen Inlandsschulen werden auch im Ausland viele MINT-Lehrkräfte gesucht.

Wie lange dauert ein Auslandsaufenthalt?
Der Grundvertrag bei Auslandsdienstlehrkräften (ADLK) läuft drei Jahre mit einer möglichen Verlängerung auf sechs Jahre. Funktionsstellen können dabei auf acht Jahre verlängert werden. Bundesprogrammlehrkräfte wiederum haben einen zweijährigen Grundvertrag plus zweimal zwei Jahre zur Verlängerung. Ein Großteil der ADLK verlängert übrigens tatsächlich auf sechs Jahre. Ihre durchschnittliche Verweildauer im Ausland beträgt aktuell 5,2 Jahre.

Werde ich von meinem inländischen Schulleiter freigestellt?
Nicht der Schulleiter stellt die Lehrkräfte frei, die Bewerbung erfolgt auf dem Dienstweg über das Bundesland. Die Schulbehörden stellen erst einmal die persönliche Eignung und Befähigung fest. Im Anschluss erteilt das Kultusministerium bzw. die Senatsverwaltung die Freistellung. Jedes Bundesland sollte – gemäß Auslandsschulgesetz und einer Verwaltungsvereinbarung – Lehrkräfte für den deutschen Auslandsschuldienst freistellen.

Wie funktioniert der weitere Bewerbungsweg?
Mit der Freistellung erhält die ZfA die Bewerbungsunterlagen, prüft diese und trägt sie in einer Online Datenbank ein. Wir teilen den Bewerbern dann mit: Sie sind ab sofort vermittelbar und die Freistellung ermöglicht eine Vermittlung innerhalb von vier Jahren. Die DAS-Schulleiter wiederum haben Zugriff auf die Datenbank und können nun direkt Kontakt zu den Lehrkräften aufnehmen. Die Bewerber haben dann im Laufe dieses Austauschs mit der Schule die Möglichkeit, ihre konkreten Fragen zum Einsatzort zu klären: Wie steht es um die Rahmenbedingungen vor Ort? Wie sieht es mit einer Wohnung aus? Kann ich als alleinstehende Lehrerin im Land reisen? Werden sich beide Parteien einig und möchten einen Vertrag eingehen, kümmert sich die ZfA um die Vermittlung und damit um Details wie Visa, Dienstpass oder Benachrichtigung des inländischen Dienstherrn.

Kann ich meine Stellensuche auf eine bestimmte Region beschränken?
Motivation der Lehrkraft sollte schon das Interesse am deutschen Auslandsschulwesen weltweit sein. Es können prinzipiell bis zu zwei Großregionen abgewählt werden, wenn beispielsweise eine Familie mit kleinen Kindern nicht in einer spezifischen Region leben möchte. Man sollte sich aber nicht zu sehr einschränken, das begrenzt auch die eigenen Möglichkeiten. Manchmal kann es außerdem überraschend bereichernd sein, in einem Land zu arbeiten, das vorher nicht zu den Wunschzielen gehörte. Wir hören das häufig von Rückkehrern.

Kann ich auch als Grundschullehrkraft oder Sonderpädagoge vermittelt werden?
Ja, es gibt aber nur wenige Stellenangebote.

Wie abgesichert bin ich im Ausland hinsichtlich Krankheit oder Rente bzw. Pension?
Sie können sich für den Einsatz im Ausland krankenversichern, und für die Altersvorsorge ist nach unseren einschlägigen Richtlinien gesorgt. Alle Regelungen können übrigens auf der Homepage der ZfA nachgelesen werden. Es gibt viel zu organisieren vor der Ausreise, deshalb muss man mit einem relativ langen Vermittlungs- und Vorbereitungszeitraum rechnen.

Wenn meine Bewerbung erfolgreich war, wie bereitet mich die ZfA auf meinen Auslandseinsatz vor?
Vor der Ausreise nehmen alle vermittelten Kollegen an einem einwöchigen Vorbereitungslehrgang der ZfA in Bonn teil. Die Bundesländer stellen die Lehrkräfte für diesen Zeitraum frei. Aspekte, wie zum Beispiel finanzielle Rahmenbedingungen oder Umzugsreisekosten, werden noch einmal besprochen. Alle Lehrkräfte werden zudem – je nach Einsatzort – für kritische Situationen im Ausland sensibilisiert.

Was passiert mit meiner Familie?
Grundsätzlich ist es so angelegt, dass die Familie mit ins Ausland umzieht. Die Familiengröße wird auch bei den finanziellen Leistungen berücksichtigt. Und während sich die entsprechende Schule im Ausland über weitere deutsche Pädagogen freut, ist es für die Kinder der vermittelten Lehrkraft auch eine tolle Möglichkeit, das Leben am Schulstandort kennenzulernen und mehrsprachig aufzuwachsen. Die meisten Deutschen Auslandsschulen verfügen auch über einen eigenen Kindergarten.

Was erwartet mich an einer DAS im Vergleich zu inländischen Schulen?
Die Schule befindet sich in privater Trägerschaft und zählt im jeweiligen Sitzland meist zu den besten Schulen des Landes. Die Schulen finanzieren sich zu einem großen Teil über die Schulgeldeinnahmen der Eltern. Im Gegenzug erwartet die Elternschaft eine gute Ausbildung und Erziehung ihrer Kinder. Viele DAS sind stolz auf ihre sehr gute Infrastruktur in der Schule, aber auch auf kleinere Klassenstärken. Lehrkräfte melden uns häufig zurück, dass das Unterrichten unter diesen Rahmenbedingungen sehr viel Spaß bereitet. Interessant ist zudem die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Bundesländern und mit Ortslehrkräften. In den Schulen begegnen sich unterschiedliche Kulturen und das bereichert ungemein den Unterrichtsalltag.

Inwiefern kann ich auch als Schulleiter vermittelt werden?
Die Deutschen Auslandsschulen werden von erfahrenen Lehrkräften aus Deutschland geleitet. Diese Lehrkräfte haben in der Regel bereits Schulleitungserfahrung an einer Schule in Deutschland und Erfahrung im Auslandsschuldienst oder waren bereits in anderen Funktionsstellen eingesetzt. Schulleiterstellen werden ebenso wie Fachberaterstellen in den Amtsblättern der Bundesländer und auf der ZfA-Homepage unter „Stellenangebote“ extra ausgeschrieben. Auf diese Stellen müssen sich die Interessierten konkret bewerben. Voraussetzungen und das Bewerbungsverfahren sind in den Ausschreibungen genannt.

Wie bewerbe ich mich als Lehrkraft für eine Schule im Ausland, die das Deutsche Sprachdiplom (DSD) anbietet, aber keine Deutsche Auslandsschule ist?
Direkte Bewerbungen an DSD-Schulen sind nicht möglich. Bei den Lehrkräften an Sprachdiplomschulen handelt es sich jedoch um Bundesprogrammlehrkräfte, sodass die Bewerbung als BPLK erfolgt. Voraussetzungen sind hier die Fächerkombinationen Deutsch und moderne Fremdsprachen, wichtig sind die Zusatzqualifikationen Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache. Auch Landesprogrammlehrkräfte können sich auf dem Dienstweg in ihren Kultusbehörden für diese Tätigkeit bewerben.

Herr Henkelmann, nach dieser Zusammenfassung noch eine abschließende Frage der BEGEGNUNG: Was hat sich in den letzten zehn Jahren Ihrer Beratungstätigkeit verändert?
Die Altersgrenze hat sich bei der Erstvermittlung verschoben: von 48 auf 61 Jahre. Zudem vermitteln wir in kleinem Umfang inzwischen Sonderschulpädagogen, und auch Ehepaare können nun gegebenenfalls zusammen an eine Schule gehen. Als ich vor zehn Jahren in der Beratung angefangen habe, hatten wir zudem 114 Deutsche Schulen, heute sind es 140. Seit der PASCH-Initiative des Auswärtigen Amts ist die Anzahl der Sprachdiplomschulen und auch der Deutsch-Profil-Schulen gestiegen – und damit auch die Anzahl der vermittelten Lehrkräfte. Das Auslandsschulwesen ist also immer in Bewegung!

Dieser Beitrag wurde zuerst in der Zeitschrift "BEGEGNUNG – Deutsche schulische Arbeit im Ausland" 1-2019 veröffentlicht.


Mehr zum Thema


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden